16.05.2019
Kategorie: MM Zielgruppe, MM Marktentwicklung, PG Gesellschaft, PA Interviews
Kerstin Lötzerich-Bernhard

Thady Thömmes, TED Cruises: „Unsere Pflegerinnen und Pfleger leben zusammen mit den Gästen an Bord.“

TED Cruises bietet eine Fünfsterneseniorenresidenz auf hoher See. Die Idee hinter TED-cruises ist es, Senioren und Ruheständlern zu ermöglichen, nach einem langen Arbeitsleben die besten Jahre ihres Lebens zu genießen. Das Schiff ist speziell auf die Bedürfnisse der Gäste abgestimmt. Auf dem Schiff sind die einzelnen Decks in spezielle Bereiche aufgeteilt, die sich ganz nach den Gästegruppen richten. Ob als Frührentner auf einer normalen Weltreise in komfortablen Kabinen und Suiten, im betreuten Wohnen mit Pflegepersonal oder auch mit privater Betreuung.  Das gesamte Schiff ist barrierefrei. Anders als in einem Pflegeheim an Land, genießen alle Gäste den Luxus einer Kreuzfahrt rund um die Welt. Mit spannenden Häfen, Topgastronomie in den bordeigenen Restaurants und Bars, einem vielfältigen Unterhaltungsprogramm mit täglicher Livemusik der Bands und Sänger, Shows und erstklassigem Service. Detaillierte Infos gibt es unter www.ted-cruises.de.


Thady Thömmes, Geschäftsführender Gesellschafter, gab dem CareTRIALOG Einblick in dieses neuartige Projekt.

 

Wie und warum entstand die einzigartige Idee einer schwimmenden Seniorenresidenz bzw. eines Kreuzfahrtschiffes als Pflegeheim?

 

Thady Thömmes: Die Idee entstand in erster Linie aufgrund meiner persönlichen Leidenschaft zur Kreuzfahrt. Ich habe die letzten Jahre mehr Zeit als Passagier auf Kreuzfahrtschiffen verbracht als an Land. Die Lebensqualität, der Service, die Speisen und vor allem die Erlebnisse, die man an Bord Tag für Tag genießen kann, sind einzigartig. Ursprünglich komme ich aus der Reisebranche. Ich habe seit meinem 17 Lebensjahr Kreuzfahrten verkauft und immer wieder Gruppenreisen an Bord organisiert, auf denen ich als Reiseleitung dabei war. Ich hatte das große Glück, die Branche intensiv kennenzulernen und viele Freundschaften mit Crewmitgliedern und Kreuzfahrtfans schließen zu können. Immer wieder lernte ich Reisende kennen, die monatelang an Bord waren und quasi schon an Bord lebten. Bei einem Abendessen mit einer älteren Passagierin, die schon seit fast 1,5 Jahren an Bord war, entstand die erste grobe Idee der Seniorenresidenz auf See. Sie fand es schade, dass jede Woche neue Passagiere kamen und ihre teils liebgewonnenen Mitreisenden sie schon nach einer kurzen Reise wieder verlassen mussten. Es wurde in den Medien mehr und mehr über den Pflegenotstand in Deutschland berichtet. Das war dann der Moment, als ich beschloss, TED-cruises zu gründen. Eine Seniorenresidenz auf einem Kreuzfahrtschiff. Alle Gäste sind dauerhaft an Bord, es entstehen Freundschaften, wenn nicht sogar eine eingeschworene Schiffsfamilie. Erlebnisse, Qualität und Menschlichkeit sind unsere Firmenphilosophie.

  

Welche unterschiedlichen Zielgruppen genau möchten Sie ansprechen?

 

Thady Thömmes: Wir möchten alle ansprechen, die noch etwas erleben möchten, denen Qualität und Fürsorge wichtig sind. Ob fitter Frührentner, der einfach die Welt entdecken möchte, oder Pflegebedürftiger, der das gute Essen, die gute Versorgung durch unsere Crew und die angenehme Atmosphäre an Bord unseres Schiffes genießen will. Die MS Lebenstraum bietet etwas für jeden, der – wie wir – das Meer und die Seefahrt liebt und nicht immer den gleichen Ausblick vor dem Fenster mag.

Seit einigen Monaten sind wir außerdem dabei, ein Flusskreuzfahrtschiff für altersgerechtes Wohnen vorzubereiten, um damit unser Konzept auch all denen anbieten zu können, die nicht so weit weg von ihren Familien sein oder erstmal den europäischen Kontinent auf sei Flüssen erkunden möchten. Das wurde im Rahmen der Vermarktung unseres Hochseeschiffes von vielen Gästen angefragt und gewünscht, weshalb wir uns entschlossen haben, parallel auch das Flussschiff in die Realität umzusetzen. Der Buchungsstart für unser Flussschiff beginnt voraussichtlich in vier bis sechs Wochen, wobei unsere Wartelistengäste des Hochseeschiffes Priorität genießen.

 

Welches Leistungsangebot im Hinblick auf Wohn- und Betreuungs-/Pflegeformen an Bord haben Sie im Programm?

 

Thady Thömmes: Wir bieten so ziemlich alles, was auch ein Pflegeheim in Deutschland an Pflege und Versorgung bietet. Und zudem noch alles, was ein klassisches Kreuzfahrtschiff bietet. Von großzügigen barrierefreien Kabinen und Suiten über ein abwechslungsreiches gastronomisches Angebot auf Kreuzfahrtniveau, Shows und Unterhaltung in der Lounge, bis hin zum Sonnendeck mit Pool. Alles altersgerecht gestaltet und auf die Bedürfnisse unserer Gäste abgestimmt. Durch den extrem hohen Personalschlüssel können wir auf die Bedürfnisse und Wünsche eingehen und uns viel Zeit für jeden einzelnen Passagier nehmen. Wir vertreten die Meinung, dass Menschlichkeit und Fürsorge der Schlüssel zum Erfolg sind. Es reicht nicht, sich morgens und abends jeweils ein paar Minuten Zeit für die Bewohner zu nehmen. Leider ist es an Land aufgrund des Personalnotstands vielerorts so. Das ist bei uns anders. Unsere Pfleger leben zusammen mit den Gästen an Bord. Sie fahren nicht abends nach Hause und sind fertig mit dem Job. Unsere Crew lebt – wie auch die Gäste – viele Monate am Stück an Bord und sind genauso Teil der Schiffsfamilie. Man kennt sich und weiß was jeder Einzelne braucht und mag.

 

Von fitten Ruheständlern bis zu körperlich eingeschränkten oder pflegebedürftigen Personen: Wie richtet sich die MS Lebenstraum auf die unterschiedlichen Bedürfnisse älterer Menschen ein – organisatorisch/strukturell/personell?

Und welche spezifischen baulichen/architektonischen Konzepte kommen hierbei zum Tragen (z. B. spezielle Ausstattung der Kabinen, Barrierefreiheit an Bord, Licht- und Farbkonzepte usw.)?

 

Thady Thömmes: Viel Personal – man kann sich nicht mit ein paar Leuten um Hunderte ältere Menschen kümmern. Wir bieten Pflege, Betreuung und individuelle Versorgung. Zeit macht den Unterschied. In Deutschland ist eines der Hauptprobleme, die den Pflegenotstand verursachen, der Personalmangel. Es ist schwer, gute Leute zu finden, besonders in einem so anspruchsvollen und stressigen Beruf wie der Pflege.

Uns trifft der Fachkräftemangel zum Glück nicht. Wir haben bereits jetzt weit mehr als 1.000 Bewerbungen von hochmotivierten Pflegerinnen und Pflegern, die gerne mit uns und unseren Gästen auf große Reise gehe möchten. So haben wir den riesigen Vorteil, uns die Topleute aussuchen zu können. Wer bei uns arbeiten möchte, muss unsere Firmenphilosophie leben. Der Arbeitsplatz an Bord ist so attraktiv. Ich selbst habe lange davon geträumt, einmal an Bord eines Schiffes zu arbeiten und dafür bezahlt zu werden, die Welt zu bereisen.

Egal ob fit oder pflegebedürftig – das Hauptbedürfnis älterer Menschen ist Fürsorge und Wertschätzung. Bei uns ist man Gast und kein Patient.

Bautechnisch ist das Schiff selbstverständlich vollkommen altersgerecht umgebaut. Von Fahrstühlen über Treppenlifte, breiten Türen und Gängen bis hin zum Pflegebett und der ebenerdigen Dusche ist alles auf unsere Zielgruppe ausgelegt.

Besonders die Unterhaltung und die Erlebnisse stehen im Vordergrund. Wir wollen jeden Tag etwas Neues, Spannendes und Schönes bieten, denn das hält jung und fit und bewirkt langfristig gesehen mehr als jedes Medikament.

 

Was waren/sind die größten Herausforderungen? Was sind die nächsten Ziele?

 

Thady Thömmes: Herausforderungen gab es in den letzten zwei Jahren viele. Und es werden auch immer wieder neue auf uns zukommen. Aber gerade das ist es, was mir solchen Spaß macht. Ich liebe das Außergewöhnliche und das Neue.

Die allergrößte Herausforderung war es, das Konzept soweit auszubauen und zu perfektionieren, bis man damit einen Investor überzeugt bekommt. Es ist ein großer finanzieller Aufwand, den wir betreiben, um alles für unsere Gäste vorzubereiten. Wir waren sehr lange auf der Suche nach einem passenden Geldgeber, was sich in Deutschland extrem schwierig gestaltete. Wir hatten einige Investoren, die gerne mit uns zusammengearbeitet hätten, aber leider nicht zu unserem Leitbild gepasst haben. Es geht uns nicht nur um Profit, sondern wir wollen in erster Linie zufriedene Gäste. Langfristig ist das der einzige Weg zum Erfolg. Leider sehen das einige Investoren etwas anders. Unser Konzept ist zu gut, um den erstbesten Vertrag zu unterschreiben. Vor einigen Monaten haben wir dann die Suche auf die Vereinigten Staaten ausgeweitet und sind dort schnell auf großes Interesse gestoßen. Die Mentalität und das Denken in den USA sind komplett verschieden. In Deutschland haben viele Angst zu Investieren und sehen alles sehr skeptisch, hier hat man Angst, sein Geld zu verlieren. Der Amerikaner hat mehr Angst davor, eine Chance zu verpassen, als eine Fehlinvestition zu platzieren. Die Entscheidung, in Amerika zu suchen, war die Beste, die wir treffen konnten.

Die nächsten Ziele sind es auf alle Fälle unser Hochseeschiff so schnell wie möglich fertigzustellen und es unseren Gästen zu ermöglichen, an Bord zu kommen. Aufgrund der hohen Nachfrage können wir momentan leider keine Gäste mehr auf die Warteliste für das Hochseeschiff aufnehmen. Das Flussschiff wird bald öffentlich angeboten und ist dann auch noch buchbar.

 

Unser Hauptziel für die Zukunft ist es, unserer Linie treu zu bleiben und es möglichst vielen Gästen zu ermöglichen, einen lebenswerten Ruhestand zu genießen.

Wir würden uns freuen Sie eines Tages bei uns an Bord begrüßen zu dürfen.

  

Herzlichen Dank für die Beantwortung unserer Fragen!

 


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