12.06.2018
Kategorie: AI Architektur, WP Demenz, MM Marktentwicklung
Hedda Werner

Barrierefreiheit beginnt im Kopf! Veranstaltung Zukunft Gutes Wohnen zeigt Visionen und praxistaugliche Konzepte

Die Veranstaltungsreihe Zukunft Gutes Wohnen beschäftigt sich mit Fragestellungen rund um Wohnformen für ältere und pflegebedürftige Menschen. Wie sehen zukunftsweisende, barrierefreie Komfort- und Service-Wohnangebote aus? Wie sollen Lebensräume für Menschen mit Demenz gestaltet werden? Zukunft Gutes Wohnen gibt Antworten, bietet praktische Lösungen und bringt Experten unterschiedlicher Disziplinen zusammen. Mit insgesamt sechs bundesweiten Veranstaltungen setzt CareTRIALOG 2018 neue Impulse für gutes Wohnen in einer alternden Gesellschaft.


Michael Teuber

Oliver Kopetz

„Barrierefreiheit beginnt im Kopf“ unter diesem Motto stand die Veranstaltung Zukunft Gutes Wohnen am 6. Juni in Schaafheim bei Frankfurt. Key-Note-Speaker, Michael Teuber, mehrfacher Paralympics-Goldmedaillengewinner im Radsport und Buchautor, zeigte in seinem packenden Vortrag „Aus eigener Kraft“, was es bedeutet, mit Barrieren zu leben und diese zu überwinden. Fest steht für ihn, dass Barrierefreiheit im Kopf beginne. Aber auch die stärkste innere Kraft könne manche starren äußeren Barrieren nicht bewältigen. Diese gelte es abzubauen, damit sich die eigene Kraft voll entfalten kann.

 

Was ist eigentlich Barrierefreiheit?

 

Diese Frage stellte Oliver Kopetz, Architekt und Sachverständiger für Barrierefreiheit beim Evangelischen Johanneswerk, den über 60 Teilnehmern der Veranstaltung. Die Antwort darauf sei gar nicht so einfach. Auf jeden Fall bedeute Barrierefreiheit ein Stück Selbstbestimmung. Kopetz geht es darum, die Architektur für Handicaps zu sensibilisieren. Er plädiert dafür, die Sinne zu schärfen und offenzuhalten und Menschen mit Behinderung genau zuzuhören. Nur so kann die Architektur neue Freiräume in Hinblick auf motorische, kognitive und sensorische Einschränkungen schaffen. Grundsätzlich verlange Barrierefreiheit ein neues Bewusstsein und kreative Gestaltungformen, damit sie nicht für ein Handicap stehe, sondern vielmehr für neu entstehende Selbstverwirklichung.

 

Es braucht mehr junge Stimmen, die sich mit Demenz beschäftigen

 

Frank Hildebrandt, Kommunikationsdesigner, forderte in seinem Vortrag „Die Designtherapie – Demenzsensible Lebensraumgestaltung mit therapeutischer Wirkung“ einen jungen gestalterischen Ansatz zum unmittelbaren Lebensraum von Demenzerkrankten. Es gehe darum, den direkten Lebensraum für Demenzerkrankte in seiner therapeutischen Bedeutung zu erkennen und ihm ein ansprechendes Gesicht zu geben. Dies gelte gleichermaßen für Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und für den privaten Bereich. Hildebrandt zeigte praxiserprobte Beispiele, wie Kommunikationsdesign mit zielgerichteten, kreativen Konzepten dazu beiträgt, Orientierung, Sicherheit und höhere Lebensqualität zu schaffen. Einzelne wirksame Maßnahmen seien auch mit geringem finanziellem Einsatz möglich.

Von stationär zu ambulant

Den formalen und praktischen Weg von einer stationären Pflegeeinrichtung zu einer trägerinitiierten Wohngemeinschaft zeichnete Tom Best vom Christlichen Sozialwerk Harreshausen e.V. auf. Am Beispiel des Seniorenhauses Bethanien in Schaafheim stellte er dar, wie der ehemalige „Heimcharakter“ neu gedacht und entwickelt wurde. Durch die Umstrukturierung wurde eine signifikante Senkung der Kosten auch auf Bewohnerseite erreicht. Bei dem Seniorenhaus handelt es sich um ein Mietprojekt mit mehreren Wohngemeinschaften, in denen die Bewohner gepflegt werden können. Hervorzuheben ist die starke Einbindung und Teilhabe der Mitbewohner beziehungsweise die der Angehörigen. Best forderte mehr kreative Köpfe auf Anbieterseite, die zeitgemäße und bezahlbare Konzepte für künftiges Wohnen im Alter entwickelten.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch einen moderierten Rundgang durch eine begleitende Fachausstellung. Die Teilnehmer hatten hier die Möglichkeit, sich über neueste Produktenwicklungen zum Thema Barrierefreiheit, Unterstützung und Komfort zu informieren.

Die nächsten Veranstaltungen Zukunft Gutes Wohnen finden am 12./13. Juni in Eisenach, am 27. September in Gelsenkirchen und am 16. Oktober in Schwerin statt.

 

Weitere Information:
www.zukunftguteswohnen.de

 

Fotos: Sabine Gradinger

 


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