15.08.2018
Kategorie: FT Digital World, PA Blickpunkt
Tanja Ehret

Digitale Gesundheit: Klarer Job der Krankenkassen

Die Deutschen wünschen sich die Unterstützung ihrer Krankenkasse bei digitalen Lösungen - warum? Weil sie sich nicht auskennen, wie eine aktuelle Studie der SBK zeigt.

Die viel besprochene Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet vor allem den Versicherten Vorteile. Der Haken an der Geschichte: Die Versicherten wissen das meist gar nicht und können mit dem Thema allgemein wenig anfangen. Eine aktuelle Studie der Siemens-Betriebskrankenkasse SBK zeigt deutlich, dass eine klare Kommunikation und Aufklärung zu digitalen Lösungen längst überfällig und dringend notwendig sind. Insbesondere die Krankenkassen sind hier laut Umfrage in der Pflicht - doch die brauchen Politik und Ärzte an ihrer Seite. 


eGA, ePA, eGK, ePF - gesprochen wird gerade viel über die digitalen Lösungen, die das Gesundheitswesen besser, schneller und transparenter machen sollen. Doch nur jeder Sechste (16 Prozent) kennt etwa den Unterschied zwischen elektronischer Gesundheitsakte (eGA) und elektronischer Patientenakte (ePA). Das zeigt das Dilemma der Digitalisierung im Gesundheitswesen: Diejenigen, für die dieser Wandel wichtig ist, kennen sich damit nicht aus. "Der Nutzen für Patienten muss im Mittelpunkt aller digitalen Maßnahmen stehen. Das bedeutet aber auch, dass der Versicherte über seine Möglichkeiten Bescheid wissen muss", stellt daher SBK-Vorstand Dr. Hans Unterhuber klar. 

 

Informationen, Expertise und Beratung dringend gewünscht 

 

Gerade einmal sechs Prozent der Deutschen fühlen sich ausreichend zu digitalen Lösungen informiert. Die große Mehrheit fordert deshalb mehr Informationen: von den Hausärzten (26 Prozent), von den Medien (21 Prozent) und von der Politik (14 Prozent). Als wichtigsten Informationsträger nennen die Deutschen die Krankenkassen. Mehr als jeder Zweite sieht sie in Punkto Digitalisierung in der Pflicht (56 Prozent). Auch Verantwortung und Expertise in diesem Bereich liegen laut den Befragten bei den Krankenkassen (49 Prozent). Politik (14 Prozent), Ärzte und Verbände (12 Prozent) und Verbraucherschutz (sechs Prozent) folgen mit deutlichem Abstand. "Das ist ein klares Zeichen", so Unterhuber. "Wir als Krankenkasse müssen den Versicherten abholen und ihn umfänglich informieren." Doch nicht nur Informationen und Expertise sind von den Krankenkassen gewünscht: Auf die Frage, wann sie einen Zugriff der Krankenkassen auf die Patientendaten erlauben würden, antwortete mehr als ein Viertel "zu Beratungszwecken" (27 Prozent). 

 

Digitalisierung ja, Verantwortung nein? 

 

SBK-Vorstand Hans Unterhuber sieht in diesen Zahlen einen klaren Auftrag: "Den Anspruch der Versicherten an uns nehmen wir sehr ernst. Das ist unser Job! Aber wir brauchen dazu ein Team. Ein Team bestehend aus Krankenkassen, politischen Entscheidern mit Visionen und klaren Verantwortlichkeiten und Leistungserbringern - also Ärzten oder beispielsweise Physiotherapeuten - die den Weg mit uns gehen. Gemeinsam und verbindlich im Sinne der Versicherten." Denn die Problematik ist: Bisher sind keine klaren Richtlinien für digitale Lösungen vorhanden. Im Fall der ePA und deren Einführung 2021 hat das Bundesministerium für Gesundheit erst jüngst wieder die verantwortliche Umsetzung an die Selbstverwaltung gegeben. Schnelle Entscheidungen sind kein Merkmal dieses Teams aus Krankenkassen und Leistungserbringern. Die Politik muss also handeln. Bis dahin geht die SBK zusammen mit anderen Kassen mit der Gesundheits-App Vivy schon erste Schritte hin zu sinnvollen, guten Angeboten. Klar ist aber auch, dass das erst der Anfang ist und hier noch mehr kommen muss: "In der Politik müssen Rahmenbedingungen und Standards festgelegt werden, um den Versicherten sicheren Umgang mit digitalen Lösungen zu gewährleisten. Die Leistungserbringer müssen sich öffnen und an einer einfachen Handhabung für den Kunden mitwirken. Wir wollen einen mündigen Patienten, der uneingeschränkte Datenhoheit genießt und von den Vorteilen der Digitalisierung profitiert. Das funktioniert aber nicht, wenn sich viele Beteiligte aus der Verantwortung ziehen oder gegen Neues sperren", unterstreicht Unterhuber. 

 

Über die Umfrage: 

 

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.027 Männer und Frauen zwischen dem 08.06.2018 und 11.06.2018 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.  


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