27.04.2018
Kategorie: WP Wohnformen, AI Architektur, PA Interviews
Kerstin Lötzerich-Bernhard

Dr. Ulrich Krantz: „Als verantwortungsvolles Familienunternehmen möchten wir zeigen, dass privatwirtschaftliches und soziales Denken und Handeln einander nicht ausschließen.“

Dr. Ulrich Krantz hat in Hamburg und Tübingen Betriebswirtschaftslehre studiert. Erste Berührungspunkte mit der Pflege sammelte er während eines Traineeprogramms „Führungsnachwuchs im Krankenhausmanagement“. Seit 2012 gehört er dem Vorstand der K & S Sozial Bau AG an (ab 2016 als Vorstandsvorsitzender).


Unsere Gesellschaft wird immer älter, der Anteil an Senioren steigt stetig. Wie bzw. mit welchen Strategien/Konzepten richten Sie sich auf die veränderten Bedürfnisse und Anforderungen der Senioren respektive Pflegebedürftigen ein?

 

Dr. Ulrich Krantz: Wir werden individueller, sodass wir in einer Stadt sowohl mit ambulanten und stationären Angeboten als auch mit barrierefreien Apartments vertreten sind. Dies gilt nicht nur für neue Projekte, sondern auch für bestehende Standorte, die wir mit zusätzlichen Wohnangeboten und individuell buchbaren Serviceleistungen aufwerten.

 

Bei unserem neuesten und bislang größten Projekt, dem K&S Pflegecampus in Zwickau, sind wir mit dem Angebot von 87 Studentenapartments in direkter Nachbarschaft zur stationären und ambulanten Pflege noch einen Schritt weitergegangen. Hier verbinden wir Generationen und loten damit zugleich aus, wie wir uns als Unternehmen zukünftig verstärkt in Wohnquartieren einbringen können.

 

Welche – auch neuen – Angebote müssen Sie schaffen? Was sind die ausgewiesenen Ziele?

 

Dr. Ulrich Krantz: Wir werden weiterhin mit Augenmaß expandieren, indem wir bedarfsgerechte Wohn- und Pflegeangebote entwickeln und betreiben. Unser kurzfristiges Ziel dabei ist die Weiterentwicklung der flexiblen Pflege aus einer Hand, wie wir sie beispielsweise derzeit bereits in Erfurt und Zwickau anbieten können. Mittelfristig streben wir in Kooperationen mit Wohnungsbaugesellschaften ein Quartiersmanagement an. Hierbei möchten wir älteren beziehungsweise pflegebedürftigen Mietern ohne Wohnortwechsel eine individuelle Versorgung und Teilhabe am sozialen Leben ermöglichen.

 

Was unterscheidet Sie von anderen Betreibern?

 

Dr. Ulrich Krantz: Wir sind weder ein börsennotierter Konzern, noch ein gemeinnütziger Träger. Als verantwortungsvolles Familienunternehmen möchten wir zeigen, dass privatwirtschaftliches und soziales Denken und Handeln einander nicht ausschließen. Unserer Auffassung nach sollte ein Sozialunternehmen nicht allein kennzahlengesteuert sein, vielmehr ist ein sensibles Agieren und Miteinander von Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern gefragt.

Dabei sind wir in der glücklichen Lage, unsere Planungen nicht auf die Erwartungen externer Investoren auszurichten, sondern können unsere eigenen hohen Standards umsetzen.

Dies gelingt dank unserer Alles-aus-einer-Hand-Strategie, die mit der Projektierung und dem Bau der Pflegeimmobilien durch unser Tochterunternehmen ELBE-Bau beginnt. Auch in den Bereichen Küche, Hauswirtschaft und Gebäudemanagement führen wir ebenso selber Regie wie bei der Weiterbildung der Mitarbeiter in der Pflege in unserer eigenen Akademie.

 

Wie begegnen Sie dem Fachkräftemangel?

 

Dr. Ulrich Krantz: Um ein attraktiver und bevorzugter Arbeitgeber zu sein, bringen wir einiges auf den Weg.

Wir wissen, dass dabei die gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie ganz oben auf der Wunschliste unserer Mitarbeiter steht. Die Umsetzung ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung, aber wir sind auf gutem Weg. Derzeit erarbeiten wir uns bis 2019 mit zahlreichen neuen familienfreundlichen Projekten zum zweiten Mal das Zertifikat „audit berufundfamilie“. Dazu gehören Themen wie neue Schichtmodelle, Arbeitszeit nach Lebensphasen, betriebliches Gesundheitsmanagement und familienbewusste Führung.

 

Bereits jetzt bieten wir unseren neuen Mitarbeitern einen garantierten Einarbeitungsplan an der Seite eines Mentors an. Wir arbeiten in der Dokumentation mit der strukturierten Informationssammlung, denn weniger Bürokratie heißt mehr Zeit für die Menschen. Zudem geben wir unseren Führungskräften nicht nur Qualitätshandbücher und Regularien an die Hand, sondern ermöglichen ihnen regelmäßige Weiterbildungen und Coachings. Uns ist es wichtig, dass die Verantwortlichen die K&S Unternehmenskultur vorleben, beleben und Aufgaben, Anerkennung oder auch Kritik bewusst, souverän und immer fair verteilen.

 

Die Anzahl der Demenzkranken nimmt weiterhin zu, welche speziellen Betreuungs- und Pflegekonzepte bieten Sie für diese Zielgruppe an?

 

Dr. Ulrich Krantz: Wir bieten in vielen unserer Häuser sogenannte behütete Bereiche als geschützten Lebensort für demenziell veränderte Menschen an. Familiäre, kleine Wohngruppen und in warmen Farben gestaltete Gemeinschaftsräu­me ermöglichen dabei eine anregende und schützende Balance zwischen Privatsphäre und Gemeinschaft. Unser von einem Expertenteam entwickeltes Farb- und Lichtkonzept gibt Orientierung und Rhythmus im Einklang mit den Tages- und Jahreszeiten.

Die K&S Seniorenresident in Lübben eröffnete in 2016 ein eigenes Haus für das „behütete Wohnen“. Hier bieten wir mit der Pflegeoase für Menschen mit schwerer Demenz bei intensiver Betreuung ein Gefühl von Gemeinsamkeit in einem stress- und angstfreien Raum.

 

Mit der K&S Tagespflege an bundesweit mittlerweile sieben Standorten verbinden wir für demenziell veränderte Menschen sinnvolle Beschäftigung mit qualifizierter Pflege und schaffen zugleich Freiräume für pflegende Angehörige.

 

Herzlichen Dank für die Beantwortung unserer Fragen!

 


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