24.09.2018
Kategorie: MM Zielgruppe, WP Demenz, AI Innenarchitektur
Frank Hildebrandt, Kommunikationsdesigner

Intuitive Orientierungshilfen

Der Wunsch nach einer verständlichen Orientierungshilfe für Menschen mit Demenz besteht vor allem bei der Ausschilderung der Toilette. Zahlreiche gut gemeinte Toilettensymbole und -fotos schmücken heutzutage entsprechende Türen. An dieser Stelle frage ich mich, ob ein Zeichen, ein Foto oder ein Symbol im eigenen Zuhause wirklich mehr Orientierung bietet als die eigene vertraute Toilettentür, die man jahrezehntelang mehrmals täglich benutzt hat. Ich glaube, dass bei dieser Problematik schnell zwei Symptome der Demenz zu einem Problem zusammengefasst werden. Auf der einen Seite kommt es bei einer Demenz zu Orientierungsschwierigkeiten. Bei einer schweren Demenz ist jedoch jede betroffene Person auch inkontinent. Daher sollten wir uns als Angehörige fragen, ob die zunehmende Inkontinenz wirklich mit den Orientierungsschwierigkeiten zu tun hat, oder ob sie stattdessen ein weiteres Symptom der Demenz ist.


Das Klo vor lauter Schildern nicht mehr sehen

 

Statt vor der Badezimmertüre einen Schilderwald zu installieren, kann man beispielsweise die Türe offen stehen lassen. Ein automatischer Lufterfrischer im Bad kann mit einem typischen Badduft zur Orientierung beitragen. Außerdem sollte der Toilettensitz genügend Kontrast zum Toilettenboden haben, damit die Toilette auch mit schwachen Augen noch wahrgenommen werden kann.

 

Wenn das eigene Klo dennoch nicht mehr gefunden wird, brauchen Sie nicht Ihre Nachmittage damit zu verbringen, Toilettenschilder zu gestalten. Es gibt viele hilfreiche Inkontinenzprodukte für das Alter, die in fortgeschrittenen Stadien einer Demenz besser wirken, als das größte und eindeutigste Toilettenschild.

 

Mit dem Fortschreiten der Erkrankung haben Menschen mit Demenz jedoch nicht nur Probleme, sich »örtlich«  zu orientieren. Durch den Abbau der geistigen Fähigkeiten, werden zunehmend auch Angehörige seltener erkannt. Als Angehörige können wir mit einfachen Mitteln zwischenmenschliche Orientierungshilfen schaffen. Wir können z. B. bei unseren gemeinsamen Begegnungen ein Parfum tragen, dass wir schon seit langer Zeit nutzen und dessen Duft unser Angehöriger mit uns verbindet. Oder wir tragen unser Lieblingskleidungsstück; den blauen Pullover, von dem Oma immer sagte, dass er mir so gut stehen würde. Viele dieser intuitiven Orientierungshilfen bieten wir aufgrund unser Individualität automatisch an. Vielleicht ist es unsere Art zu gehen, oder die Art, wie wir Berührungen austauschen, die noch so vertraut erscheint wie vor vielen Jahren.

 

Wenn wir mal nicht erkannt werden, kann es hilfreich sein, uns kurze Zeit später noch einmal zu begegnen. An manchen Tagen hilft jedoch alles nichts. Dann erleben wir die Bitterkeit der Krankheit  – und das kann sehr schmerzhaft sein.

 

Auszug aus dem Buch "Demenz verstehen in Farbe"

Frank Hildebrandt

medhochzwei Verlag

ISBN: 978-3-86216-487-5

Preis: 37,99€

Bestellungen unter:

https://www.medhochzwei-verlag.de/Shop/ProduktDetail/Demenz-verstehen-in-Farbe-978-3-86216-487-5

 

Über das Buch: Wie eine Schneekugel, die langsam den Berg herunterrollt – so beschreibt der Kommunikationsdesigner Frank Hildebrandt das Fortschreiten einer Demenz. Anschaulich und mit wunderbaren Illustrationen wird in der ersten Hälfte des Buches die Krankheit erklärt. Der zweite Teil zeigt wie der Lebensraum von Menschen mit Demenz zum Zuhause mit Geborgenheit werden kann. Der Autor gibt hilfreiche Tipps und Anregungen. Frank Hildebrandt lädt den Leser ein, sich durch den Humor und die Gelassenheit älterer Menschen inspirieren zu lassen und mit ihnen gemeinsam Demenz zu verstehen.

>> Schauen Sie für weitere Informationen in unsere Buch-Tipps.


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