05.04.2016
Kategorie: WP Demenz, MM Zielgruppe, Öffentlichkeitsarbeit
Sabine Distler, Curatorium Altern gestalten e.V.

Bei der Filmregie „Nicht schon wieder Rudi“ (2015) scheint Regisseur Ismail Sahin und seinem Team etwas Besonderes gelungen zu sein.

Eine Komödie, gefüllt mit den Themen Freundschaft, Tiere, Liebe und auch Demenz. Spannend daran ist – alle möglichen Adressatengruppen – Betroffene und Nicht-Betroffene erleben 90 Minuten sinnvolle und sinnstiftende Unterhaltung.


Kinderfilme sind Filme, die für Kinder gedreht werden. Kindersendungen sind Formate, die sich besonders auf die spezielle Erlebenswelt von Kindern einstellen. Und für wen sind die im Moment so gern benannten „Demenzfilme“? Es sind eben keine (Spiel)-Filme, die für Menschen mit Demenz geeignet sind, sondern sind Filme über den Verlauf der Krankheit. Filme wie „Honig im Kopf“, „Vergissmeinnicht“ und Themenfilme der öffentlichen Sendeanstalten tragen zur Aufklärung und Entstigmatisierung im günstigsten Fall bei, bieten jedoch keinen Unterhaltungs- und Erinnerungswert für Betroffene. 


Sabine Distler, age cu, im Gespräch mit ismail Sahin, Macchiato Pictures.

Emotionen, Reize und positive Erinnerungen sind das Elixier jeder guten Unterhaltung. In Filmen sind diese oft gepaart mit komplexen Inhalten, schnellen Bilderabfolgen, Reizüberflutung durch Effekte und lange Dialoge. Menschen mit Demenz sind damit überfordert, wenden sich ab, gehen weg, werden unruhig oder nicken ein. Menschen mit Demenz sind als Zielgruppe noch nicht im Fokus bei Drehbuchautoren und Regisseuren. Und auch Kinobetreiber würden sich – auch bei Erkennen der Zielgruppe einschließlich deren Angehörigen bzw. professionell Pflegenden - schwer tun, adäquate Filme anzubieten.

 

 

Noch ist es ein seltsames Bild in deutschen Kinos, wenn 60 pflegebedürftige Menschen mit Demenz gemeinsam ins Kino gehen und einen aktuellen Film sehen. Das Curatorium Altern gestalten e.V. hat in Kooperation mit Ismail Sahin von Macciato Pictures einen besonderen Filmnachmittag organisiert. Es war für alle ein großartiges Erlebnis. Mit Taxen, Kleinbussen und der U-Bahn erreichten alle eingeladenen Besucher das Filmhauskino Nürnberg. Der Kinoraum war samt Begleitern ausgebucht, der freie Raum vor der Leinwand ausgefüllt mit abgestellten Rollatoren und Rollstühlen. Die beiden Rollstuhlplätze des Kinos waren begehrt. Auf Werbung wurde verzichtet, das Licht im Raum war für das Sicherheitsgefühl leicht gedimmt.

 

Der Film „Nicht schon wieder Rudi" von Ismail Sahin, der neben den Themen Freundschaft, Gemeinschaft, Liebe, Treue und Toleranz auch "unausgesprochen" das Thema Demenz beleuchtet, kam "trotzdem" und vermutlich "gerade weil" gut bei den Gästen an. Langsame Bilder, spielerische Musik, starke emotionale Dialoge, Gags im richtigen Moment, die richtige Mischung zwischen Anregung und Entspannung – diese Merkmale kennzeichnen diesen Film. Im anschließenden 30-minütigen Filmgespräch mit Regisseur Ismail Sahin wurden viele Fragen gestellt.



Erstaunlich waren im Nachgang die Beobachtungen der Begleiter/innen, die mittels eines standardisierten Fragebogens erhoben wurden. Ein wesentliches Ergebnis davon deckt sich mit Studienergebnissen einer Medienevaluation (Kuhn, Rutenkröger, 2015, Medienevaluation). Die Aufmerksamkeitsspanne und Konzentration ist in der Regel bei Menschen mit Demenz bis zu max. 25 Minuten begrenzt und erreicht bei ca. 15 Minuten ihren Höhepunkt. 98 % blieben die insgesamt mit Filmgespräch 120 Minuten entspannt im Kino sitzen. Sie wechselten zwischen Konzentration, Kontemplation und Introvertiertheit, waren gut unterhalten und genossen die Gemeinschaft im Kino.

 

Doch - ist es richtig, Menschen mit Demenz mit der eigenen Krankheit zu konfrontieren? Wir sagen nach unserer Erfahrung "Ja", wenn ein Film das Thema so sensibel wie unaufgeregt aufnimmt wie bei "Nicht schon wieder Rudi"! Im Vordergrund steht eben nicht die Erkrankung, sondern die Freundschaften und die Beziehung zu einem Hund. Der heitere Grundton und Methodik einer Komödie geben emotionalen Halt und die "gute Lösung am Schluss" (wie ein Kinogast so herrlich kommentierte) die Erleichterung.

 

Der Film zeigt uns Lösungen für einen unkomplizierten und normalen Umgang mit Demenz und genau das ist auch der Wunsch vieler Betroffener. Es gibt viel zu beachten von Regisseuren für ein anspruchsvolles, spezielles Kinopublikum wie heute. Ismail Sahin und seinem Team ist das hervorragend und unserer Meinung nach erstmalig in dieser besonderen Form gelungen. Ein Film – für alle Menschen geeignet! 


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Tanja Ehret
Tanja Ehret, CareTRIALOG Redaktion
tanja.ehret@caretrialog.de
Tuesday, 24.05.16 15:26 Uhr

Wir gratulieren!
Ismail Sahin und Oona Devi Liebich sind für den diesjährigen New Faces Award mit "Nicht schon wieder Rudi!" in der Kategorie "Bester Debütfilm" nominiert.

Der Preis wird am 26. Mai im Berliner eWerk zum 17. Mal von Deutschlands größtem People-Magazin "Bunte" verliehen.

Die Freude im Team ist riesig. Schon die Nominierung selbst ist eine enorme Auszeichnung.
Mit Spannung blicken wir auf den Donnerstagabend und drücken den beiden ganz fest die Daumen.
Weiter Infos zur Verleihung gibt es unter: Bunte Online

 

Tanja Ehret
Tanja Ehret, CareTRIALOG Redaktion
tanja.ehret@caretrialog.de
Friday, 08.04.16 10:30 Uhr

NICHT SCHON WIEDER RUDI!
Erste Komödie über Demenz, die auch Betroffene erreicht, erscheint am 22. April auf DVD.

Ein Film von und mit Ismail Sahin und Oona-Devi Liebich – sowie mit Matthias Brenner, Oliver Marlo und Frank Auerbach.
Filme über Demenz gibt es inzwischen einige. Doch Ismail Sahin und Oona-Devi Liebich gelingt mit ihrer Komödie, die ein Wochenende im Leben des dementen Klaus erzählt, etwas ganz Besonderes: Nicht nur das reguläre Kinopublikum, sondern auch Betroffene zu erreichen. Während die Aufmerksamkeitsspanne von Menschen mit Demenz normalerweise maximal 25 Minuten beträgt, konnte eine Testgruppe dem Film problemlos 90 Minuten folgen und fühlte sich gut unterhalten. Der Film zeigt also nicht nur einen Weg mit der Krankheit umzugehen, er macht auch ein gemeinsames Filmerlebnis mit an Demenz erkrankten Freunden und Angehörigen möglich.

Filmemacher Ismail Sahin (HAKIM, WENN BÄUME PUPPEN TRAGEN) und Schauspielerin Oona-Devi Liebich (KATIE FFORDE, PAULE & JULIA, CRAZY), die im Film ihre eigenen Erfahrungen mit der Krankheit verarbeitet, sind gemeinsam für Buch und Regie verantwortlich. Sie zeigen die unwirkliche Welt des Vergessens und machen gleichzeitig Hoffnung – denn mit menschlichen und tierischen Freunden kann man sich fast jeder Herausforderung stellen. Zum Ensemble gehören auch Matthias Brenner(WIR SIND JUNG. WIR SIND STARK., CLUB DER ROTEN BÄNDER), Frank Auerbach (BANKLADY, EIN TICK ANDERS) und Oliver Marlo (WEINBERG).
Bernd (Matthias Brenner) freut sich auf ein entspanntes Angelwochenende am See mit seinem Bruder Peter (Frank Auerbach) und seinem besten Freund Klaus (Oliver Marlo). Doch die Harmonie wird durch den Frauenheld Murat (Ismail Sahin) gestört, den Klaus ungefragt mit eingeladen hat. Als Klaus bei einem Unfall im See landet und Murat zu seinem Retter wird, rücken die vier Männer jedoch zusammen. Der Unfall hat allerdings Folgen: Der in letzter Zeit auffallend vergessliche Klaus wacht am nächsten Morgen auf und vermisst seinen Hund Rudi – doch der ist schon vor zwei Jahren gestorben... Um Klaus nicht zu erschüttern, erhalten die Freunde die Fiktion aufrecht und begeben sich gemeinsam mit der schönen Sophie (Oona-Devi Liebich) auf die Suche nach dem geliebten Vierbeiner. Während Murat dabei ist sein Herz zu verlieren, verstricken sich die Freunde immer tiefer in ihr eigenes Lügennetz.

Für weitere Informationen oder wenn Sie sich den Film per Link oder als DVD ansehen möchten, wenden Sie sich bitte an Marie Haas, Presse Macchiato Pictures, presse@macchiato-film.de, 0163/69 40 103.

 
 

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