08.02.2018
Kategorie: AI Innenarchitektur, AI Produktnews
Angelika Sylvia Friedl

Schöner Wohnen

Weiße Bettwäsche wirkt steril und langweilig, erinnert an Krankenhaus. Bietet dagegen eine Firma ein auf die Raumsituation abgestimmtes Gesamtkonzept von Wohntextilien an, sollte das ein Renner für Heime werden. Doch weit gefehlt. Denn Anbieter komplexer Ausstattungslösungen haben es nicht leicht, wenn sie auf dem Markt Fuß fassen wollen. Sie kämpfen mit kleinteiligen Strukturen und langen Entscheidungsprozessen.


Diesen Herausforderungen stellt sich derzeit Curabelle aus Rheine im Münsterland. Die Firma existiert seit etwa einundeinhalb Jahren und hat sich zum Ziel gesetzt, mehr Wohnlichkeit in Altenheime zu bringen. Also weg von steriler Krankenhausatmosphäre wie sie häufig noch in Heimen zu finden ist, hin zu textilen Interieurs, die Bewohner als ihr vertrautes Zuhause empfinden. Curabelle entwickelte dafür gemeinsam mit fünf deutschen Textilherstellern drei Wohnkollektionen in unterschiedlichen Stilen. Die Bettwäsche im klassischem Hahnentritt-, Karo- oder Streifendessin, die es in vielen Farben gibt, kann auch mit passenden Wohndecken und Handtüchern kombiniert werden. „Wir sind die ersten, die die vorhandenen Raum- und Farbkonzepte in den Bewohnerzimmern im textilen Sinne zu Ende denken. Wir haben daher ein Gesamtkonzept erstellt, das unter dem Motto „besser ist schöner für alle“ steht“, erklärt Geschäftsführer Frank Brethauer. „Wir möchten in Heimen gerne eine häusliche Wohnumgebung gestalten, wie es viele andere Disziplinen wie die Möbelindustrie oder Hersteller von Gardinen und Vorhangstoffen schon seit Jahren erfolgreich etabliert haben. Für die Prozesswäsche ist dies allerdings noch ein Novum, ganz besonders in einem interdisziplinär gedachten Kontext, wie wir ihn verfolgen“.

        

Nun hatten es Newcomer, deren Namen zunächst niemand kennt, schon immer schwer zu Kunden vorzudringen. Das, so Frank Brethauer, sei aber gar nicht das Haupthindernis für die junge Firma. „Viele Betreiber sind neugierig auf die Produkte und sehr angetan von den vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten und den neuen Qualitäten“. Doch dann gerieten die Verhandlungen immer wieder ins Stocken. In einer Reihe von Heimen erwies es sich als schwierig, den richtigen Ansprechpartner zu finden. „Man denkt da zunächst an die Hauswirtschaftsleitung als Fachentscheiderin für Textilien. Aber für unseren ganzheitlichen Ansatz, auch in Anlehnung an die Farb- und Raumkonzepte, die sich der Innenarchitekt ausgedacht hat, braucht man eine entsprechende Budgetkompetenz und einen Plan, wie die Umstellung passieren soll und ein wenig Mut, alte Denkweisen zu durchbrechen. Das hat wohl manche Hauswirtschafterin überfordert“, erklärt Brethauer. Wenn aber die Geschäftsleitung und weitere Stellen eingebunden werden müssen, verzögert sich natürlich der Entscheidungsprozess.

 

Ein anderes Manko: Selbst größere Betreiber verfügen oftmals nicht über zentralisierte Strukturen. Besonders im gemeinnützigen Bereich, aber auch bei privaten Betreibern, entscheidet noch gerne jedes Haus selbständig über Einkäufe. In dieser Hinsicht ein Vorbild ist die Firma Dorea. „Wir haben einen Zentraleinkauf, weil wir qualitative Standards vereinheitlichen und bundesweit mit Lieferanten arbeiten, die in dieser Größenordnung auch agieren können“, sagt Geschäftsführer Axel Hölzer. Wie Curabelle ist Dorea ein ganz junges Unternehmen. 2015 kaufte Hölzer zusammen mit Partnern fünf Seniorenheime. Zwei Jahre später sind es schon 46 Einrichtungen mit mehr als 3500 Beschäftigten. Wie Curabelle setzt auch Dorea auf den Wohlfühlfaktor in seinen Heimen, um sich von anderen Wettbewerbern abzugrenzen. „Ein zentraler Einkauf ist wichtig. Er ist einer der wenigen Bereiche, wo man noch kaufmännisch frei tätig werden und die Wirtschaftlichkeit verbessern kann“, betont Axel Hölzer. Ein Problem für Anbieter neuer Dienstleistungen sind außerdem die Versorgungsverträge, die meist für drei bis fünf Jahre abgeschlossen werden. Erschwerend kommt hinzu, dass Heime die einmal gewählte Bettwäsche gerne die nächsten drei bis zehn Jahre im Einsatz behalten. Newcomer brauchen also einen langen Atem bis die Verträge wieder ausgelaufen sind. Auch in diesem Punkt betreibt Dorea eine andere Politik. Das Unternehmen arbeitet mit Rahmenverträgen, die meist zwei Jahre Laufzeit haben, eventuell mit einer Option für ein Jahr Verlängerung. Danach wird wieder neu verhandelt. Bei den zugekauften Häusern wird allerdings, so Axel Hölzer, zum Teil noch versucht, die Betriebe aus den bestehenden Verträgen herauszulösen.

 

Nicht nur aufgrund ihrer langen Laufzeit erweisen sich die Rahmenverträge mit externen Wäschereien als Bremse. Denn die meisten Häuser haben inzwischen nicht nur die Pflege ihrer Wäsche „outgesourced“ , sondern - im Rahmen eines Mietwäscheservices - die Wäschebeschaffung gleich mit dazu. Die Wäschereien bieten daher nur standardisierte Qualitäten an. Die Heimbetreiber können nur unter einer sehr schmalen Auswahl von Produkten wählen. Ausschließlich auf Mietwäsche spezialisierte Wäschereien müssten für individuelle Lösungen ihre Wasch- und Logistikprozesse anders organisieren als für die übliche Massenware. Da dies den Preis in die Höhe treiben würde, lassen sich die wenigsten Mietwäschereien darauf ein. Kleinere und mittelständische textile Dienstleister oder auch deutschlandweit agierende Wäschereiverbünde, die sich nicht dem Preisdiktat der großen Firmen unterwerfen wollen, können hier ihre Chance erkennen. Sich nämlich mit individuellen Leasingangeboten vom Wettbewerb abzugrenzen, um bei Heimbetreibern zu punkten. „Denn diese haben mittlerweile höhere Ansprüche und wollen keinen Einheitsbrei mehr“, ist Curabelle Chef Brethauer überzeugt. Hier haben auch die künftigen Bewohner und ihre Angehörigen ein gewichtiges Wort mitzureden. Angenommen, zur Auswahl steht ein Heim mit nüchterner Krankenhausatmosphäre und ein anderes mit großzügigem Empfangsbereich und Cafeteria, mit freundlichen Farben in den Aufenthaltsbereichen und harmonisch auf das Raumkonzept abgestimmten Textilien in den Zimmern. Für welche Einrichtung werden sich Interessenten wohl entscheiden?

 

Foto: Curabelle


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