20.04.2017
Kategorie: FT Medizin, PA Blickpunkt
Tanja Ehret

Science Fiction in der Medizin wird real

Selbst die erfahrenste Krankenschwester kann es nicht so gut: Ein Blutabnahmeroboter erkennt mittels Infrarot- und Ultraschallmessung die genaue Lage auch der verstecktesten Vene und führt die Nadel schonend ins Ziel. 


Immer mehr Arbeit in der Medizin wird von Robotern besser erledigt als von Menschen: Der präzise Schnitt zur Entfernung von bösartigem Gewebe oder der minimalinvasive Eingriff im Brustraum ohne Öffnung des Brustkorbs - solche Operationen sind ohne Robotik schon heute oft kaum noch Stand der Technik. Der Roboter schneidet, der Arzt sitzt mit einer 3D-Brille an einem Rechnersystem. Tausende von Medizin-Robotern werden mittlerweile jedes Jahr verkauft. Und Hunderttausende OPs damit durchgeführt, so eine Statistik der Internationalen Föderation für Robotik.

 

Über kurz oder lang wird künstliche Intelligenz auch mit ärztlichem Wissen in Konkurrenz treten. So wie vor zwei Jahren in Japan: Ärzte wussten bei der Behandlung einer Leukämie-Patienten nicht mehr weiter. Erst als sie deren diagnostischen Daten von einem Supercomputer mit 20 Millionen Datensätzen abgleichen ließen, konnten der spezielle Erkrankungstyp identifiziert und die Patientin gerettet werden.

 

Aber auch das klassische Krankenhaus befindet sich im Umbruch: Im extrem dünn besiedelten finnischen Lappland ist für manchen Patienten das Krankenhaus über 400 Kilometer weit weg. Patienten gehen dort in lokale Gesundheitszentren - quasi Krankenhäuser ohne Ärzte - und nutzen Teleradiologie, Video- und Telekonsultation sowie Teletraining. Ihre Daten werden dazu ins Zentralkrankenhaus Lapplands übertragen. Und das Mercy Virtual Care Center in Chesterfield im US-Staat Missouri ist ein Krankenhaus mit 300 Mitarbeitern, aber keinem einzigen Bett - ein Krankenhaus ohne Patienten. Bis hin zum Schlaganfall wird in dem 54 Millionen US-Dollar teuren Haus alles per Telemedizin behandelt.

 

Der Ort, an dem Diagnostik und Behandlung stattfinden, verschiebt sich immer mehr in den privaten Lebensbereich des Patienten. Das könnte die Gesundheitswirtschaft erst recht umkrempeln: Denn wer die Vitaldaten der Patienten sammelt, künstliche Intelligenz programmiert und Roboter entwickelt, könnte dereinst die zentrale Position im Markt einnehmen - und die klassische Medizin möglicherweise schlicht zur Zulieferindustrie machen.

 

Das Thema "Science Fiction in der Medizin: Ärzte- oder patientenloses Krankenhaus?" diskutieren auf dem Hauptstadtkongress in Berlin: Dr. Friedrich von Bohlen, Geschäftsführer der dievini Hopp BioTech holding, Prof. Dr. Horst Karl Hahn, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Bildgestützte Medizin, Dr. Andreas Hartung, Chief Operating Officer der AMEOS-Gruppe, Dr. Markus Müschenich, CEO und Co-Founder von Flying Health Incubators und Vorstand des Bundesverbandes Internetmedizin, Prof. Dr. Christian Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Rostock, Dr. Andreas Tecklenburg, Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover, und Peter Vullinghs, Vorsitzender der Geschäftsführung der Philips GmbH. Es moderiert der Gesundheitsunternehmer Prof. Heinz Lohmann.

 

Der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit ist mit mehr als 8.000 Entscheidern aus Gesundheitswirtschaft und Politik die jährliche Leitveranstaltung der Branche. Der 20. Hauptstadtkongress findet vom 20. bis 22. Juni 2017 im CityCube Berlin statt. 


Keine Kommentare

Keine Kommentare gefunden.
Falls Sie einen Kommentar abgeben wollen, müssen Sie sich vorher einmalig registrieren.
 
IM INTERVIEW
14.11.2017
Claudia Michelsen, Schauspielerin

Im weltweiten Vergleich der Gesundheitsversorgung landet Deutschland trotz guter Wirtschaftslage nur auf Platz 20 derzeit. Die offizielle Zahl der Toten verursacht durch ...


IM BLICKPUNKT
16.11.2017
Christoph Lohfert Stiftung lobt Lohfert-Preis 2018 aus

Der Lohfert-Preis prämiert im Jahr 2018 erneut praxiserprobte und nachhaltige Konzepte, die den stationären Patienten im Krankenhaus, seine Bedürfnisse und Interessen in den ...


NEUESTE BEITRÄGE
14.11.2017
„Der Patient wird in Zukunft wissen, welche Daten über ihn erhoben werden und entscheidet, wer auf diese zugreifen kann.“

In den Pflegesektor halten immer ausgefeiltere AAL-Systeme Einzug. Insbesondere ältere Menschen können so in ihrem vertrauten, häuslichen Umfeld ihren Gesundheitszustand in ...


01.11.2017
Nachlese zum World Café „Neu denken.Neu leben“

Das World Café ist eine innovative Workshopmethode, die auf der Annahme basiert, dass es kollektives Wissen gibt. Menschen unterschiedlicher Professionen sollen miteinander in ...


24.10.2017
Pflege-TÜV muss pflegerische Leistungen besser abbilden

In den vergangenen Jahren haben die Kontrollen, die nach den Standards des Pflege-TÜV durchgeführt wurden, nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt. Insbesondere ist eine ...


17.10.2017
Ein Netzwerk für die Pflege

„Eines der Kernprobleme in der Versorgung ist die mangelnde Kommunikation, wenn Patienten verlegt werden, also aus dem Krankenhaus wieder nach Hause oder in das Pflegeheim ...


06.10.2017
APD eröffnet neues Generationenquartier auf Graf Bismarck

Zum ersten Mal kombiniert die APD in dem wegweisenden Wohnprojekt 17 hochwertige Einheiten für Betreutes Wohnen gemäß NRW-Gütesiegel mit drei anbieterverantworteten ...


Xing
LinkedIn Logo