10.05.2017
Kategorie: AI Innenarchitektur, AI Beleuchtung, WP Pflegekonzepte
Kerstin Lötzerich-Bernhard

„Bei allen Klienten/Patienten können wir eine Verbesserung der Lebensqualität erkennen. Diese wird ausdrücklich auch von Angehörigen hervorgehoben.“

Die pro-persona.care GmbH betreibt zurzeit zwei pflegetherapeutische Einrichtungen in Altentreptow und Neubrandenburg. Die ausgewiesenen Ziele der Einrichtungen sind die Förderung und Stabilisierung von Lebensqualität und Alltagskompetenz bei Menschen mit demenziellen und anderen neurodegenerativen Erkrankungen. Im Mittelpunkt der pflegetherapeutischen Konzepte stehen evidenzbasierte, nichtmedikamentöse Therapieformen, die ein erweitertes Spektrum von therapeutischen Einflussmöglichkeiten für Menschen, die von demenziellen Erkrankungen betroffen sind, bieten. Das Gesamtkonzept der pflegetherapeutischen Zentren basiert auf vier Säulen, die miteinander verbunden sind. So stehen das Raum- und Lichtkonzept in einer engen Verbindung, um optimale Werte für die Raumatmosphäre zu schaffen. Ebenso stehen Bewegung und Kognition in einer engen Verbindung, um alltagspraktische Fähigkeiten zu erhalten und zu fördern. In den Anlagen sind erstmals in Pflegeeinrichtungen biodynamische Lichtkonzepte in dieser sehr umfangreichen Form realisiert worden. Viele Pflegebedürftige sind in ihrem häuslichen Umfeld einer schlechten Lichtqualität ausgesetzt, die Tagaktivitäten hemmen und Nachtaktivitäten fördern (Störung des Tag- Nacht-Rhythmus). Durch die Lichtkonzepte kann ein Vielfaches an Lichtqualität geboten werden, durch das nachweislich die Lebensqualität und Ressourcen-Aktivität gefördert werden. Durch die technische Steuerung können tageslichtähnliche Situationen erreicht werden, da die Lichtstärke dem Verlauf der Sonne nachempfunden ist (morgens hell mit vielen Kaltlichtanteilen; abends gedämpft mit vielen warmen Lichtanteilen). Weitere Infos unter www.pro-persona.care.  

 

 


Gerd Bekel, Geschäftsführer und Fachwissenschaftlicher Leiter, nahm zu Fragen rund um die Pflegezentren und vor allem zur Lichtplanung und den Produkten, die in den Häusern zum Einsatz kommen, Stellung.  

 

Was sind die Leitbilder/Visionen/Werte der Pflegeeinrichtung?

 

Gerd Bekel: Die pro-persona.care GmbH ist gegründet worden, um die Neuerungen des PSG II (Pflegestärkungsgesetz II) aufzugreifen. Es soll ein vollkommen neuer Typ von Pflegeeinrichtungen entstehen. Ziel ist es, ein Umfeld zu schaffen, dass hilft, die Fähigkeiten pflegebedürftiger Menschen zu erhalten und fördern.

Das Menschenbild unserer Einrichtung basiert auf fähigkeitsorientierten Ansätzen der Humanontogentik (menschlicher Kompetenzansatz) und den Pflegekonzepten von Dorothea E. Orem (Selbstpflegekompetenz).

Das Lichtkonzept ist Teil unseres evidenzbasierten Pflegekonzeptes. Wir haben in unseren Räumen nach den Modellen „Enriched Environment“ die verschiedenen Teilbereiche organisiert und auf das Pflegekonzept der Fähigkeitsförderung ausgerichtet. Das VTL (Visual Timing Light) Lichtkonzept wird ergänzt durch eine spezielle Akustikdecke und durch ein speziell entworfenes Farbkonzept.

 

In Altentreptow haben wir das 43 Jahre alte Gebäude kernsaniert. Es ist die ehemalige Landwirtschaftsschule des Ortes. Die Eröffnung war am 01.11.2016. Das Pflegetherapeutische Zentrum wartet mit insgesamt 505 Quadratmetern auf. Der Wohnbereich im 1. Obergeschoss hält 12 Apartments bereit.

In Neubrandenburg ist der Bürokomplex „Alte Molkerei“ aus dem Jahr 1992 umgebaut worden. Auch hier wurde das Gebäude kernsaniert. Dieses Pflegetherapeutische Zentrum hat insgesamt 720 Quadratmeter. Im Wohnbereich im 2. Obergeschoss befinden sich 28 Apartments.

 

Welche Zielsetzungen bzw. Herausforderungen gab es bei der Lichtplanung? (z.B. wenig Tageslicht, fensterloses Bad/Flur, Lichtszenen für Veranstaltungen, VTL etc…)

 

Gerd Bekel: Es war von Beginn an die Zielsetzung, VTL als Teil unseres Konzeptes „Enriched Environment“ zu nutzen. Bevor wir mit der Fa. Waldmann in Kontakt waren, habe ich auf der Grundlage internationaler Wissenschaftserkenntnisse unser Lichtkonzept entwickelt. Im Zentrum stand hier die Verbesserung der Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen und insbesondere von Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen. Nach Fertigstellung des Konzeptes bestand für uns die Herausforderung darin, einen geeigneten Partner für die technische Realisierung zu finden. Auf der Medica 2015 in Düsseldorf bin ich dann gezielt an Firmen herangetreten und habe mir technische Informationen besorgt. Das VTL System von Waldmann hat mich überzeugt. Heute sind wir der Meinung, dass Waldmann der absolut richtige Partner für uns ist. Und es war bereits bei Beginn der Baumaßnahmen in Altentreptow klar, dass wir mit Waldmann auch unser Zentrum in Neubrandenburg ausstatten werden.

 

Es war bereits nach der ersten Präsentation in Düsseldorf klar, dass Waldmann in der Lage ist, unser evidenzbasiertes Pflegekonzept zu unterstützen, da ein enormes Wissen bzgl. unserer Fragestellungen vorlag. Ich musste nicht groß erklären, was wir wollen. Die Produkte waren bereits entwickelt und für uns einsetzbar. Meines Erachtens hat Waldmann hier einen enormen technischen Vorsprung. Darüber hinaus passten die Formgebung und das hochwertige Erscheinungsbild der Lampen sehr gut zu unserem Anspruch und unserer Einrichtung.

 

Wie viele und welche Räumlichkeiten wurden bei Ihnen mit welchem DERUNGS-Licht (VTL und andere) ausgestattet?

 

Gerd Bekel: In den Pflegetherapeutischen Zentren sind alle Räumlichkeiten mit VTL ausgestattet. Wir wenden das VTL also nicht nur auf den Fluren an, sondern im Esszimmer, in den Ruheräumen, im Kaminzimmer, in den Büros der Mitarbeiter, in den Gruppenräumen, in den Gymnastikräumen und in der Lobby/Eingangsbereich.

Wir haben im Wesentlichen die runden Formen eingesetzt. Wir haben neben den Demoprogrammen in den einzelnen Räumen jeweils speziell abgestimmte Lichtkonzepte. Im Kaminzimmer sind Dimmer im Einsatz und die Zusammensetzung von weicheren Lichtfarben.

In der Lobby sind Demoabläufe programmiert und Lichtszenen mit viel Kaltlicht und/oder viele Warmlicht. Im Demenzlabor sind mehrere Demoversionen programmiert, damit wir Klienten und Angehörigen die Wirkung des Lichtes demonstrieren können.

 

 

Welche Erfahrungen haben Sie bisher insbesondere mit VTL gemacht – wie fühlen sich Ihre Bewohner mit dieser Beleuchtung?

 

Gerd Bekel: Nach etwa fünf Monaten der Anwendung im pflegetherapeutischen Zentrum in Altentreptow können wir folgende Ergebnisse feststellen:

Bei unseren Klienten/Patienten stellen wir fest, dass sie deutlich aktiver sind. Bei einigen können wir sagen, dass der Tag-/Nachtrhythmus wieder funktioniert, so wie wir es beabsichtigt hatten. Bei Klienten/Patienten, die nicht in unserer Einrichtung wohnen und folglich abends in ihre häusliche Umgebung zurückkehren, stellen wir nach längerer Abwesenheit fest, dass sie vermutlich schlechten Lichtverhältnissen ausgesetzt waren (hoher Grad an Müdigkeit, Unruhe, Hang-over-Syndrom). Von Angehörigen wird das Lichtkonzept positiv bewertet.

Alle Mitarbeiter/innen beschreiben, dass sie kaum noch müde sind während des Arbeitstages. Es ist für sie eine positive Umstellung zu vorherigen Arbeitgebern. Sie fühlen sich ausgeruhter und können nach eigenen Angaben besser schlafen.

Wir haben dies nicht formell evaluiert, sondern in Mitarbeiter-Besprechungen beschreiben lassen. Der Befund ist jedoch signifikant.

 

Lässt sich einschätzen, in welchem Maße diese (VTL-)Lösung Ihre Gäste/Patienten unterstützt?

 

Gerd Bekel: Den Umfang des Einflusses können wir nicht quantifizieren bzw. vergleichen, da wir nicht wissen, wie die Lebenssituation vorher war. In Hausbesuchen und Beratungsgesprächen konnten wir feststellen, dass insbesondere demenzerkrankte Klienten/Patienten vorab unter sehr schlechten Lichtverhältnissen in ihren Wohnungen gelabt haben.

 

verschiedene Lichtszenarien

 

Und welche Vorteile sehen Sie als Betreiber/in bzw. Technik-Verantwortlicher insgesamt bei diesem Licht-Management-System?

 

Gerd Bekel: Unser Lichtsystem passt sich 1:1 in unser unternehmerisches und pflegerisches Gesamtkonzept. Wir haben eine hohe öffentlichkeitswirksame Aufmerksamkeit erhalten. Wir haben durch die Art des Lichtkonzeptes und großen Vorsprung gegenüber Mitbewerbern.

 

Herzlichen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.

 

Weitere Informationen zu den eingesetzten Produkten finden Sie hier.

 

Fotos: Derungs Licht AG


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