19.03.2019
Kategorie: CK Personalkonzepte, CK Führung
Hedda Werner

Wie wichtig sind Kommunikation und Sprache für eine gute Führung?

Die SPRACHKULTUR GmbH in Köln bietet Strategie, Coaching und Training zu sämtlichen Prozessen der Organisation- und Personalentwicklung. Frau Dr. Silke Keim ist spezialisiert im Bereich Kompetenzentwicklung. Seit 2007 konzipiert und gestaltet sie Kompetenzmessprojekte in Unternehmen und Hochschulen


Wir haben mit Frau Dr. Keim von der SPRACHKULTUR GmbH darüber gesprochen, was für sie „Neue Führung“ bedeutet und welchen Stellenwert Kommunikation und Sprache haben.

 

Frau Dr. Keim, was verstehen Sie unter „Neuer Führung“?

 

Der Begriff wurde schon Anfang der 90er Jahre geprägt – damals begann man festzustellen, dass eine Top down Führung nicht mehr funktioniert und etwas verändert werden muss. Das Neue besteht darin, dass emotionale Elemente mehr in den Vordergrund rücken. Nicht mehr: Führungskraft sagt, Mitarbeiter führt aus. Mittlerweile verbreiten sich immer mehr Methoden, wie zum Beispiel Großgruppenmethoden oder auch Design Thinking, welche die Einbeziehung aller Mitarbeiterschichten in die Entscheidungsfindung ermöglichen 

 

Hat der klassische autoritäre Führungsstil ausgedient?

 

Bestimmt gibt es noch Kontexte und Situationen, in denen ein eher autoritativer Führungsstil notwendig ist – eben nicht immer. Darin besteht ja heute die Herausforderung: Zu erkennen, wann ein Mitarbeiter klare Anweisungen braucht und wann es Zeit ist, Mitentscheidung und Partizipation zu fördern. Wir bei SPRACHKULTUR bemerken, dass der Fokus nicht mehr nur auf Prozessen liegt, sondern eher auf Menschen orientiert ist.

 

Welchen Einfluss hat Arbeit 4.0 und die Digitalisierung auf das Führungsverhalten?

 

Menschen erleben die heutige Zeit als schnelllebig, geprägt von Komplexität und Unsicherheit. Hinzu kommt die Herausforderung, eine Flut von immer neuen Informationen zu bewältigen. Standardisierte Vorgehensweisen greifen in den meisten Kontexten nicht mehr. Es besteht die Notwendigkeit, weg von Management und hin zur Führung im Sinne von Leadership zu gehen.

 

Was ist der Unterschied zwischen Management und Führung?

 

Peter Drucker schrieb „Management bedeutet, die Dinge richtig zu tun, Leadership bedeutet, die richtigen Dinge zu tun.“ Management ist funktional und befasst sich mit Prozessen. Führung dagegen bedeutet, sich mit der menschlichen Ebene zu befassen: Mitarbeitern eine Orientierung und Sinn zu geben, diese zu motivieren.

   

Welchen Stellenwert hat Kommunikation bei einer erfolgreichen Führung?

 

Kommunikation war und ist fundamental in zwischenmenschlichen Beziehungen, egal auf welcher Ebene und in welchem Kontext. In einer Zeit, in der man Führung als Dialog und Austausch erlebt, liegt ein besonderes Augenmerk auf einer klaren, wertschätzenden und transparenten Kommunikation.

 

Braucht „Neue Führung“ auch neue Kommunikations- und Hierarchiestrukturen im Unternehmen?

 

Es braucht auf jeden Fall aktives Handeln. Dies im Sinne einer aktiv und bewusst gewählten Strategie, um im jeweiligen Kontext zieldienlich und präsent zum Gegenüber stimmig zu agieren. Kommunikationsfähigkeit ist von enormer Wichtigkeit: In einem Kontext, in dem Hierarchien eher flacheren Unternehmensstrukturen weichen und Führungskräfte immer mehr die Rolle eines Coaches und Begleiters einnehmen, muss eine gemeinsame Sprache mit mehr Rückmeldung und mehr Augenhöhe für das gesamte Unternehmen entwickelt werden.

 

Kann man so etwas lernen?

 

Natürlich – wir reden hier von Kompetenzen, verstanden als die Fähigkeit, in offenen, nicht routinierten Situationen kreativ und selbstorganisiert zu handeln. In der sich heute kontinuierlich wandelnden Welt ist es besonders wichtig, bewusst, reflektiert und kontextadäquat zu agieren – wenn das nicht so wäre, gäbe es keine Beratungsunternehmen. Unsere langjährige Erfahrung zeigt, dass diese Kompetenzen gezielt trainiert werden können. Man muss es natürlich auch wollen und offen sein, zu reflektieren und neue Verhaltensweisen zu erlernen.

 

Wie sieht für Sie die künftige Führungskraft aus? Welche Kompetenzen sollte sie mitbringen?

 

In Zeiten der Unsicherheit und Komplexität ist es unerlässlich, alle Akteure im Prozess durch klare Kommunikation abzuholen. Es geht darum, einen gemeinsamen Wissensraum, eine gemeinsame Zielsetzung sowie den Beitrag jedes Einzelnen festzulegen, also um die Fähigkeit, zielorientiert zu führen. Weil die Digitalisierung hohe Anforderungen an den Einzelnen stellt, sollte auch das Thema „Belastbarkeit / Resilienz“ betrachtet werden. Die Verbindung von persönlichen Werten und sinnhafter Führung erhalten in diesem Zusammenhang einen hohen Stellenwert, um ein „Ausbrennen“ zu vermeiden und nachhaltige Motivation sicherzustellen. 

Frau Keim, vielen Dank für das Interview! 

Weitere Information: www.sprachkultur.eu

Erleben Sie Frau Dr. Keim als Referentin auf den Geschäftsführer-Fokusrunden.

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