27.03.2019
Kategorie: CK Personalmangel, CK Personalkonzepte, FT Digital World, CK Führung
Hedda Werner

Mit modernen Führungsstrategien und Digitalisierung die Zukunft sichern

Die zunehmende Digitalisierung soll Unternehmen der Pflege- und Gesundheitsbranche helfen, die Arbeit zu vereinfachen und die Effizienz deutlich zu steigern. Christian Hauke, Experte für Führung 4.0 und Arbeitgeber-Attraktivität, stellt in seiner langjährigen Beratertätigkeit zu Führungsprozessen jedoch fest, dass die Digitalisierung die Unternehmen vor ganz neue Herausforderungen stellt. Christoph Hauke führt diese Aspekte in seinem Vortrag auf den WiBU Expertentagen aus und geht auf die Problematik und die entsprechenden Lösungen aus seiner Sicht ein.


Christoph Hauke

Karsten Stüber

So bezweifelten viele Führungskräfte, ob eine erfolgreiche Digitalisierung und eine wirkungsvolle Mitarbeiterführung in einer digitalen Arbeitswelt mit dem bisherigen Führungsverständnis und den aktuellen Führungsinstrumenten gelingen könne – und dies zu Recht, so Christian Hauke.

 

Denn die Digitalisierung führe vor allem zu mehr Schnelligkeit, mehr Transparenz und mehr Verantwortung vor Ort. Das kollidiere mit dem bisherigen Führungsverständnis, bei dem Hierarchie, Status, alleinige Entscheidungsmacht und Kontrolle im Vordergrund stehen. Und die damit verbundenen Führungsinstrumente zeigten nicht mehr die gewünschte Wirkung. „Wenn eine Führungskraft jedoch keine Wirkung mehr entfalten kann, dann fehlt ihr die Legitimation“, unterstreicht Christian Hauke. „Hier ist ein generelles Umdenken in Hinblick auf Führung erforderlich.“

 

Für den Berater, Mentor und Coach basiert ein neues Führungsverständnis auf gemeinsam gelebten Werten und vor allem auf Vertrauen. Mitarbeiter werden hier mehr an Entscheidungen und an der Gestaltung von Prozessen beteiligt. Sie werden zu einer höheren Lernbereitschaft und Eigenverantwortung ermutigt. Daraus entstehen bessere Leistung und größere Zufriedenheit und damit ein entscheidender Mehrwert für das Unternehmen.

 

Christian Hauke macht darauf aufmerksam, dass es gleichzeitig eine ausgeprägt transparente und kurzfristige Feedback- und Fehler-Kultur braucht, um die Digitalisierung erfolgreich umzusetzen und eine wirkungsvolle Führung in einer digitalen Arbeitswelt zu gewährleisten.

 

„Führungskräfte sind Vorbilder - ob sie wollen oder nicht! Deshalb sind Führungskräfte bei der Digitalisierung gefordert, mit Initiative, Tatkraft und Optimismus voran zu gehen“, betont der Experte. Denn nicht nur die Unternehmensleitung, sondern auch die Mitarbeiter erwarteten von Führungskräften eine Bereitschaft zur persönlichen Weiterentwicklung.

Damit bringt Christian Hauke es auf den Punkt: “Die Digitalisierung bietet neue Chancen und gute Möglichkeiten für selbstbewusste Führungskräfte, die ihre Mitarbeiter als starke Leistungspartner sehen.“

Ein gelungenes Beispiel für ein erfolgreiches Zusammenspiel von Digitalisierung und neuer Führung ist für den Berater die Diako Thüringen gGmbH. Deshalb wurde Karsten Stüber auch gebeten, sein Beispiel auf dem WiBU-Expertentag in Leipzig am 09. Mai zu präsentieren. 

Die Diako Thüringen gGmbH ist ein Unternehmensverbund der Evangelisch-Lutherischen Diakonissenhaus-Stiftung Eisenach. Das vielfältige Hilfs- und Unterstützungsangebot richtet sich an Familien, Kinder, Senioren, erkrankte, behinderte, benachteiligte und hilfsbedürftige Menschen. Die Diako Thüringen gGmbH beschäftigt aktuell etwa 2500 Mitarbeitende.

Karsten Stüber ist seit 2010 Prokurist der Diako Thüringen gGmbH in Eisenach. Sein Aufgabengebiet umfasst auch die Prozessgestaltung und die Digitalisierung in dem gemeinnützigen Unternehmen.

Wir haben mit Herrn Stüber über Arbeit 4.0 gesprochen und wie Digitalisierung gestaltet sein muss, damit sie funktioniert.

 

Digital Fluency oder digitale Kompetenz als neue Herausforderung für Unternehmen


Herr Stüber, die Digitalisierung der Arbeitswelt ist in vollem Gange, welchen Einfluss hat sie auf Führung?

 

Friedrich Schiller sagte einmal „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ In Bezug auf die Digitalisierung scheint diese Aussage zuzutreffen.

Im Rahmen der Digitalisierung müssen Führungsstile überdacht werden. Besonders im Bereich der Kommunikation hat sich viel getan. Um die tägliche E-Mail-Flut einzudämmen, wird zunehmend chat- und cloudbasierende Kommunikation genutzt. Die Mitarbeiter werden so verstärkt in Entscheidungsprozesse einbezogen. Diese Entwicklung fördert einen kollegialen Führungsstil, in welchem Transparenz eine besondere Rolle spielt und die Präsenz der Führung vor Ort abnimmt.

 

Was verstehen Sie unter Digital Fluency beziehungsweise unter digitaler Kompetenz?


Mit Hilfe von digitalen Technologien haben unsere Mitarbeiter die Möglichkeiten eines unmittelbaren und aktuellen Informationsaustauschs. Entscheidungsprozesse werden beschleunigt und Ziele schneller erreicht. Unsere Mitarbeiter arbeiten dann digital kompetent, wenn sie die digitalen Möglichkeiten souverän nutzen. Das heißt auch, dass sie wissen, wann eine analoge oder eine digitale Herangehensweise zielführender ist.

 

Wie muss Digitalisierung eingesetzt werden, damit sie funktioniert? 


Die Digitalisierung muss von der Unternehmensleitung implementiert werden. Zuerst sollte diesbezüglich eine Strategie konzipiert und Kernprozesse beschrieben werden. Bevor analoge Prozessstrukturen digitalisiert werden, sollten diese auf Effektivität und Effizienz geprüft werden. Eine digitale Infrastruktur beginnt mit der vollständigen Bereitstellung notwendiger Technologien und umfasst darüber hinaus ein umfangreiches Trainings- und Unterstützungsangebot. Über Schulungen erlangen die Mitarbeiter das relevante Know-how. Ihr Interesse an digitalen Medien kann durch Einbezug gewohnter Techniken, wie das Nutzen von Apps, geweckt werden.


Gibt es Ängste vor der Veränderung der Arbeitswelt durch Digitalisierung und wie gehen Sie damit in Ihrem Unternehmen um?


Veränderungen erzeugen oft Ängste. Damit Veränderung in der Arbeitswelt erfolgen kann, sollte sie ganz nach den salutogonetischen Grundprinzipien vollzogen werden. Das bedeutet, die Prozesse müssen für die Mitarbeiter verstehbar, handhabbar und sinnhaft sein.

Zudem arbeiten wir mit externen Kooperationspartnern, wie Hochschulen, zusammen. Diese heben das Thema auf eine wissenschaftliche Ebene und begleiten Pilotprojekte bei der Implementierung von digitalen Technologien.


Wie binden Sie Ihre Mitarbeiter in den Digitalisierungsprozess ein?


Das Unternehmen hat eine Stabstelle für Digitalisierung. Dort werden Ideen und Konzepte gemeinsam mit der Unternehmensleitung entwickelt. In Dienstbesprechungen werden die Mitarbeiter über aktuelle Digitalisierungsstrategien informiert.

Bei unseren digitalen Pilotprojekten können sich die Kollegen selbst für diese Projekte bewerben und arbeiten am Thema mit. Sie kennen sich am besten mit den Begebenheiten vor Ort aus. Bei erfolgreichem Abschluss können die neu entstanden Ideen auf andere Dienststellen übertragen werden.

 

Welchen Stellenwert hat die Kommunikation? 


Eine gute Kommunikation ist die Grundvoraussetzung für eine funktionierende Digitalisierung. Um richtige Entscheidungen treffen zu können, brauchen Mitarbeiter die passenden Informationen.

Unser Ziel ist es, eine geeignete Kommunikationsstruktur zu schaffen, die es den Mitarbeitern ermöglicht, relevante Informationen problemlos zu erhalten. 

 

Wo funktioniert der Digitalisierungsprozess in Ihrem Unternehmen besonders gut?

 
Also besonders gut erwies sich das Arbeiten im Intranet. Für die Mitarbeiter ist es eine leicht handhabbare Plattform, die aktuelle Informationen gebündelt weitergibt. Über Chats können die Kollegen sich in themenspezifischen Gruppen austauschen; lästiges E-Mail schreiben entfällt.

Nennenswert ist auch die Implementierung einer Dienstplanungs-App. Über diese App können die Mitarbeiter den Dienstplan auch auf dem Handy einsehen. Im zweiten Schritt können sie Einsatzwünsche in der App hinterlegen und Dienste tauschen, ohne dass die Führungskraft noch eine Freigabe erteilen muss. Der App liegt ein lernender Algorithmus zugrunde, der mit der Zeit immer besser versteht, wer, wann und mit wem am liebsten zusammenarbeitet. Sie hat ein erhebliches Potenzial, den Arbeitsaufwand für die Dienstplanung zu senken und ist ein ganz konkretes Beispiel, wie Digitalisierung in sozialen Einrichtungen umgesetzt werden kann.

 

Wo gibt es noch Stolpersteine?


Die Mitarbeiter nutzen immer noch gern den Austausch über E-Mails. Die Eindämmung der Flut an E-Mails wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Hier ist die Überlegung, die Kommunikation über Chatfunktionen zu erleichtern.

Auch die Digitalisierung der Rechnungslegung, die viele Arbeiten erleichtert, befindet sich gerade in der Umsetzung. Jedoch auf Grund der Dezentralisierung und Größe des Unternehmens gestaltet sich die Umsetzung noch etwas schwierig.

 

Wie lässt sich Digital Fluency beziehungsweise digitale Kompetenz in einem Unternehmen nachhaltig aufbauen? 


In Schulungen müssen die Mitarbeiter über Neuheiten informiert werden. Sie müssen den Nutzen der Digitalisierung sehen und verstehen, welche Ressourcen sich daraus ergeben. Durch eine offene Kommunikation und einen kollegialen Führungsstil ist die Verantwortungs- und Leistungsbereitschaft hoch.

Es muss zudem eine Unternehmenskultur entwickelt werden, die einen experimentellen Umgang mit digitalen Technologien erlaubt.

 

Herr Stüber, vielen Dank für das Interview!

  

Weitere Information: https://www.christophhauke.de und www.diako-thueringen.de

 

Tipp: Erleben Sie Christoph Hauke und Karsten Stüber auf den Expertentagen der WIBU-Gruppe.

 

Copyright Fotos: Anja Becker / Diako Thüringen gGmbH


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