23.11.2018
Kategorie: MM Marktentwicklung, FT Digital World, FT Technik
Tanja Ehret

Digitalisierung – das Hype-Thema der Stunde

„Wie viel Digitales verträgt Soziales? Selbstbestimmt, sicher und gepflegt alt werden“ unter diesem Motto stand der 8. Norddeutsche Wohn- und Pflege-Tag in Neumünster am 15. November. Dieser wird alle 2 Jahre gemeinsam von der Koordinierungsstelle für innovative Wohn- und Pflegeformen im Alter (KIWA) und von der Hamburger Koordinationsstelle (KO) veranstaltet. Ob Roboter, Sturzerkennung, Smart Home oder Erinnerungsapps: In der Pflege spielt die Digitalisierung eine immer größere und wichtigere Rolle.


Sozialminister Dr. Heiner Garg

In seinem Grußwort machte Dr. Heiner Garg, Sozialminister in Schleswig-Holstein, deutlich, was es für einen erfolgreichen digitalen Wandel in den nächsten Jahren brauchen wird und wie die Landesregierung die entsprechend notwendige Infrastruktur dafür schaffen will. „Wir sind in Schleswig-Holstein mit der Digitalisierung bereits auf einem guten Wege, aber die allgegenwärtige Diskussion und die demografische Entwicklung machen deutlich, dass die gemeinsame Weiterentwicklung des Strategien für die Versorgung der Menschen, Hilfe- und Unterstützungsbedarf und ihrer An- und Zugehörigen eine wichtige Aufgabe bleiben wird. Die Landesregierung wird deshalb weiterhin Digitalisierungsmaßnahmen unterstützen, die die Selbstbestimmung im Alter erhält und fördert oder Pflegende entlastet“ so Minister Garg.

 

Die Vorträge, die die 130 Teilnehmer u.a. aus den Bereichen Pflege, Wohnungswirtschaft, Architektur, Beratung, Finanzdienstleistungen etc. den Tag über erwarteten waren breit gefächert und zeigten unterschiedliche Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis auf. Die Digitalisierung bietet große Chancen, schafft Handlungsspielräume gerade in Zeiten des Fachkräftemangels, aber kann und darf nie den Menschen, die Pflegekraft, ersetzen. Darüber waren sich alle Referenten einig. Die weitere technische Entwicklung sollte nicht von Technikern vorangetrieben werden, sondern von den Anwendern und Nutzern selbst. Es geht nicht vorrangig um technische Innovationen, sondern um soziale Innovationen – nur dann kann auch die Akzeptanz auf der Nutzerseite zunehmen. „Wir müssen den Prozess aktiv mitgestalten, bevor das andere Akteure für uns übernehmen“ das machte AWO-Landesgeschäftsführer Michael Selck gleich zu Beginn des Fachtags deutlich. Mehr Technikkompetenz ist notwendig, doch leider wird die Vermittlung von technischem Knowhow bisher nicht in der Pflegeausbildung berücksichtigt. Darauf wies u. a. Prof. Dr. Manfred Hülsken-Giesler von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar hin.

 

Eine Umfrage der Initiative Neue Qualität der Arbeit unter 600 Pflegekräften zum Thema Einsatz moderner Technologien ergab, dass die Neugier auf Technik gegenüber der Skepsis überwiegt, genauso die positiven Einstellungen im Vergleich zu den negativen und dass die Pflegenden unabhängig ihres Alters auf Technik blicken. Wichtig ist ihnen vor allem, dass die Technik nicht die Beziehungsqualität zwischen Pflegenden und den zu Pflegenden negativ beeinflusst.

 

Der Personalmangel wird nicht durch den Einsatz moderner Technologien gelöst werden, aber sie können eine Arbeitserleichterung bieten. Es gilt, in Zukunft die Pflegenden mit in den Entwicklungsprozess von technischen Neuerungen mit einzubeziehen und sie im Umgang zu schulen.

 

Der 8. Norddeutsche Wohn- und Pflege-Tag diente dazu, in die Thematik Digitalisierung einzuführen und soll den Akteuren die Möglichkeit bieten, sich vertieft in den nächsten Jahren damit auseinanderzusetzen.

 

Copyright Fotos: AWO Schleswig-Holstein


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