26.10.2018
Kategorie: MM Demografie, PG Gesellschaft, CK Personalkonzepte
Insa Lüdtke

„Ey Alter – du kannst dich mal kennenlernen“ Erlebnisausstellung setzt Impulse für Unternehmen zum Umgang mit dem demografischen Wandel

Nicht nur im Gesundheitssektor bringt der demografische Wandel starke Verschiebungen in der Altersstruktur der Belegschaft mit sich. Den Herausforderungen des demografischen Wandels stellen sich auch Industrieunternehmen wie Mercedes Benz. 2015 startete die Demografie-Initiative „YES – Young, Experienced, together Successful“ mit dem Ziel, Altersstereotype durch Talente und Potentiale zu ersetzen und einen generationenübergreifenden Austausch anzukurbeln. Ein Baustein der YES-Initiative ist die Erlebnisausstellung „Ey Alter– du kannst dich mal kennenlernen“. Nach Stationen in Bremen und Stuttgart ist sie in Berlin zu erleben.


Nach dem großen Erfolg mit rund 350.000 Besuchern von „Ey Alter“ im Universum Bremen (2015) und im Stuttgarter Mercedes-Benz Museum (2017) gastiert die Ausstellung noch bis 19. Januar 2019 in Berlin Schöneberg im Gasometer. Die bisherige Bilanz mit einer Besucherzahl im sechsstelligen Bereich spricht für die Attraktivität der Ausstellung. Mit einer Altersspanne von neun bis 85 Jahren waren alle Altersgruppen bei der letzten Ausstellung im Mercedes-Benz Museum vertreten, auch wenn der Altersdurchschnitt von 31,23 Jahren auf eher junge Besucher schließen lässt.

 

Mit einer älterwerdenden Belegschaft rückt eine neue Arbeitsorganisation und mit enger Zusammenarbeit der Generationen in einer modernen Arbeitsumgebung in den Fokus. „Nicht das Alter ist entscheidend, sondern der Prozess des Alterns. Deshalb sind gute Arbeitsbedingungen in Unternehmen Voraussetzung für ein gesundes Arbeiten bis ins Alter. Die Ausstellung ‚Ey Alter‘ und die Demografie-Initiative YES geben wichtige Denkanstöße für gute Arbeit in einer älter werdenden und digitalisierten Gesellschaft,“ sagt Leonie Gebers, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Facetten des Alters interaktiv entdecken

Mit der Ausstellung wird der demografische Wandel auf interaktive, informative und persönliche Weise erlebbar gemacht werden. Besucher entdecken spielerisch neue Facetten des Alters und können aktuelle Einstellungen zum Alter hinterfragen. In Berlin wird bei 20 Mitmachstationen der volle Einsatz der Besucher gefordert: Anhand von fünf Themenbereichen angelegt als offener Parcours im Rund des Gasometers erlebt der Besucher, was unser Denken über Alt und Jung bestimmt und wie persönliche Potentiale in Teams mit unterschiedlichen Generationen eingebracht werden können. Beispielsweise können Besucher einen Alters-Check zu ihrem biologischen, sozialen und gefühlten Alter durchführen oder anhand eines Großmodells eines menschlichen Kopfes lernen, dass so manche mit dem Alter verbundene Entwicklung durchaus positiv ist. Neu in der „Ey Alter“-Ausstellung in Berlin ist das „Lernwerk“: Ein Begleitprogramm bietet Unternehmen Workshops zu den Themen Demografie und Digitalisierung sowie Schülern das Klassenzimmer der Zukunft. Näheres zu den Begleitprogrammen findet sich unter www.eyalter.com.

 

Neben der „Ey Alter“-Ausstellung ist der so genannte Demografie-Spiegel ein weiterer wichtiger Baustein von YES. Er dient als standardisiertes Mess- und Steuerungsinstrument, das den Ist-Zustand an den Standorten von Mercedes-Benz Cars in Bezug auf Altersstruktur und demografiebezogene Maßnahmen transparent macht. Auf Basis dieser Ergebnisse werden vom Arbeitgeber, dem Betriebsrat und den Arbeitnehmern konkrete Initiativen etwa im Bereich Qualifizierung und Gesundheitsmanagement entwickelt und zügig umgesetzt. Seit dem Startschuss im Jahr 2015 wurden in 28 Bereichen Demografie-Spiegel implementiert und rund 270 Maßnahmen mit über 670 Teilnehmern zu den Themen Gesundheit, Wissen, Karriere und Team abgeleitet. Ein weiterer Erfolgsfaktor von YES liegt dabei auch in der regen Beteiligung der Führungskräfte der Fachbereiche. Sie werden sensibilisiert, die erfolgreiche Zusammenarbeit in altersgemischten Teams zu fördern. So können Mitarbeiter über das gesamte Arbeitsleben hinweg motiviert ihre Fähigkeiten entfalten.

Ergonomie und Wissenstransfer

So sorgen Ergonomie-Innovationen dafür, dass jedem Mitarbeiter egal welchen Alters optimierte Arbeitsbedingungen zur Verfügung stehen. In den Werken Sindelfingen, Bremen, Rastatt und Untertürkheim wird beispielsweise der Einsatz verschiedener ergonomischer Hilfsmittel getestet und genutzt. Dazu gehört ein Exoskelett, ein mechanisches Metallgestell, welches seinen Träger in der Ausführung verschiedener Bewegungsabläufe, wie beim Überkopfarbeiten, unterstützt. Ein weiteres Hilfsmittel zur Verbesserung der Körperhaltung und der Gestaltung von Flexibilität zwischen Stehen und Sitzen ist der Chairless Chair. Es handelt sich dabei um eine tragbare, ergonomische Sitz- und Körperhaltungsunterstützung.

 

Im Rahmen des YES-Demografiespiegels wurde das Risiko eines überdurchschnittlichen Know-How-Verlustes durch altersbedingten Abgang von Personal identifiziert. Um dem entgegen zu wirken und einen langfristigen Wissenstransfer zu garantieren, wurde ein Erfolgsmodell aus dem privaten Alltag ins Berufsleben adaptiert: Das Projekt DaimlerBase im Werk Bremen stellt eine Videoplattform im Intranet dar, die Erfahrungen und Wissen in Form von Tutorials, wie sie bei YouTube zu finden sind, konserviert. Arbeitsabläufe und Produktionsprozesse wie beispielsweise thermisches Fügen oder die Schmierung von Linearachsen werden dabei bildlich vermittelt. Mitarbeiter zeichnen ihre Arbeitsschritte mittels einer Action Cam aus der Ich-Perspektive auf und kreieren somit ein Lern- Tutorial. Unabhängig des Status des Mitarbeiters ist Wissen so in Sekunden abrufbar und die Einarbeitung in neue Themen wird deutlich vereinfacht. DaimlerBase zeigt, dass von erfahrenen Kollegen profitiert und sich von Altersstereotypen gelöst werden kann.

 

Neben der Videoplattform werden Lerninhalte in Workshops weitergegeben. Beispielsweise wurde die BM-Lernfabrik aus dem Center Betriebsmittel in Sindelfingen im Rahmen der Demografie-Initiative weiterentwickelt. Inzwischen gibt es über 100 unterschiedliche Kurse und rund 200 Schulungen pro Jahr. Getreu dem Motto „Von Kollegen für Kollegen“ tragen dabei nicht nur erfahrene Mitarbeiter ihr Wissen an die nächste Generation weiter, sondern auch junge Kollegen vermitteln ihr aktuelles Know-How. Innerhalb des Demografie-Spiegels wurde zum Thema des generationenübergreifenden Wissenstransfers außerdem das S.A.V.E Frühwarnsystem entwickelt. Dieses System identifiziert systematisch Wissensträger, sodass für den Bereich relevantes Erfahrungs- und Fachwissen rechtzeitig weitergegeben werden kann.

 

www.eyalter.com

 

Fotos Copyright: Ey Alter


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