12.07.2018
Kategorie: CK Personalmangel, CK Personalkonzepte
Tanja Ehret

Die Wörlitzer Parkgespräche machen Lust auf Zukunft

„Lust auf Zukunft“ so hieß das Motto, unter dem sich am 13. Und 14. Juni rund 40 Entscheidungsträger aus der stationären Altenpflege in Wörlitz zu den Wörlitzer Parkgesprächen zusammenfanden. Eingeladen hatte die WIBU Gruppe mit ihrer neutralen Veranstaltungsplattform „WiBU Kompetenztransfer“.  Die Vorbereitung für den inhaltlichen Teil der Veranstaltung und die Moderation vor Ort erfolgte durch Karla Kämmer und Friedrich Trapp (Karla Kämmer Beratungsgesellschaft Essen). Zwei Tage des intensiven Austauschs, der Diskussion und mit „Open Space“ Workshops standen auf dem Programm mit dem Ziel, das Image der stationären Pflege zu verbessern. Es sollten konkrete Maßnahmen entwickelt werden, um sie dann im Anschluss den politischen Verantwortlichen zu unterbereiten.


Einen exklusiven Rahmen für diese Veranstaltung bot das UNESCO Weltkulturerbe Wörlitzer Park. Fürst Leopold III Friedrich Franz von Anhalt-Dessau ließ diese Anlage in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts anlegen. Seine Ziele damals waren schon sehr modern und lassen sich daher gut auf das Bild der Pflege übertragen wie zum Beispiel „Der Mensch steht im Mittelpunkt“.

 

Nach dem offiziellen Teil der Begrüßung u. a. auch durch den stellvertretenden Bürgermeister von Wörlitz, Ronald Seebert, versammelte sich die Gesellschaft am nahegelegenen Boots-Landungssteg am See im Wörlitzer Park. Hier wurde dem Leiter des Gartenreichs der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Michael Keller, vom Vorstand der WiBU Gruppe, André Prentkowski, im Namen der Veranstaltungsteilnehmer ein Scheck für eine Baumpflanzung im Park übergeben. Die Baumpflanzung wird als Symbol für den Start der Initiative „Lust auf Zukunft“ im Herbst im Wörlitzer Park vorgenommen.

 

Im Laufe des Abends hielt Dr. Albert Weiler, Mitglied des deutschen Bundestags und Bürgermeister in der Region Jena, einen Vortrag und stellte dar, was die Politik für die Pflegewirtschaft in der Vergangenheit schon erreich hat. Die Politik habe auf viele Fragen der Pflegeorganisation geantwortet und gäbe nun grünes Licht für eine gute Pflegezukunft in Deutschland. Es komme jetzt vor allem darauf an, wie die nächsten Schritte und Maßnahmen seitens der Politik aussehen sollen, um die Zukunft der Pflegebranche weiter zu sichern. Und diese Schritte und Maßnahmen sollen von den Teilnehmern definiert werden. Dr. Weiler appellierte weiter an die Teilnehmer, dass es nun aber auch auf die Initiative der Pflegewirtschaft selbst ankäme, wie sie sich in der Gesellschaft zukünftig darstellen wird, um auf der gesellschaftlichen Ebene eine nachhaltige Verbesserung des Images der stationären Pflege zu bewirken.

 

Der Vortrag von Dr. Weiler entfachte eine rege Diskussion, in der die Teilnehmer die Gelegenheit nutzten, ihre Fragen und Anliegen direkt an den Vertreter der Politik zu richten. Dr. Weiler hat dem Auditorium versichert, die konkreten Anliegen, die in den Workshops der Veranstaltung definiert werden würden, aktiv in den Bundestag mit einzubringen.

Der Abend klang später mit einem Barbecue und einer Schlossbesichtigung aus.

 

 

Impulse für die Zukunft

 

Der zweite Tag der Wörlitzer Parkgespräche begann mit einem Impulsvortrag von Karla Kämmer zum Thema „Altenpflege 4.0: Gesellschaftlicher Umbruch innen & außen“. „Es braucht jetzt ein disruptives Denken“ so die Beraterin. Die Pflege steht vor großen Veränderungen in Richtung Technisierung und Digitalisierung. Das Arbeitsumfeld für die Pflegekräfte verändert sich dadurch zusehends. Zudem steht ein Generationenwechsel an. Mittlerweile arbeiten bis zu vier Generationen zusammen – angefangen bei den Babyboomern, über die Generation X, Y bis hin zur Generation Z. Unterschiedliche Erwartungen, Haltungen und Einstellungen treffen daher im Arbeitsalltag aufeinander. Da braucht es eine gute Führungskraft, um diese zu vereinen und um somit eine Einrichtung erfolgreich leiten zu können.

 

Es folgten im Nachgang weitere Impulse von Matthias Beine, Cultus gGmbH aus Dresden, über den Aufbau einer Arbeitgebermarke. Gefolgt von Malte Wulbrand, Städtische Seniorenheime Krefeld, zum Thema „Der sektorenverbindende Gesamtversorgungsvertrag“. Weiter ging es mit Frank Zwinscher, BPA Sachsen, der anhand eines Best Practice Beispiels schilderte, wie wichtig gute Führung ist. Wie ein Pflegeheimbetreiber ein cooler und attraktiver Arbeitgeber sein kann, erläuterte Matthias Sachse vom ASB Landesverband Sachsen. Den Abschluss dieser Impuls-Runde machte die ehemalige Bundestagsabgeordnete von den Grünen Elisabeth Scharfenberg. Sie zählte auf, wie viele Gesetze es in den letzten Jahren in der Pflege gegeben hätte. „Aber Masse ist nicht Klasse“ so Scharfenberg. Die Unzufriedenheit unter den Pflegekräften wächst. Frust, Resignation Krankheit bis hin zur Berufsaufgabe machen sich breit. Das Image der Pflege lässt sich nicht verbessern, wenn man über die Pflege redet, sondern nur dann, wenn man mit der Pflege redet. Sie selbst hat auf Ihrem Portal eine Onlineumfrage unter Pflegekräften gemacht. Es gab von 3.687 Teilnehmern Rückmeldungen in Form von Verbesserungsvorschlägen und Anregungen wie u. a. mehr Geld, mehr Personal, mehr Mitsprache und bessere Arbeitsbedingungen. „Es braucht ein Pflegekräftestärkungsgesetz“ so hieß es von Elisabeth Scharfenberg und fragte in die Runde „Was ist uns gute Pflege wert?“ „Auch der Staat muss in die Pflege einzahlen“ schloss sie ihren Impulsvortrag ab. „Pflege kostet“ stimmte ihr Matthias Beine von der Cultus gGmbH zu.

 

Nach diesen vielfältigen Impulsreferaten fanden sich die Teilnehmer in sechs Gruppen zu sechs unterschiedlichen Workshop-Themen zusammen:

  • Wie wir Grenzen im Kopf und im Verständnis überwinden
  • Wie wir Traditionsbetriebe agil und wendig machen
  • Wie wir Mitarbeiter binden
  • Wandel und Umbruch: Was die Mitarbeiter jetzt brauchen
  • Wie der Imagewechsel gelingt
  • Wie wir die Einrichtungen ins Quartier öffnen

 

Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, jeweils 20 Minuten lang an zwei Workshopthemen zu arbeiten. Nach der Mittagspause wurden die Ergebnisse der einzelnen Workshops kurz präsentiert. Dieses Ergebnispapier „Lust auf Zukunft? Die Lobby für die Pflege stärken – Grenzen überwinden, Zukunft erfinden, sich verbünden. Aus Mitbewerbern werden Verbündete für eine gemeinsame Sache!“ enthält konkrete Thesen und wird nun an Herrn Dr. Weiler übergeben, damit sie in den Bundestag einfließen können. Es geht darum, im Schulterschluss die Zukunft der Pflegebranche weiter zu sichern – und das auf einer gesellschaftlichen Ebene. Es geht um die Verbesserung des Images und um eine deutlich verbesserte gesellschaftliche Anerkennung der professionell Pflegenden sowie der Arbeit, die in Pflegeheimen geleistet wird!

 

Die Veranstaltung schloss mit den Dankesworten von Herrn Prentkowski im Namen der WiBU Gruppe und der Karla Kämmer Beratung. Der WiBU-Vorstand wies dabei auf die Bedeutung der Pflege hin: „Die Pflegewirtschaft ist einer der größte Arbeitgeber Deutschlands. Allein hier bei den Wörlitzer Parkgesprächen wurden von Ihnen rund 23.000 Mitarbeiter in der Pflege vertreten. Sie können stolz darauf sein, selbstbewusst und stark!“

 

 

Copyright Fotos: Karla Kämmer Beratung/WiBU Gruppe

 


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