09.05.2019
Kategorie: MM Zielgruppe, PA Blickpunkt
Tanja Ehret

Hochbetagte Autofahrer fühlen sich fit – kennen aber auch ihre Grenzen

KWA Kuratorium Wohnen im Alter legt Untersuchung zur KFZ Nutzung von Bewohnerinnen und Bewohner in Senioreneinrichtungen vor

 

Untersuchungen zur KFZ-Nutzung von hochbetagten Fahrerinnen und Fahrern ab einem Lebensalter von über 80 Jahren sind noch sehr selten. KWA Kuratorium Wohnen im Alter, ein gemeinnütziger Träger von Senioreneinrichtungen, hat daher Bewohnerinnen und Bewohner seiner Einrichtungen, die noch ein eigenes Auto besitzen und nutzen, in den Blick genommen und zur KFZ-Nutzung befragt – mit erstaunlichen Erkenntnissen:  


Für die Bewohner sind der Besitz und die Nutzung des KFZ ein Ausdruck von Autonomie und Selbständigkeit. Sie fühlen sich mehrheitlich den Herausforderungen des Straßenverkehrs gewachsen, nennen aber auch viele, ganz konkrete Belastungen bei der Nutzung des Autos. Sie würden sich daher auch für Schulungsangebote, wie z. B. Fahr(sicherheits)training, interessieren und daran teilnehmen, wenn diese Schulungen auf ihre ganz speziellen Bedürfnisse zugeschnitten wären.       

   

Zum Hintergrund: Auch Senioreneinrichtungen müssen sich verstärkt mit den Fragestellungen von Mobilität und KFZ-Nutzung auseinandersetzen. Denn immer mehr Bewohnerinnen und Bewohner besitzen und nutzen noch ein eigenes KFZ. In den Wohnstiften von KWA sind es immerhin 15 % der Bewohner. Senioreneinrichtungen suchen deshalb nach Unterstützung und Beratung für ihre autofahrenden Bewohnerinnen und Bewohner; vor allem dann, wenn Mitarbeiter feststellen, dass die Nutzung des KFZ dem einen oder anderen Bewohner ab und an Schwierigkeiten bereitet.  

 

An der Befragung von KWA Kuratorium Wohnen im Alter beteiligten sich knapp 200 Damen und Herren (43 % Frauen, 57 % Männer) mit einem Durchschnittsalter von rund 83 Jahren. 15 Teilnehmer wiesen ein Lebensalter von über 90 Jahren auf, ein Teilnehmer war zum Erhebungszeitpunkt sogar 96 Jahre alt.

 

Über 80 % der KWA Bewohner nehmen schon seit fast 60 Jahren mit dem KFZ am Straßenverkehr teil. 62,8 % der Befragten nutzen ihr Fahrzeug „mehrfach in der Woche“, 12,3% „täglich“ und 9,5 % „durchschnittlich einmal in der Woche“. 83 % der Teilnehmer bejahen die Fragestellung, dass der Besitz und die Nutzung eines KFZ ein „Zeichen von Selbständigkeit und Autonomie“ darstellt.

 

68 % der Bewohner fühlen sich nach eigenem Bekunden den Anforderungen und Herausforderungen des heutigen Straßenverkehrs gewachsen, 28,7 % antworten auf die Frage mit „ja, meistens“, lediglich 3,3 % geben an, dass sie sich den Herausforderungen nicht mehr gewachsen fühlen. Interessant ist, dass Frauen bei dieser Fragestellung selbstkritischer sind als die Männer. Sind sich 72 % der Männer sicher, den Herausforderungen im Straßenverkehr noch gewachsen zu sein, so sind es nur 62 % der teilnehmenden Frauen.

 

Auf die Frage nach beschwerlichen Momenten und Situationen des heutigen Straßenverkehrs nennen die Teilnehmer der Erhebung zum einen Situationen, die sie herausfordern, wie:

 

Parkplatzsuche / Einparken, Stau, Rücksichtslosigkeit, Hektik, Egoismus, Unfreundlichkeit, Fahren auf der Autobahn, Schwerlastverkehr / LKW-Verkehr, Dunkelheit / Nachtfahrten und   hohe Verkehrsdichte.

 

Gleichzeitig schildern die Teilnehmer Belastungen, die in ihrer Persönlichkeit bzw. ihrer aktuellen Disposition begründet liegen, wie:

 

Notwendigkeit blitzschneller Reaktionen, nachlassende Reaktion, schwieriges Einschätzen der Verkehrslage, Blendlicht, grelle Sonne und lange Fahrten.

 

Mobilität und Mobilitätserhalt sind in einer Gesellschaft des langen Lebens mit einer deutlichen Zunahme besonders hochbetagter Menschen zentrale Themen und Herausforderungen. Allerdings steht gerade diese Bevölkerungsgruppe nicht im Fokus öffentlicher Wahrnehmung und der Forschung, obwohl auch die Zahl der hochbetagten Menschen, die ein eigenes KFZ besitzen und es auch nutzen, in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen ist und weiter anwachsen wird. Spezielle Angebote für hochbetagte Menschen, wie z. B. Fahr(sicherheits)training, begleitetes Fahren und Programme, die auch mit gerontologischem Wissen untermauert wären, sind – abgesehen von ganz wenigen Einzelinitiativen – nirgendwo im Angebot.

 

40 % der Befragten der Untersuchung von KWA Kuratorium Wohnen im Alter würde an einem speziell auf sie zugeschnittenen Fahr(sicherheits)training teilnehmen, 40 % zumindest vielleicht; nur 20 % sind an einem solchen Training nicht interessiert.

 

Die vollständige Studie Stefan Arend und Imke Finze: Hochbetagte Autofahrerinnen und Autofahrer in Senioreneinrichtungen. Lebensqualität, Autonomie und belastende Herausforderungen erscheint in: Zeitschrift für Verkehrssicherheit (ZVS), www.zvs-online.de.

 

Foto Copyright: KWA / Anton Krämer

 


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