17.01.2017
Kategorie: MM Demografie, PG Gesellschaft
Sabine Distler

Wenn Cineasten in die Jahre kommen...

Kino ist das Größte - doch leider sind Gäste ab 70 Jahren seltener dort zu finden. Und dabei wären Rentner, Best Ager, Senioren bis Greise für Kinobetriebe eine noch zu entdeckende lukrative Zielgruppe.

Doch – wo sind die Kinogänger von früher und welches Programm wäre interessant für sie? Im Projekt SILBERFILM denkt ein interdisziplinäres Netzwerk darüber nach und organisiert generationsübergreifende Kinoveranstaltungen in Nürnberg und Nürnberger Land 2017/ 2018.


Wir alle sind verrückt nach Spannung, Emotionen und Geschichten. Warum sonst verbinden die meisten Menschen einen Filmabend mit Stressabbau und Gemütlichkeit? Doch der Fernseher und auch neueste personalisierte Filmangebote bringen scheinbar nicht den gewünschten Effekt eines Erlebnisses.

 

Die Kinobesucherzahlen bleiben entgegen kritischer Medienprognosen im Großen und Ganzen gleich. Im Gegenteil – sie steigerten sich zwischen 1996 bis 2000 von ca. 60 auf über 80 Mio. (Quelle: FFA Filmförderungsanstalt) Besucher und zeigen seither Stabilität. Das zeigt, dass gerade die jüngere Generation und Familien Kino als kulturelles Highlight in ihrem Alltag trotz eines zunehmend individuellen Medienangebots nutzen. Man kann Bekannte oder Gleichgesinnte treffen und schafft sich ein Erlebnis in einer Gemeinschaft. Diese Werte klingen altmodisch, sind jedoch die dahinterstehende menschliche Motivation. Wenn es dann noch ein Film schafft, einer „geistig- emotionalen Abenteuerreise ausgesetzt zu sein, an deren Ende man einen Zuwachs an Weltwissen und Lebenserfahrung mitnimmt“ (Zitat: Wolfgang Pfeiffer, Projekt Filmgeist), wird es ein cineastisches Ereignis.

 

Kein Programm aus der Schublade

Große Kinozentren mit 3D, Multiplex, IMAX bieten viel Entertainment für Kinder bis zum Erwachsenen. Im oft unübersichtlichen Homepagedschungel dieser Movie-Vergnügungsfabriken verliert der oder die ältere UserIn jedoch schnell den Überblick zwischen Filmen und Animationen und wechselt vermutlich schnell die Webseite.

Dabei entdecken Kinobetriebe tatsächlich mehr und mehr Zielgruppen und konzipieren Filmreihen für Ladies, Kinder, Horrorfans, Familien, Generation 50+ - einige wenige trauen sich an den Begriff Seniorenkino.

Vermutlich liegt es daran, dass die Filmbedürfnisse dieser Kunden mangelnder Präsens nicht erkennbar sind und es auch noch wenig Analyse dazu gibt. Es geht also darum, dass Kinobetreiber alte Menschen als verlorene Cineasten und Senioren das Kino als altersgerechten Gemeinschaftsort voll Spannung und Emotionen wiederentdecken. Auch gerade frühere Lichtspielhäuser im ländlichen Raum könnten neue Zentren der Begegnung und des Vergnügens werden.

 

Pionierarbeit für Teilhabe von Menschen mit Demenz wird gefördert

Bedingt durch den demographischen Prozess und zunehmender Hochaltrigkeit rückt Demenz mit seinen Begleiterscheinungen immer mehr in unsere gesellschaftliche Mitte. Und leider sind noch immer Begegnungen im öffentlichen Raum ein Tabu, wenn ein Familienmitglied dementielle Symptome zeigt. Das Leben findet mehr und mehr in den eigenen 4 Wänden statt. Kulturelle Ereignisse werden gemieden, teils aus Anstrengung für alle Beteiligten, teils aus Angst vor Reaktionen. Auch Menschen aus ambulanten, teilstationären und stationären Versorgungsformen nehmen wenig am gesellschaftlichen Leben teil und noch viel seltener besuchen sie regelmäßig Kinos.

Eine Demenzdiagnose darf jedoch nicht zum Ausschlusskriterium unserer Gesellschaft werden. Wir brauchen vor Ort Strukturen der kulturellen Teilhabe, die Erkrankten und ihren Familien konkret helfen, trotz Demenz ihren Alltag so normal wie möglich weiter zu leben.

Deshalb hat der Bund in ganz Deutschland Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz ins Leben gerufen. Mit der begonnenen 5. Förderwelle unterstützen sie bisher insgesamt 500 solcher Netzwerke und Projektideen.

Das Curatorium Altern gestalten e.V. engagiert sich für eine neue Medienkultur und Schwellenfreiheit im Alter. In dem Projekt „Silberfilm“, das seit September 2016 zu den lokalen Allianzen für Menschen mit Demenz gehört, werden 2017/2018 in Nürnberg und Nürnberger Land generationsübergreifende Kinoveranstaltungen organisiert. Die Erfahrungen dieser interdisziplinären Fachgruppe aus kommunalen Multiplikatoren Gerontologen, Pflegeverantwortlichen und Kinobetreibern werden begleitend veröffentlicht.

http://www.silberfilm.info/

http://www.lokale-allianzen.de/projekte/projektuebersicht/projekt/practex/show/485.html

Die Autorin Sabine L. Distler ist Projektverantwortliche und Impulsgeberin für die Projektidee SILBERFILM. Neben gerontologischen Filmkriterien bei der Filmauswahl sind auch Impulse für das Kinosetting, Umfeldfaktoren und neue Dienstleistungsideen für Kinobetriebe im Fokus des Projekts.

mailto:Sabine.distler(at)alterngestalten.de

 


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dirk-fischer@web.de
Thursday, 19.01.17 15:24 Uhr

Ich hatte dass Vergnügen als Marketing-Leitung, in einem Multiplex-Kino in Düren im Jahr 2000 ein Seniorenkino zu etablieren.
"Das Jahrhundert im Film" war das Motto. Unsere Partner waren die Pflegeeinrichtungen, die Stadt Düren und die Kirchen. Über 600 Senioren wählten Ihre Lieblingsfilme aus den Jahrzehnten aus. Wir hatten im Schnitt mehr als 300 Besucher pro Vorstellung (1 x monatlich). Die meisten kamen mit Sonderbussen zum Kino und wieder zurück in die Einrichtungen. Vor den Vorstellungen gab es jeweils einem Empfang mit Schnittchen sowie Kaffee und Kuchen im Foyer. Im Kinosaal gab es dann noch einige Worte zu dem jeweiligen Film.
Die Begeisterung war groß. "Was für bequeme Sitze!", "tolles Bild!", "endlich Kino für uns!".
In der Folgezeit freuten wir uns sehr darüber gerade in den Nachmittagsvorstellungen viele Senioren gemeinsam mit Ihren Enkeln begrüßen zu dürfen.

Viel Erfolg mit dem Projekt wünscht

Dirk Fischer

 

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