05.10.2018
Kategorie: MM Zielgruppe, PA Interviews, FT Medizin, PG Gesellschaft
Kerstin Lötzerich-Bernhard

Journalistin Gundula Gause: „Gesunde nehmen vieles als selbstverständlich wahr – und haben 1000 Wünsche. Erkrankte – gleich in welcher Hinsicht – haben nur einen Wunsch: gesund zu werden.“

Vom 08. Bis 15. Oktober ist es soweit: Die Woche des Sehens geht in ihre siebzehnte Runde. Als Schirmherrin mit dabei ist die bekannte Fernsehjournalistin Gundula Gause. Das Thema „Mit anderen Augen“ nutzen namhafte Organisationen aus den Bereichen Selbsthilfe, Augenmedizin und Entwicklungshilfe, um gemeinsam auf die Bedeutung guten Sehvermögens, die Ursachen vermeidbarer Blindheit und die Lage von blinden und sehbehinderten Menschen in Deutschland und den Entwicklungsländern aufmerksam zu machen. Bundesweit finden hierzu vielfältige Veranstaltungen wie Tage der offenen Tür, Fachvorträge, Hilfsmittelausstellungen, Dunkelcafés oder spezielle Schulaktionen statt. Detaillierte Infos unter https://www.woche-des-sehens.de/ (Newsroom „Woche des Sehens: https://www.presseportal.de/nr/63695).


Sie unterstützen die Woche des Sehens seit 2009 als Schirmherrin. Wie sind Sie zu dieser Kampagne gekommen?

Gundula Gause: Ja, vor bald zehn Jahren kam eine entsprechende Anfrage vom DVBS, dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e. V. Wahrscheinlich wird der damaligen Pressesprecherin aufgefallen sein, dass ich mich seit Langem für verschiedene Initiativen ehrenamtlich engagiere. Zudem hatte ich seinerzeit persönliche Bezüge zu Augenerkrankungen – da passte es. Ich war früher kurzsichtig und hatte Astigmatismus, also Stabsichtigkeit. Da sich dies von alleine korrigierte – und ich dies nicht glauben konnte, ging ich just zu der Zeit öfter zum Augenarzt.

 

Warum gerade das Thema „Sehen“? Was ist Ihre Motivation, was sind Ihre Ziele?

Gundula Gause: Als Fernsehfrau weiß ich einmal mehr um den Wert des guten Sehens. Wir leben in einer Medien- und Kommunikationswelt, in der Menschen mit Behinderungen zwar mittlerweile viel Unterstützung erhalten, wie zum Beispiel die Gehörlosen durch die Übersetzung von Fernsehnachrichten in Gebärdensprache. Aber gerade gesunde Augen und gutes Sehen sind in unserer visuell geprägten Welt von großer Bedeutung, um sich zurecht zu finden.

 

Wenn Sie die vergangenen Jahre als Schirmherrin betrachten, welche Erfahrungen haben Sie gemacht, welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen, die Ihnen in Bezug auf gutes Sehen, vermeidbarer Sehverlust, vermeidbare Blindheit besonders am Herzen liegen?

Gundula Gause: Nun, ich habe viel über Augenerkrankungen gelernt, bin selbst sensibilisiert und möchte gerne einen Beitrag dazu leisten, dass mehr Menschen sich um die Gesundheit ihrer eigenen Augen kümmern – und auch Rücksicht auf die Belange von Menschen mit Sehbehinderungen nehmen. Gesunde nehmen vieles als selbstverständlich wahr – und haben 1000 Wünsche. Erkrankte – gleich in welcher Hinsicht – haben nur einen Wunsch: gesund zu werden. Zudem wussten Sie, dass Augenerkrankungen auch Hinweis auf andere gesundheitliche Probleme sein können und im Kontext von zum Beispiel Diabetes oder MS stehen?

 

Weltweit leben 36 Millionen blinde Menschen, 19 Millionen von ihnen sind aufgrund von Grauem Star erblindet, die meisten davon in Afrika. Sie müssen ohne Augenlicht leben. Der Graue Star ist immer noch Erblindungsursache Nummer 1. Aber auch in Deutschland ist der vermeidbare Sehverlust oder die vermeidbare Blindheit recht häufig anzutreffen. Darum setzt sich die Woche des Sehens für Aufklärung und Vorsorge ein. Statten Sie regelmäßig Ihrem Augenarzt einen Besuch ab?

Gundula Gause: Tatsächlich nehme ich mir selbst aus Anlass der „Woche des Sehens“ immer wieder vor, regelmäßig zum Augenarzt zu gehen … und schaffe es auch zu selten. Solange man keinen konkreten Anlass hat, vermeidet man ja zusätzliche Termine. Das kann sich in vielerlei Hinsicht rächen. Was die Problematik der Erblindungen weltweit angeht, so bin ich froh, dass es die Möglichkeit gibt, Organisationen wie die Christoffel- Blindenmission oder das Deutsche Komitee zur Verhütung von Blindheit zu unterstützen, die zu den Organisatoren der Woche des Sehens zählen und sich in Entwicklungsländern entsprechend engagieren. Zudem hat unser Südostasien-Korrespondent letzthin im heute-journal über ein von Geburt an blindes Mädchen in Indien berichtet, das sich mit ihren Eltern in wissenschaftliche Experimente traut, mit denen das Gehirn und der Sehnerv untersucht werden – in der Hoffnung, dass sie über digitale Unterstützung das Sehen lernt. Auch die Berichterstattung – und hier sehe ich uns als „Nachrichtenleute“ und Journalisten in einer besonderen Verantwortung – kann helfen.

 

Haben Sie sich schon einmal selbst dabei ertappt, wie sich das Sehen im Laufe des Lebens verändert?

Gundula Gause: Ja, wie eingangs beschrieben, veränderte sich mein Sehen zunächst zum Guten. Durch meine Augenärztin erfuhr ich, dass es so etwas gibt. Na und in diesen Jahren über 50 … kämpfe ich wie viele mit der berühmten „Altersweitsichtigkeit“ – und das in der Nähe ... Das heißt, ich brauche beim Lesen von Zeitungen und Büchern – sowie auch beim Smartphone oder am PC eine Brille.

 

Haben Sie im Zuge Ihrer Arbeit als Schirmherrin ein paar Tipps? Welche Hilfsmittel/Angebote gibt es, um die Lebensqualität auf bei einer Sehbeeinträchtigung oder sogar Blindheit deutlich zu erhöhen?

Gundula Gause: Es gibt viele individuelle Möglichkeiten für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen, über die sich Betroffene allerdings am besten in persönlichen Gesprächen mit ihren Ärzten oder auch mit Selbsthilfeorganisationen austauschen sollten. Im Rahmen der Woche des Sehens gibt es zudem bundesweit zahlreiche Hilfsmittelaustellungen, die einen guten Überblick über die Angebote liefern. Auch im Internet findet man eine Vielzahl von Tipps, die oft – wie zum Beispiel beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband unter www.dbsv.org - akustisch aufbereitet sind. Dort wurden übrigens auch tolle Alltagstricks zu unterschiedlichsten Themen zusammengetragen – vom Reisen übers Kochen bis hin zum Einkaufen. Generell lohnt sich aber der direkte Kontakt mit den Selbsthilfeorganisationen, um die passenden Hilfsmittel zu finden.

 

Haben Sie selbst schon einmal die Probe aufs Exempel gemacht und ausprobiert, wie es ist, ohne den Sehsinn oder mit einem eingeschränkten Sehsinn auszukommen (z. B. „Dialog im Dunkeln“ o. ä.)?

Gundula Gause: Tatsächlich habe ich für den diesjährigen Radiospot verschiedene Simulationsbrillen aufgesetzt, um zu erfahren, wie es ist mit zum Beispiel einer Makula-Degeneration zu leben – einem unscharfen bis dunklen Fleck mitten im Blickfeld. Da war es schon extrem schwierig, einen Fahrkartenautomaten zu bedienen – ebenso wie mit der Simulationsbrille, die einem zeigt, was es heißt, mit einem fortgeschrittenem Grauen Star zu leben, also nur noch zehn Prozent dessen wahrzunehmen, was Menschen ohne Sehbehinderung sehen können. Ich habe dabei festgestellt, dass mit einer Sehbeeinträchtigung auch der Gleichgewichtssinn gestört sein kann. Es ist eine Herausforderung, mit Augenerkrankungen klarzukommen.

 

Und zum Abschluss: Was wünschen Sie sich als Schirmherrin der Kampagne für die Zukunft?

Gundula Gause: Im Konkreten würde ich mir wünschen, dass beispielsweise die Bedeutung der Früherkennung des Grünen Stars (Glaukom) eine höhere Aufmerksamkeit in unserer Gesellschaft erfährt – da sonst leider die Diagnose häufig erst gestellt wird, wenn es für präventive Maßnahmen zu spät ist und irreversible Schäden bereits eingetreten sind.

Im Großen und Ganzen wünsche ich den Veranstaltern, dass sie ihr Ziel erreichen: ein Zurückgehen von vermeidbaren Augenerkrankungen. Eine höhere Lebensqualität für Betroffene – durch eine gesteigerte Sensibilisierung in der Gesellschaft. Allen: alles Gute!

 

Herzlichen Dank für die Beantwortung unserer Fragen!

 

Foto: © ZDF/Kerstin Bänsch 


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