18.04.2017
Kategorie: FT Medizin, PG Gesellschaft, PA Interviews
Gitta Schröder

Tanja Wedhorn, Schauspielerin: „Bei einem Hausarzt muss ich mich geborgen fühlen“

Am 21. April startet die neue ARD-Reihe ‚Praxis mit Meerblick’, in der Tanja Wedhorn Hausärztin Nora Kaminski spielt. Gitta Schröder vom CareTRIALOG traf die 45-jährige Schauspielerin, die mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen (6 und 9) in Berlin-Neukölln lebt.  


Tanja Wedhorn in ihrer neuen Rolle als Insel-Ärztin Nora Kaminski zusammen mit ihrem Kollegen Dr. Richard Freese (Stephan Kampwirth, rechts).

Frau Wedhorn - Sie haben ja bereits erfolgreich die Fernsehreihe ‚Reiff für die Insel’ gedreht. Nach der Nordsee nun also die Ostsee-Insel Rügen. Kannten Sie die Insel schon von früher?

Ja – das muss 10 Jahre her sein. Da hatten wir die Kinder noch nicht und ich war mit meinem Mann im Winter in Binz. Das war traumschön. Ich hab’s eh gerne lieber einsam. Stundenlang alleine am Strand spazieren gehen … dazu der Wind. Das ist ganz besonders!

Jetzt hatten wir beim Dreh echt Pech mit dem Wetter. Selbst die Insulaner meinten, dass sie lange nicht mehr so einen verregneten Oktober hatten.

Aber dem Film tut’s irgendwie gut, weil er durch das Grau ein bisschen kantiger wird und nicht dieses Liebliche, Sonnendurchflutete hat. Es ist eben darin <s>eben</s> alles ein bisschen knarzig. Genau wie die Charaktere, die etwas schroff und kantig sind. Dabei haben sie alle die Seele und das Herz am rechten Fleck. Insofern unterstützt es den Film, dass ein rauer Wind weht und die Gischt meterhoch spritzt. Dafür brauchten wir keinen Spezial-Effekt – das war echt.

 

Wie gefällt Ihnen denn Ihre Figur Nora Kaminski?

Ich mag die total. Und ich durfte gemeinsam mit dem Drehbuchautor und der Produzentin herumspinnen, wie Nora sein sollte. So entstand eine Frau, die sehr gerade ist, sehr besonnen. Eine, die viel mit sich selbst abmacht. Nora ist 45. Und man fragt sich: Warum hat die keine Familie, keine Kinder, kein Reihenhaus und keinen Freund? Wo kommt die her? Ich mag das sehr, dass ich ein Geheimnis bleibe und man erst in Folge 2 oder 3 mehr erfährt. Und ich mag es, dass Nora sich die Dinge vom Hals hält – mit so Sprüchen wie ‚Der kleine Prinz kann mich mal’ oder ‚Auf so eine Kinderkacke hab ich keinen Bock’. Die zieht bewusst Grenzen, weil früher zu viele darüber hinweg gelatscht sind.

Aber im Grunde ist sie da. Genau wie die anderen Charaktere. Erst mal sind die nicht so einladend, aber am Ende eben schon. Und das macht ihren Charme aus. Außerdem kommt Nora aus Dortmund und ist wie ich ein Ruhrgebietskind. Da meinte ich dann ‚Leute, die muss auch Oma und Opa aus Polen haben und Kowalski heißen. Am Ende ist es nun Kaminski geworden. 

 

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Es gab eine Ärztin, die schon beim Drehbuch beraten hat – bei all den medizinischen Fragen und Ideen. Bei dieser Ärztin war ich einen Tag lang und sie hat mir alles an Griffen und Situationen erklärt und mit mir geübt. So konnte ich jetzt im Dreh sensationell elegant und geschickt einhändig eine Spritze aufziehen. Da war ich besonders stolz drauf. So cool!

 

Was schätzen Sie an einem guten Hausarzt?

Ich habe meinen Hausarzt seit fast 20 Jahren und fühle mich da sehr aufgehoben. Das geht schon damit los, dass seine Arzthelferin alles von mir und meiner Familie weiß – das ist einfach fantastisch. Nicht fremd und anonym. Außerdem geht bei meinem Arzt nichts husch, husch und nichts schnell, schnell. Der Doktor nimmt sich wirklich Zeit für mich und fragt ruhig nach. Er macht sogar Hausbesuche. Und dann liegt die Praxis auch noch bei mir um die Ecke. Das ist fast ein bisschen ländlich. Auch in seiner Praxis. Obwohl wir in Berlin-Neukölln leben.

 

Die Situation für Landärzte wird immer schwerer und viele Dörfer haben heute keine medizinische Versorgung mehr vor Ort. Fließt das in die Fernsehreihe mit ein?

Wir haben jetzt erst eine Folge gedreht, an Buch 2 und 3 wird gerade geschrieben. Könnte ein Thema sein, das in den späteren Büchern aufgegriffen wird.

 

Die Fernsehreihe Praxis mit Meerblick spielt ja im Osten Deutschlands, Nora kommt aus dem Westen. Läuft man da Gefahr, irgendwie abschätzend zu erzählen?

Was für ein Gedanke! Wieso denn? Nein, bestimmt nicht. Die Nora Kaminski macht diese Unterschiede nicht. Die hat’s nicht so mit Gut und Böse. Die ist völlig wertfrei. 

 

Nora war vorher Schiffsärztin, musste aber wegen eines schlimmen Vorfalls gehen. Nun holt sie die Geschichte wieder ein, weil sie im Internet angeschwärzt wird. Wie würden Sie damit umgehen?

Ich wäre genauso entsetzt wie Nora. Man ist ja so machtlos, wenn etwas Negatives im Netz steht und sich das verbreitet. Da machen sich dann alle ein Bild von dir und du hast keine Chance, dich zu verteidigen, denn die Meinung ist bereits gebildet. Da rudert und rudert man, aber kommt nicht mehr dagegen an.

 

Haben Sie als Schauspielerin Angst vor einem Shitstorm?

Ich habe keinen privaten Facebook- oder Instagram-Account. 

 

Gucken Ihre Kinder denn, wenn Sie im Fernsehen zu sehen sind?

Gute Frage. Ich glaube, die haben mal auf DVD den 4. Teil von ‚Reif(f) für die Insel’ gesehen. Das fanden sie auch ganz lustig. Meine Söhne halte ich aber, so weit es geht, ganz raus. So kann jeder von ihnen seinen Weg finden.

 

Sendetermin von Praxis mit Meerblick ist Freitag, 21. April um 20:15 Uhr im Ersten.

 

Bild: ARD Degeto/Christine Schroeder 

 


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Tanja Ehret
Tanja Ehret, CareTRIALOG Redaktion
tanja.ehret@caretrialog.de
Tuesday, 18.04.17 10:55 Uhr

„Praxis mit Meerblick" mit Tanja Wedhorn und Stefan Kampwirth
Start der neuen ARD-Degeto-Komödienreihe am 21. April um 20:15 Uhr im Rahmen des „Endlich Freitag im Ersten"

„Nora Kaminski - ohne Doktortitel"- so stellt sich Tanja Wedhorn als Ärztin in der neuen Komödienreihe „Praxis mit Meerblick" den Bewohnern der Ostseeinsel Rügen vor. Unter den eigenwilligen Nordlichtern muss sich die schlagfertige Frohnatur aus dem Ruhrpott aber erst einmal behaupten. In der ersten Episode „Willkommen auf Rügen" kann sie sich zunächst allein auf ihren Arztkollegen Dr. Richard Freese (Stephan Kampwirth) verlassen. Der ist mit ungewöhnlichen Einfällen gerade auf Partnersuche und merkt dabei schnell, dass ihm seine alte Jugendliebe nicht wirklich gleichgültig ist.

Frisch auf Rügen gestrandet und noch vollkommen fremd auf der Insel - so lernen die Zuschauerinnen und Zuschauer Nora Kaminski in dem ersten Film „Praxis mit Meerblick: Willkommen auf Rügen" am 21. April um 20:15 Uhr im Ersten kennen.

 
 

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