07.05.2019
Kategorie: MM Marktentwicklung, PG Risikomanagement
Angelika Sylvia Friedl

Wischmopps und Themenzimmer: Leasing ist auf dem Vormarsch

Leasing ist im Geschäftsleben weit verbreitet und bietet eine Reihe von Vorteilen: Firmen müssen zum Beispiel ihre Kreditlinie bei der Hausbank nicht belasten, die Leasingraten können steuerlich als Betriebsausgaben abgesetzt werden und die Eigenkapitalquote bleibt erhalten. Auch Pflege- und Altenheimbetreiber vertrauen bei ihren Investitionen auf Leasing. In manchen Pflegeheimen sollen schon 80 Prozent der beweglichen Einrichtungsgegenstände geleast sein. „Den Anteil können wir aber in dieser Höhe nicht bestätigen“, erklärt Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Karl Nauen von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Heilmaier und Partner in Krefeld. Auch Frank Köthe, Vertriebsbeauftragter der LAK Leasing für Altenheime und Krankenhäuser GmbH, weiß zumindest für seine Firma: „Nach unseren Erfahrungen wird etwa 20 Prozent des Inventars geleast und 80 Prozent mit einem Darlehen finanziert“.  


Die Vorteile des gewerblichen Leasings haben sich noch nicht überall herumgesprochen. Denn viele Betreiber fragen zuerst bei ihrer Hausbank nach einem Darlehen. Alternative Finanzierungsmöglichkeiten kommen dann oft nicht in die engere Wahl. Außerdem wissen Leasinggesellschaften oft zu wenig über den Bedarf von Pflegeheimen. Als Multiplikatoren helfen manchmal Lieferanten, die ihre Kunden, also die Pflegeheime, auf andere Arten von Finanzierungen ansprechen können. „Die Entwicklung geht jedoch langsam, aber stetig voran. In den vergangenen Jahren erzielten wir jährlich eine Umsatzsteigerung von etwa 10 Prozent“, sagt Frank Köthe. Auch Karl Nauen erkennt eine ähnliche Tendenz. „Leasing kommt inzwischen vermehrt vor. Denn Kreditinstitute beurteilen Investitionen von Pflegeinrichtungen mittels Darlehensaufnahme strenger. Es müssen daher alternative Finanzierungswege erschlossen werden“. Eines ist klar: Der Investitionsbedarf im Bereich der Pflege ist nach wie vor gewaltig und wird durch die Träger von Pflegeeinrichtungen alleine nicht gestemmt werden können.

 

Theoretisch kann alles geleast werden, was zum Anlagevermögen gehört. Das Spektrum beginnt bei Matratzen und Wischmobs, geht über Waschmaschinen und Steckbettenspüler bis hin zu Kücheneinrichtungen und Telefonanlagen. Die Ersatzanschaffung einer Telefon- und Rufanlage kann dann zum Beispiel in die Investitionskostenberechnung einfließen. „Sanitäranlagen und Fliesen werden aber noch immer meistens gekauft bzw. per Darlehen finanziert. Dann gibt es natürlich noch den persönlichen Geschmack eines Betreibers, der gerne bestimmte Gegenstände als Eigentümer besitzen will“, sagt Frank Köthe. Eine Rolle spielt auch die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer. Bei einer kurzen Nutzungsdauer von drei Jahren wie zum Beispiel bei Computern und Druckern lohnt sich Leasing meistens nicht. „Wichtig sind die Refinanzierungsregelungen der Pflegeinrichtungen im Rahmen des dualen Systems. Bettwäsche zum Beispiel wird ja im Regelfall von den Pflegeeinrichtungen gar nicht mehr selbst angeschafft, sondern ist Gegenstand der Versorgung durch einen Dienstleister“, sagt Wirtschaftsprüfer Nauen. Größere Leasinggesellschaften bieten im allgemeinen die Ausstattung eines Heimes nur im Gesamtpaket an, also zusammen mit dem Neubau oder der Sanierung einer Anlage. Zu diesen Anbietern zählt auch die Deutsche Anlagen-Leasing (DAL), eine Tochtergesellschaft der Sparkassen Finanzgruppe, mit knapp 10.000 Plätzen eine der größeren Pflegeheim-Investoren in Deutschland. „Wir arbeiten immer mit der Sparkasse zusammen“, erläutert Stefan Böhm, Regionalleiter Gesundheitswesen der DAL für den Süden und Südwesten Deutschlands. Bei dieser Form des indirekten Leasings erwirbt die „Hausbank-Leasinggesellschaft“ ein Objekt vom Hersteller bzw. Händler und verleast es anschließend an den Kunden. „Wir betreuen vor allem mittlere und große Betreiber beim Neukauf und bei der Sanierung von Heimen. Pflegeheimen, die sich zum Beispiel separat 100 Betten und 100 Nachttische wünschen, können wir daher kein Angebot machen“.

 

In Zukunft könnte die Zeit reif werden für zurzeit noch ungewöhnliche Leasingobjekte wie zum Beispiel virtuelle Themenzimmer für Demenzkranke. „Wir hatten 2018 etwa vier bis fünf solcher Anfragen. Aber das ist natürlich eine teure Angelegenheit“, berichtet Böhm. Die Zimmer werden entsprechend dem früheren Beruf der Bewohner eingerichtet. Ein ehemaliger Förster findet sich in einer Waldlichtung wieder, ein Lokomotivführer erlebt sich im Führerhaus eines Zuges. Teuer sind auch Wünsche nach Robotersystemen wie zum Beispiel fahrerlosen Transportwagen, die über W-Lan gesteuert werden. „Roboting ist zwar aktuell noch kein Trend im Leasinggeschäft, das kann sich aber schnell ändern“, meint Stefan Böhm.

 

>> Tipp: Treffen Sie Frank Köthe von der LAK Leasing für Altenheime und Krankenhäuser GmbH auf den Zukunft Guten Wohnen Verantaltungen in Frankfurt und Ludwigsburg.

 


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