29.01.2019
Kategorie: MM Marktentwicklung, WP Wohnformen, PA Interviews
Kerstin Lötzerich-Bernhard

Nikolaos Tavridis, axion-Gruppe: „Die kleinen Betreiber werden es sehr schwer haben.“

Nikolaos Tavridis ist Geschäftsführender Gesellschafter der axion-Unternehmensgruppe, die auf Seniorenimmobilien spezialisiert ist. Kunden von axion sind in erster Linie Betreiber im Gesundheitswesen, Kapitalgeber, Banken und Projektentwicklungsgesellschaften. Zudem berät axion die Politik bei Gesetzesvorhaben im Sozialbereich (www.axion-consult.com/home, www.orpea.de).


Orpea hat sieben Einrichtungen der axion-Gruppe übernommen. Was waren die Gründe?

 

Nikolaos Tavridis: Wer mich kennt, weiß, wie viel mir meine Seniorenresidenzen bedeuten. Gerade das Premiumsegment ist mir ein Herzensanliegen. Sehr hochwertige Residenzen, die ihren Bewohnern in jeder Hinsicht deutlich mehr bieten, als es allgemein üblich ist, haben in Deutschland eine Zukunft mit viel Potenzial. In der Kooperation mit Orpea kann ich diesen Ansatz, der für mich so etwas wie ein Lebenswerk geworden ist, nachhaltig entwickeln und wachsen lassen. Und die Orpea, die in Frankreich schon Premiumeinrichtungen betreibt, rundet damit ihr Angebot in Deutschland ab und bietet auch in diesem Segment Qualität, die keine Wünsche offenlässt. Deshalb ist das Joint Venture, das wir gegründet haben, für uns eine echte Win-win-Situation. Ich freue mich darauf, meine Ideen hier noch viele Jahre einbringen zu können.

 

 

Zu den übernommenen Einrichtungen gehören zwei Seniorenresidenzen im Premiumsegment. Ist der Premiummarkt der Markt der Zukunft?

 

Nikolaos Tavridis: Generell werden in Deutschland vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in Zukunft immer mehr Senioreneinrichtungen gebraucht. Das gilt für alle Kategorien und Wohnformen. Das Angebot wird sich aber noch individueller an die Bedürfnisse neuer, auch anspruchsvoller Generationen anpassen. Und das erhöht auch den Bedarf an Premiumhäusern. Eine Gruppe wie Orpea muss mit ihren Leistungen Menschen mit den unterschiedlichsten Wünschen und Ansprüchen abholen und ihnen Angebote machen. Wir haben dafür ein Joint Venture gegründet, das diesen Markt weiterentwickeln wird. 

  

Wie hat sich aus Ihrer Sicht speziell der deutsche Pflegeimmobilienmarkt in den vergangenen Jahren verändert?

 

Nikolaos Tavridis: Der Pflegeimmobilienmarkt ist aus meiner Sicht nach wie vor ein zukunftsorientierter, interessanter und gesellschaftlich bedeutender Markt. Die Auslastung der Bestandsimmobilien ist hoch, und der Bedarf an Pflegeplätzen steigt; vor allem in den Ballungsgebieten.

 

In den vergangenen Jahren hat sich aber gezeigt, dass das klassische Pflegeheim ein Auslaufmodell ist. Die Zukunft gehört flexiblen Modellen, die etwa betreutes Wohnen, ambulante Pflege, Tagespflege und vollstationäre Pflege auf einem Campus integrieren. 

 

Ein bedeutender Einschnitt der letzten Jahre waren sicher die Landesheimbauverordnungen mit ihren unterschiedlichen Bauvorschriften in allen 16 Bundesländern. Für den nachhaltigen Betrieb einer Pflegeimmobilie ist ja Planungssicherheit enorm wichtig. Diese wurde vielen Betreibern und Investoren damit zum Teil genommen. Nehmen Sie Baden-Württemberg als Beispiel. Hier fallen jetzt wohl Tausende Pflegeplätze weg, weil viele Häuser den geänderten Anforderungen nicht mehr entsprechen und nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden können. Das betrifft in erster Linie kleine Betreiber, von denen viele schließen müssen. Mit allen Folgen für die Menschen in der Region.

 

Welche Rolle spielen die veränderten Bedürfnisse und Ansprüche der Gesellschaft bei der Entwicklung?

 

Nikolaos Tavridis: Die Ansprüche an das Leben im Alter haben sich bereits stark verändert und werden es noch weiter tun. Darauf müssen die Anbieter eine Antwort geben. Mit der Orpea Premium Group haben wir ein Angebot, das über das normale Maß hinausgeht — im Hinblick auf die Lage des Hauses, die Ausstattung aber auch die Qualität der Dienstleistung.

 

In diesem Segment und in dieser Qualität der Dienstleistung ist jedes Haus für sich ein Unikat, das sorgsam entwickelt werden muss. Auch deshalb ist Orpea dafür der richtige Partner, weil Orpea ihre Einrichtungen in der Regel selbst plant, selbst entwickelt und selbst baut.

  

Wie werden sich Ihrer Meinung nach die Betreiber- und Pflegemarktstrukturen zukünftig entwickeln, und wie stellen Sie sich darauf ein?

 

Nikolaos Tavridis: Zur Entwicklung der Betreiber- und Pflegemarktstrukturen kann man nur sagen: Die kleinen Betreiber werden es sehr schwer haben. Mittelfristig wird es immer schwieriger, ein einzelnes Pflegeheim erfolgreich zu führen. Auch deshalb wird die Konsolidierung weiter voranschreiten.  

 

Im Premiumsegment, für das ich stehe, sehen wir sieben Großstädte und Ballungsräume, die für uns infrage kommen. Zusätzlich kann auch in ausgewählten Kleinregionen ein Engagement sinnvoll sein.

 

Dass bei Orpea Besitz und Betrieb zunehmend in einer Hand liegen, macht uns in der Entwicklung schneller als herkömmliche Projektentwickler, bei denen sich immer erst unterschiedliche Betreiber und Investoren miteinander abstimmen müssen.

  

Besten Dank für die Beantwortung unserer Fragen.


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