08.03.2018
Kategorie: CK Personalkonzepte, PG Gesellschaft, CK Personalmangel
Kerstin Lötzerich-Bernhard

In der Schweiz denkt jede zweite Pflegekraft an Kündigung.

Dr. Gundolf Meyer-Hentschel ist Inhaber des Meyer-Hentschel Instituts, Zürich / Saarbrücken. Das Institut beschäftigt sich seit 1985 mit der Alterung unserer Gesellschaft. Gundolf Meyer-Hentschel ist der Erfinder des ersten Altersanzugs in Europa. Sein Institut führt viele Empathie-Workshops mit diesen Altersanzügen durch. Auftraggeber sind Altenpflegeinstitutionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (www.ageman.com).


Seit Anfang Januar 2018 läuft in den sozialen Medien die von Dr. Meyer-Hentschel initiierte Kampagne «So Proud to Be a Nurse». Das Besondere: Alle Personen sind real. Die Texte haben sie selbst formuliert. 

 

Die Kampagne «So proud to be a nurse» hat zwei Ziele:

  1. Zeigen, wie extrem engagiert viele Altenpflegekräfte sind. Vor allem die ganz jungen.
  2. Das Selbstbewusstsein aller Pflegenden stärken.


Instagram: @agefacts oder https://www.instagram.com/agefacts/

 

 

 

Welchen Stellenwert haben pflegende Berufe aus Ihrer Sicht in unserer Gesellschaft?

Dr. Gundolf Meyer-Hentschel: Pflegende Berufe haben ein sehr hohes Ansehen in der Gesellschaft. In aktuellen Umfragen des Forsa-Instituts liegen Kranken- und Altenpfleger auf Platz 3. Sie werden im Ansehen nur noch übertroffen von Feuerwehrleuten und Ärzten.

 

 

Quelle: https://fowid.de/meldung/berufsprestige-2013-2016-node3302

 

 

Etwas anderes ist möglicherweise die Wertschätzung von Pflegekräften im unmittelbaren privaten und beruflichen Umfeld. Viele junge Pflegekräfte knabbern am Bild des «Ar … abwischers», mit dem sie offensichtlich häufig konfrontiert werden. Eine zweite Baustelle ist vermutlich der Führungsstil in Kliniken und Pflegeeinrichtungen. In der Schweiz denkt jede zweite Pflegekraft an Kündigung. Zu den Hauptgründen zählen geringe Wertschätzung durch Vorgesetzte. Ich habe Rückmeldungen von deutschen Pflegekräften bekommen, dass dies bei uns kaum anders sein dürfte.

 

Wie kamen Sie auf die Idee dieser Kampagne bzw. was war die Motivation?

Dr. Gundolf Meyer-Hentschel: Genau die gerade geschilderte Situation war meine Motivation für die Kampagne «So proud to be a nurse». Und deshalb brauchen wir eine solche Kampagne.

 

Warum gerade auf Instagram?

Dr. Gundolf Meyer-Hentschel: Instagram ist ein sehr junger und überwiegend weiblicher Kanal. Also ideal, um den Nachwuchs zu erreichen, zu motivieren und Wertschätzung zu zeigen. Die Kampagne läuft zeitgleich auch auf Facebook und Twitter, um auch ältere Zielgruppen zu erreichen.

 

Was möchten Sie erreichen? Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Dr. Gundolf Meyer-Hentschel: Ich möchte Altenpflegekräften das Selbstbewusstsein vermitteln, das sie mit Recht haben dürfen. Ich will ihnen Mut machen, das auch deutlich zu zeigen.

In der ersten Staffel der Kampagne haben mein Team und ich die Motive der Kampagne selbst gestaltet. Die vielen positiven Rückmeldungen haben uns dann auf die Idee gebracht, in der zweiten Staffel echte Altenpflegekräfte zu Wort kommen zu lassen. Jetzt haben wir ganz authentische Bilder und Texte. Das ist noch viel erfolgreicher. Wir haben damit Altenpflegekräften ein Forum geschaffen, wo sie Wertschätzung erfahren dürfen. Und genau darum geht es.

 

Wer darf/soll bei der Kampagne mitmachen?

Dr. Gundolf Meyer-Hentschel: Alle Follower meines Instagram Accounts @agefacts sind eingeladen, sich zu beteiligen.

 

Was hat Sie bis jetzt am meisten bei den Teilnehmern beeindruckt?

Dr. Gundolf Meyer-Hentschel: Zum einen das hohe Engagement. Dann die große Liebe zum Altenpflegeberuf, die in fast jedem Motiv deutlich wird. Wir haben großartigen Nachwuchs für die Altenpflege. Wir müssen nur etwas damit anfangen. Immer wieder erreichen mich Klagen, dass Arbeitgeber keine Weiterbildungen bezahlen wollen, obwohl jemand hoch motiviert darum bittet.

Und ganz stark fasziniert mich, wie ernsthaft und einfühlsam Altenpflegekräfte mit dem Thema Tod umgehen. Und mit wieviel Empathie sie sich gerade in dieser Phase um die ihnen anvertrauten Menschen kümmern. Trotz Zeitdruck. Und trotz – ich sage das für alle, die einen Menschen nach dem Äußeren beurteilen – und trotz ihrer Tattoos, Piercings, ihrer Liebe für Heavy Metal und anderes, was den normalen Bürger erschreckt.

 

Und wie geht es weiter?

Dr. Gundolf Meyer-Hentschel: Die zweite Staffel der Kampagne ist gerade zu Ende gegangen. Nach einer Pause von circa zwei Monaten starten wir Staffel Nr. 3. Dies wird eine bewegte Staffel, bei der die Teilnehmer jetzt Videos von zehn Sekunden Dauer einreichen dürfen. Ich bin schon total gespannt. Die Idee dazu bekamen wir, als eine Altenpflegerin uns ein Video schickte von einem herrlichen Sonntagsfrühstück für die Bewohner ihrer Wohngruppe

 

Besten Dank für die Beantwortung unserer Fragen!

 

 

 


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