05.03.2019
Kategorie: WP Wohnformen, AI Architektur, CK Führung
Tanja Ehret

Nachlese zum 2. Zukunft Gutes Wohnen ThemenCamp

Am 15. Februar 2019 trafen sich rund 25 Experten aus den Bereichen Bauen, Wohnen und Pflege zum 2. Zukunft Gutes Wohnen ThemenCamp. Gastgeber war in diesem Jahr der Leuchtenhersteller Herbert Waldmann GmbH in Villingen-Schwenningen.


Der Fachkräftemangel entwickelt sich zunehmend zum Unternehmensrisiko Nr. 1. Viele Pflegeheimbetreiber müssen daher immer öfter Bettenkapazitäten leer stehen lassen. Wie findet ein Unternehmen Mitarbeiter, vor allem die richtigen Mitarbeiter? Welche Angebote auf der betrieblichen Seite müssen geschaffen werden, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein? Welche Prozesse können installiert werden, um Mitarbeitern mehr Mitsprache und mehr Verlässlichkeit in der Planung zu gewähren?

 

Welche assistiven Systeme, Umgebungen können entwickelt werden, um Mitarbeiter zu entlasten? Welche Möglichkeiten gibt es auf der Basis eines veränderten Mitarbeiter- und Qualifikationsmixes, um eine gute Pflegequalität zu gewährleisten? Stellen Möbel und Produkte, die mitdenken können, sowie Roboter, die „unbequeme“ Arbeiten übernehmen können, eine Lösung dar? Welche Veränderungen des Arbeitsprozesses ermöglicht die Digitalisierung?

 

"Employer Branding - mit den richtigen Arbeitgeberleistungen glänzen" so hieß der Auftaktvortrag aus dem Hause Waldmann zur Einführung in das diesjährige ThemenCamp. Im weiteren Tagesverlauf folgten 2 einstündige ThemenCamp-Sessions.

 

Als ThemenCamp-Moderatoren fungierten Christian Schultz, Vorstand Diakonie Stiftung Salem, zu "Führung anders - mutig, experimentierfreudig, agil", Stephan Ehret, Prozessberater, zu "Selbstorganisierte Teams - Wie agile Organisationsmethoden in der Pflege angewendet werden können" sowie Bruno Ristok, C&S Computer und Software GmbH, zu "Digitalisierung in der Häuslichkeit - Verbessern Sensorik und Datenerhebung die Pflege?".

  

ThemenCamp "Führung anders - mutig, experimentierfreudig, agil":

 

•  Praxistransfer am Beispiel der Diakonie Stiftung Salem - Aktuelle Herausforderungen von Sozialunternehmen.

•  Was bedeutet VUKA (Volatilität / Unsicherheit / Komplexität / Ambivalenz)?

•  Von der Hierarchie zur Dynamischen Organisation: Handlungsprinzipien, Agilität und Selbstorganisation. Selbstorganisation braucht Führung.

•  Führung und Hierarchie aus systemischer Sicht: Führung und geführt werden ist ein genuines Muster sozialer Interaktion in Systemen. Führung und Hierarchie wirken durch legitime, legitimierte Einflussnahme im Interesse des Systems. Die Reduzierung von Komplexität im Sinne von Entscheidungen und Konflikten ist die zentrale Funktion.

•  Führung ist Haltung.

 

"Für mich als Moderator war die spannendste Erfahrung mit Kolleginnen und Kollegen, multiprofessionell über das Thema "Führung anders - mutig, experimentierfreudig, agil", zu diskutieren Agilität steht für „Beweglichkeit“. In den let­zten Jahren ist „Agilität“ zudem zu einem Inbegriff für einen Managementansatz (Führungs- und Organisationskonzept) geworden. Im Mittelpunkt steht dabei, wie Organisationen mit Veränderungen umgehen. Agilität meint konkret, dass auf Verän­derungen flexibel und aktiv reagiert wird. Erkennbar war in den Diskussionen, dass Mitarbeitende der Antrieb der Veränderung sind. Hierbei ist auch klar geworden, dass wir als Unternehmen in der Sozialbranche schnell, flexibel und innovativ auf sich verändernde Marktbedarfe reagieren müssen und uns auf die unterschiedlichsten Mitarbeitenden einstellen." So die Aussagen von Christian Schultz.

 

ThemenCamp "Selbstorganisierte Teams - Wie agile Organisationsmethoden in der Pflege angewendet werden können":

 

•  Jede große Veränderung muss von einem positiven Leitbild getragen werden. Alle Veränderungen müssen in dieses Leitbild ‚einzahlen‘ und somit eine ‚anfassbare‘ Kultur schaffen.

•  Die Notwendigkeit/Motivation sich ‚jetzt‘ zu verändern muss klar kommuniziert werden. Ein gemeinsames Gefühl der ‚Dringlichkeit‘ hilft Veränderungen zu starten.

•  Eine möglichst flache Hierarchie hilft Veränderungen voranzubringen. Jede klassische Machtgrenze ('Was willst Du in meinem Bereich?’) sind potentielle Konfliktursachen, die von inhaltlichen Veränderungen ablenken.

•  Formate, die Bereiche, Fachlichkeiten und Hierarchien überschreiten, generieren eine echte Beteiligung und schaffen gemeines Problembewusstsein und somit die Grundlage, um nachhaltige Veränderungen herbeizuführen.

•  Insgesamt kann man nie zu viel kommunizieren, wobei viel Kreativität gefordert ist, wie und mit welchen Mitteln kommuniziert wird.

"Als Moderator bin ich sehr beeindruckt gewesen, wie tief die Teilnehmer mit ihren Unternehmen verbunden sind. Aus meiner eigenen Erfahrung aus vielen Change-Prozessen kann ich jedes Unternehmen nur ermuntern, daran intensiv zu arbeiten. Externe Beratung und Methoden können Denkanstöße liefern und Wege abkürzen. Aber nur die Unternehmen werden erfolgreich sein, die begreifen, dass eine ihrer ureigensten Aufgaben ist, selbst die Organisation und Prozesse zu gestalten, die für ihre Tätigkeiten die richtigen sind. Es bleibt nur eines zu tun: Ausprobieren, lernen, verbessern und nie wieder damit aufhören. Ein ‚Skip level meeting‘ darf ruhig ‚Q-Zirkel‘ heißen - Hauptsache man lebt es!" So beschreibt Stephan Ehret seine Erfahrungen aus dem ThemenCamp.

 

ThemenCamp "Digitalisierung in der Häuslichkeit - Verbessern Sensorik und Datenerhebung die Pflege?":

 

•  Technik als Unterstützung für die täglichen Abläufe zu Hause, die alle Beteiligten wie die pflegebedürftige Person, deren Angehörige als auch die Pflegekraft körperlich und psychologisch entlasten.

•  Einsatz von Technologie (wie automatische Herdabschaltung, Notruf etc.), die auch dem Vermieter Sicherheit vermittelt, dass der Mieter länger in der Häuslichkeit verbleiben kann.

•  Pflege on Demand - Pflege auf Knopfdruck. Die pflegebedürftige Person entscheidet, wann die Pflegekraft vorbeikommt. Ein Kunden-Dienstleister-Verhältnis entsteht, weniger ein Abhängigkeitsverhältnis.

•  Es wird ein Pflegepool geschaffen, dem sich verschiedene ambulante Pflegedienste anschließen. Der "Taxiruf" als "Pflegeruf".

 

„Richtig spannend waren für mich die sehr konkreten und von tiefer Sachkenntnis geprägten Vorschläge, wie Menschen länger in der eigenen Häuslichkeit verbleiben können“ so der Moderator Bruno Ristok. "Ausgehend von einem vordefinierten Szenario mit benannten Personas entwickelten die Teilnehmer konkrete Anforderungen wie sie sich eine Unterstützung durch Sensorik vorstellen können. Im zweiten Workshopteil durften die Teilnehmer die Vorschläge bewerten und den ausgewählten Vorschlag aus der Perspektive verschiedenen Stakeholder bewerten".

 

Ein Ziel wird jetzt sein, aus den Ideen und Ansätzen zum Thema „Digitalisierung in der Häuslichkeit“, ein Forschungsprojekt zu definieren. Verantwortlich hierfür zeichnet Susanne Trabandt vom Institut für Holztechnologie (IHD) in Dresden.

 

Viele der Teilnehmer haben großes Interesse bekundet, auch am 3. Zukunft Gutes Wohnen ThemenCamp teilzunehmen. Um sich wieder in so einer kreativen Atmosphäre und vor allem bei so einem innovativen Workshop-Format auszutauschen und konkrete Handlungsszenarien für ihren Arbeitsalltag zu entwickeln. Das nächste ThemenCamp ist für Frühjahr 2020 geplant.


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