08.08.2014
Kategorie: PA Interviews, PG Gesellschaft, WP Bewegung
Carolina Heske

Neu-Schauspieler Samuel Koch: „An meiner Seite sind viele Menschen, die mich am Leben erhalten“

Sein Schicksal bewegte eine ganze Nation, und das Interesse hält an: Als Samuel Koch am 4. Dezember 2010  in der Live-Sendung „Wetten, dass..?“ schwer verunglückte, waren die Zuschauer wie paralysiert. Zumal in der Folgezeit schnell klar war, dass dieser so mutige wie sportliche junge Mann wohl Folgeschäden davontragen würde. Dreieinhalb Jahre später hat sich das Leben von Samuel Koch zweifelsohne massiv verändert. Doch es gibt Hoffnung und Perspektiven: Der jetzt 26-Jährige hat seine Schauspielausbildung beendet, startet nun seine TV- und Theaterkarriere!


Samuel Koch wurde 1987 in Neuwied geboren. Schon früh galt seine Begeisterung dem Sport. Bereits mit sechs Jahren begann er als Kunstturner und turnte 17 Jahre lang bei unzähligen Wettkämpfen in der deutschen (2.) wie französischen Liga. Nach dem Abitur war er im Rahmen seines Wehrdienstes als Vertrauensperson und redaktionell in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der deutsch-französischen Brigade tätig. Währenddessen leitete er Kinderfreizeiten für das Bundeswehrsozialwerk.

Danach studierte er Schauspiel erst in Hamburg, später an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover mit Diplomabschluss im Juli 2014. Zwischendurch übernahm er zunächst Kinderbetreuung und militärische Beratung, später Regieassistenz bei namhaften Film- und Fernsehproduktionsfirmen in München, Hamburg und Berlin. Sporadisch jobbte er immer wieder bei Veranstaltungen als Kleinunternehmer und freier Akrobat. Nach seinem Unfall am 4. Dezember 2010 wurde er im Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil rehabilitiert. Sein Buch „Zwei Leben“, in dem er alle Erfahrungen verarbeitete, avancierte zum Spiegel-Bestseller und erhielt 2012 den Medienpreis „Goldener Kompass“.

Samuel Koch unterstützt aktuell die Deutsche Stiftung Querschnittlähmung (DSQ) sowie die internationale Rückenmarksforschung „wings for life“, aber auch regionale Projekte wie die Arbeit der ELFMETERStiftung oder den inklusiven Betrieb Fohrenhof als Schirmherr. Zusätzlich hält er immer wieder Vorträge an Ärzte- und Pflegekongressen, Schulen oder anderen öffentlichen Einrichtungen.

Ab Freitag, 8. August 2014 um 15.10 Uhr wird der Nachwuchsstar für ca. zwei Monate in der ARD-Serie „Sturm der Liebe“ auf dem Bildschirm sein. Bis 17. August ist er auch mit Konzertlesungen unterwegs. Außerdem hat ihn das Staatstheater Darmstadt als festes Ensemblemitglied engagiert – derzeit laufen die Proben für Samuel Kochs erste Premiere, „Madame Bovary“ am 4. Oktober.

Der CareTRIALOG sprach mit Samuel Koch über aktuelle und nächste Projekte.

Herr Koch, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum nagelneuen Schauspieldiplom! Welches sind jetzt Ihre nächsten beruflichen Ziele?

Rein für mich als Mensch ist das allein verwunderlich, überraschend und toll, dass ich diesen Beruf in meiner Situation ausüben darf. Es ist für alle Beteiligten und auch für das Theater neu, mit einem querschnittsgelähmten Schauspieler auf diese Weise zusammen zu arbeiten. Wir sind alle gespannt.

Eine erste Kostprobe Ihres Könnens erleben wir schon ab 8. August für gut zwei Monate in der ARD-Telenovela „Sturm der Liebe“. Welche Rolle haben Sie für die Serie übernommen?

Mir wurde die Rolle des ehemaligen Rennfahrers Tim Adler angeboten. Er gibt sich nach außen sehr cool und lässig. Dass er durch seine Rennfahrerkarriere viel Geld verdient hat, prägt sicherlich seinen Charakter. Nach seinem Unfall hat Tim jedoch sehr viel über sein bisheriges Leben reflektiert und macht es sich nun zur Aufgabe, seine Ex-Freundin Sabrina (gespielt von Sarah Elena Timpe) zu unterstützen, die sich aufgrund eines Reitunfalls in einer ähnlichen Lage wie er befindet.

 

Mehr oder weniger rund um die Uhr am Set zu sein, ist ja für jeden Schauspieler ganz schön stressig. Wie haben Sie die Dreharbeiten empfunden?

Es war zu Beginn ungewohnt für mich, so wenig Zeit für eine Szene zu haben und in dieser Zeitspanne sehr gut zu funktionieren. Im Theater probt man schließlich sechs bis acht Wochen bis zum finalen Auftritt vor Publikum. Dass aber in einer kurzen Drehzeit so viele schöne, intensive Momente entstehen können, hat mich sehr positiv überrascht. Ein großes Stück weit hat mir meine Schauspielkollegin Sarah Elena Timpe die Anfangsnervosität genommen und mir die Arbeit erleichtert.

Drehort und Team von „Sturm der Liebe“ kannten Sie aber schon?

Im Herbst 2009 absolvierte ich ein Regieassistenzpraktikum bei dieser Produktion. Ich war froh, dass ich mein erstes Engagement nach der Schauspielschule in einer Produktion hatte, in der ich bereits mit den Abläufen vertraut war. Und ich kannte glücklicherweise noch viele Schauspieler wie Antje Hagen, Joachim Lätsch oder Florian Stadler.

Andere Menschen machen gerade Urlaub, Sie stecken voll in der Arbeit... Woher nehmen Sie die Kraft für Ihre vielen Aktivitäten?

Nicht alleine. An meiner Seite sind viele Menschen, die mich am Leben erhalten und mir bei allem helfen, was ich tue. Freunde, Familie sind wichtige Quellen. Geholfen hat mir aber auch mein in die Wiege gelegtes Temperament, raus zu gehen und aktiv zu sein. Auch wenn es schmerzvoll ist und manchmal demütigend, mache ich immer wieder die Erfahrung, dass es mir gut tut, die Wohlfühlzone zu verlassen. Auf der anderen Seite schöpfe ich auch Kraft und Energie daraus, alleine zu sein – gerade, weil ich so häufig von Menschen umgeben bin.

Sie erreichen mich auch gerade im Urlaub in Österreich – die erste und einzige Woche in diesem Jahr. Ich fahre gerade mit dem Lift auf den Berg rauf, zum Paragliding. Ab Montag bin ich mit meinem Freund Samuel Harfst für eine Woche mit Konzertlesungen unterwegs, bevor die Proben in Darmstadt beginnen.

Auf der hoch interessanten Homepage von Samuel Koch erfahren Sie alles zu seiner Person, zu seinem Buch "Zwei Leben" und laufend zu seinen vielen Aktivitäten.

Außerdem bietet die Site von „Sturm der Liebe“ (montags bis freitags jeweils um 15.10 Uhr im Ersten) viele Informationen zum Fortgang seiner TV-Rolle.

 

FOTOS: ARD/Ann Paur, adeo Verlag

 

 


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