14.09.2018
Kategorie: WP Pflegekonzepte, AI Innenarchitektur, AI Beleuchtung
Kerstin Lötzerich-Bernhard

„Unsere Mitarbeiter geben an, dass sie in den Mittagsstunden kaum mehr müde sind und vor allem nachts besser schlafen.“

Die pflegetherapeutischen Zentren Altentreptow und Neubrandenburg richten sich an alle Personen, die pflegebedürftig im Sinne des Sozialgesetzbuchs XI sind (Ein Pflegegrad liegt vor.) Besonders geeignet sind die Angebote für Personen, die aus der Klinik oder Rehabilitation entlassen wurden und nun nach weiterer Förderung oder Erhaltung ihrer Selbstständigkeit Ausschau halten. Zu den neuen Formen der pflegerischen Betreuung und Versorgung zählen: spezielle Bewegungs- und Koordinationskonzepte für Pflegebedürftige, die Förderung der Selbstständigkeit, auch bei fortgeschrittener Pflegebedürftigkeit, die Förderung der Lebensqualität sowie ein biodynamisches Lichtkonzept, über das wir mit Gerd Bekel, Geschäftsführung pro-persona.care, sprachen (www.pro-persona.care).


In welchen Bereichen (öffentlich/nicht öffentlich) wird VTL (Visual Timing Light) bei Ihnen überall eingesetzt? 

Gerd Bekel: VTL wird bei uns flächendeckend in beiden Einrichtungen eingesetzt. In allen, den Klienten zugänglichen Bereichen und in den Räumen, die vorwiegend nur von Mitarbeitern genutzt werden (zum Beispiel Stationszimmer, Therapieräume und Büro für die Leitungen).

 

 

Wie wirkt sich VTL auf die verschiedenen Krankheitsbilder und/oder Verhaltensweisen der Pflegebedürftigen aus? Welche Beobachtungen haben Sie gemacht, und nach welcher Zeit treten diese auf?

 

Gerd Bekel: Eine direkte Wirkung auf einzelne Krankheitsbilder können wir besonders bei Klienten mit Parkinson und anderen neurodegenerativen Erkrankungen feststellen. Darüber hinaus stellen wir bei allen pflegebedürftigen Menschen, die zu uns kommen, einen positiven Einfluss fest. Dies zeigt sich insbesondere in der allgemeinen Fitness über den Tag verteilt und der Wachheit in den Mittagstunden. Nur vereinzelt nehmen unsere Klienten in den Mittagsstunden die Ruheräume in Anspruch. Die Mehrzahl hält sich in der großen Lobby auf, um in Gemeinschaft verschiedene Beschäftigungen wahrzunehmen – oder um ein Schwätzchen mit anderen Klienten und dem Personal zu halten.

Besonders deutlich fällt uns die Wirkung bei Klienten auf, die längere Zeit im Krankenhaus zugebracht haben. In Kombination mit gezielten Bewegungsübungen und dem dauerhaften biodynamischen Licht waren bisher bei allen Klienten positive Entwicklungen festzustellen. Bei mehreren Fällen, die zur palliativen Versorgung aus dem Krankenhaus zu uns entlassen wurden, konnten wir bereits ab dem dritten Tag nach Entlassung eine deutliche Besserung des Allgemeinbefindens feststellen. Für uns ist klar, dass unser biodynamisches Licht hier eine große Rolle spielt.

 

Ebenfalls sind positive Auswirkungen bei Klienten, die in Folge eines Schlaganfalls zu uns kommen, erkennbar. An mehreren Fällen konnten wir die positive Entwicklung in Aufmerksamkeit und Mobilität dokumentieren. Es handelt sich hierbei um Klienten, die circa zwei bis vier Monate in der Neurorehabilitation waren. Diese Klienten kamen rollstuhlmobil und sprachbehindert zu uns. Nach etwa sechs Monaten sind alle Klienten in der Mobilität selbstständig und benutzen gelegentlich einen Rollator oder Gehstöcke. Unserer Ansicht nach, hat das biodynamische Licht zur Verbesserung des Allgemeinbefindens und zur Verbesserung der Aufmerksamkeit geführt und somit die Voraussetzung für die positiven Wirkungen der pflege- und physiotherapeutischen Maßnahmen geschaffen.

 

Und wie sieht das speziell bei an Demenz erkrankten Menschen aus?

Gerd Bekel: Bei unseren Klienten mit Demenz stellen wir fest, dass sie kaum ziellos umherlaufen. Durch den flächendeckenden Einsatz des biodynamischen Lichtes gibt es bei uns keine dunklen Ecken oder Korridore. Alle Räume und Flure sind lichtdurchflutet und somit hell und freundlich. Dies scheint sich positiv auf das Verhalten der Klienten mit Demenz auszuwirken. An einigen Fällen können wir nachweisen, dass die agitierten Verhaltensweisen bei Beginn der Versorgung bei uns, in relativ kurzer Zeit abnehmen oder nicht mehr feststellbar sind. Auch berichten uns Angehörige, dass sie vereinzelt eine Besserung in der Orientierung festgestellt haben. So konnten einige Klienten beim Gespräch mit ihren behandelnden Ärzten fehlerfrei den Weg von Zuhause bis zur Arztpraxis beschreiben. Dieses ist ihnen zum Teil schone längere Zeit vorher nicht mehr gelungen. Wir gehen davon aus, dass unser VTL in Kombination mit Dual-Task-Übungen hier eine Veränderung bewirkt hat.

 

Kann man auch bei Tagesgästen, die nur kurz in der Einrichtung sind, Veränderungen feststellen? 

Gerd Bekel: Wir sehen bei Klienten, die jeden Tag zu uns kommen die größten Wirkungen. Bei Klienten, die nur sporadisch zu uns kommen, können wir die Wirkungen in aller Regel an den Rückschritten erkennen. So können beispielsweise bei Klienten, die sich im Rahmen von Verhinderungspflege mehrere Wochen bei uns in der therapeutischen Tagespflege aufgehalten haben, an den Rückschritten im häuslichen Umfeld nach Beendigung der Verhinderungspflege die vorherigen positiven Entwicklungen beschreiben. Mehrfach konnten wir dann bei Steigerung der Häufigkeit der Aufenthalte bei uns positive Ergebnisse erreichen. So zum Beispiel die Steigerung der allgemeinen Wachheit, der Aufmerksamkeit und der körperlichen Fitness.

 

Wie wirkt sich VTL auf die pflegenden Mitarbeiter aus? 

Gerd Bekel: Alle Mitarbeiter verfügen über umfangreiche Berufserfahrungen in anderen Pflegeeinrichtungen oder in Kliniken. Sie beschreiben uns, dass sie durch das VTL eine ganz andere (positive) Raumatmosphäre wahrnehmen. Sie geben an, dass sie in den Mittagsstunden kaum mehr müde sind und vor allem nachts besser schlafen.

 

Bekommen Sie auch Rückmeldung von Angehörigen in Bezug auf VTL?

Gerd Bekel: Rückmeldung von Angehörigen bekommen wir nur vereinzelt. Deutlich positiv fallen die Rückmeldungen jedoch von Angehörigen aus, die sich bei Aufnahme der Klienten intensiv bezüglich der Versorgung von uns haben beraten lassen. Auch ist unsere 90 Sekunden dauernde Demonstration des VTL hierbei sehr hilfreich. Häufige Rückmeldungen beziehen sich jedoch auf die auffallende Helligkeit in allen Räumen. Dies wird als freundlich und einladend empfunden.    

 

An welchen Stellen (Technik, Bedienung usw.) sehen Sie Verbesserungspotenzial bzw. was wünschen Sie sich konkret an Neuerungen/Veränderungen?

Gerd Bekel: Gegenwärtig sehen wir keine großen Verbesserungspotenziale im VTL-Konzept. Die Software auf unseren Mobiltelefonen zur Bedienung des VTL sollte weiterentwickelt werden, um die Handhabung zu erleichtern. Wir denken, dass so die Demonstration für Klienten und Angehörige leichter in den Alltag integriert werden kann.

 

Geben Sie uns bitte einen kurzen Ausblick: Wie geht es bei pro-persona.care und mit dem VTL-Konzept weiter?

 

Gerd Bekel: Wir planen für Altentreptow eine Erweiterung der Tagespflege mit vollumfänglichen Ausbau des VTL. Darüber hinaus haben wir ein Raumkonzept für eine therapeutische Kurzzeitpflege entwickelt. Hier wird das VTL dann in jedem Zimmer verbaut. Wir streben ein Angebot an, das sich speziell an Patienten richtet, die aus Kliniken oder Rehaeinrichtungen entlassen werden und übergangsweise pflegerische Versorgung benötigen. Mit diesem Raumkonzept und dem VTL werden wir ein vollkommen neues Produkt an den Markt bringen, das eine positive Rekonvaleszenz für die Patienten ermöglicht. Natürlich wird die Anwendung des VTL mit unserem pflegetherapeutischen Programm kombiniert.

Darüber hinaus planen wir gegenwärtig zwei weitere Therapiezentren in Neubrandenburg und in einem weiteren Standort. Dort werden die Erfahrungen aus den ersten 1,5 Jahren weiter genutzt.

 

Herzlichen Dank!

>> Lesen Sie auch das erste Interview mit Hr. Bekel, das wir zu dieser Thematik geführt haben.

 

Weitere Informationen zu den eingesetzen Produkten finden Sie hier.

Fotos: Copyright Derungs Licht AG

 


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