21.06.2018
Kategorie: PA Blickpunkt, PG Ministerien
Tanja Ehret

Pflegeausbildung so nicht zukunftsfähig

Neue Ausbildungs- und Prüfungsverordnung durch Arbeitgeberinteressen verwässert – Altenpflege wird so endgültig zum Pflegeberuf zweiter Klasse

Die am 13. Juni 2018 vom Bundeskabinett verabschiedete Ausbildungs- und Prüfungsverordnung wird von Kammerpräsident Dr. Markus Mai als vertane Chance bezeichnet. „Wir sehen die verabschiedeten Regelungen mit Sorge. Insbesondere die Anforderungen in der Altenpflegeausbildung richten sich nicht nach den Maßgaben einer qualitativ hochwertigen Pflege für Pflegebedürftige, sondern nach dem Verlangen der Arbeitgeberseite nach billigen Arbeitskräften in der Altenpflege“, quittierte Mai Teile der Verordnung.   


Die nun verabschiedete Ausbildungs- und Prüfungsverordnung ist ein wesentlicher Teil der Pflegeberufereform, die eine gemeinsame Ausbildung der drei Pflegeberufe in den ersten beiden Ausbildungsjahren vorsieht. Dieses Kernelement stellt bereits einen Kompromiss zwischen Arbeitgebervertretern und Pflegefachverbänden sowie der Pflegekammer Rheinland-Pfalz dar. Letztere fordern eine vollständig generalistische Ausbildung in der Pflege, um den deutschen Sonderweg einer Dreiteilung des Pflegeberufes endlich zu beenden. Nur so könne die deutsche Pflegeausbildung international Anschlussfähig und die strukturelle Benachteiligung der Altenpflege aufgebrochen werden.

 

„Wir haben aufgrund des demographischen Wandels und des medizinischen Fortschritts die Situation, dass wir auf der einen Seite mit einer steigenden Anzahl an Pflegefällen konfrontiert sind. Auf der anderen Seite werden die einzelnen Fälle auch immer komplexer. Damit wächst auch der Anspruch an eine professionelle Pflege. Wenn der Bundesverband privater Anbieter besorgt ist, dass es viele Hauptschüler zukünftig nur noch bis zur Zwischenprüfung schaffen können, wenn die Ausbildung an den Anforderungen der modernen, professionellen Pflege orientiert wäre, dann muss ich Ihnen sagen: Ja, und das wäre richtig so. Denn der Pflegeberuf ist hochkomplex und anspruchsvoll. Eine zukunftsfähige Ausbildung muss diesen Ansprüchen genügen“, kommentiert Mai Äußerungen des bpa-Präsidenten Bernd Meurer.

 

Die Landespflegekammer sieht im Kabinettsentwurf der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung, insbesondere im Bereich der Spezialisierung auf die Altenpflege, gravierende Abweichungen zum ursprünglichen Entwurf. So wurde etwa der Passus, dass Absolventen „das Pflegehandeln kontinuierlich auf der Basis von vielfältigen oder spezifischen pflegewissenschaftlichen und bezugswissenschaftlichen evidenzbasierten Studienergebnissen, Theorien, Konzepten und Modellen“ begründen und reflektieren können müssen, ersatzlos gestrichen.

 

„Solange die Entscheidungsträger in Berlin die elementaren Bestandteile einer an Versorgungsqualität ausgerichteten Pflegeausbildung den wirtschaftlichen Interessen von Arbeitgeberverbänden preisgeben, kann eine zukunftsfähige Pflegeausbildung nicht gewährleistet werden. Wir werden die Beratungen der Vorlage in Bundestag und Bundesrat kritisch begleiten und stehen für alle Fraktionen als Partner in der Pflegepolitik bereit“, so Mai abschließend. 


Keine Kommentare

Keine Kommentare gefunden.
Falls Sie einen Kommentar abgeben wollen, müssen Sie sich vorher einmalig registrieren.
 
IM INTERVIEW
15.03.2019
Anke Sommer, Filderklinik

In der Filderklinik haben wir den personenzentrierten Führungsansatz unter anderem mit innovativen Dienstplanmodellen umgesetzt. So wurden zunächst in einem Arbeitsanfallmodell ...


IM BLICKPUNKT
25.03.2019
Jetzt neu bei WiBU ServicePlus: Das Online-Kundenportal macht Service, Prüf-und Wartungsintervalle jederzeit abrufbar

Wenn die Einrichtung und Ihre Medizinprodukte 365 Tage im Jahr gut funktionieren, geht es auch den Bewohnern gut – nach diesem Prinzip hat WiBU ServicePlus das ...


NEUESTE BEITRÄGE
19.03.2019
Wie wichtig sind Kommunikation und Sprache für eine gute Führung?

Wir haben mit Frau Dr. Keim von der SPRACHKULTUR GmbH darüber gesprochen, was für sie „Neue Führung“ bedeutet und welchen Stellenwert Kommunikation und Sprache ...


05.03.2019
Nachlese zum 2. Zukunft Gutes Wohnen ThemenCamp

Der Fachkräftemangel entwickelt sich zunehmend zum Unternehmensrisiko Nr. 1. Viele Pflegeheimbetreiber müssen daher immer öfter Bettenkapazitäten leer stehen lassen. Wie ...


20.02.2019
„Ein funktionierendes Hygienemanagement im Healthcare-Bereich ist das wesentliche Merkmal, um die Gesundheit und die Lebensqualität der Bewohner, Patienten und Mitarbeiter zu erhalten.“

Rücken wir die Küche ins Blickfeld, denn auch hier lauert ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotenzial durch unzureichende Hygiene in den Arbeitsbereichen „Kochen“, ...


12.02.2019
Das letzte Bild - Fotografie und Tod

Für medizinische oder forensische Zwecke werden jedoch distanzierte und leidenschaftslose Dokumente produziert, in denen der tote Körper nunmehr als ein Ding anmutet. Umgekehrt ...


05.02.2019
Mehr Begeisterung, mehr Personal, mehr Digital: Joachim Prölß, UKE, im Video-Interview

Was Robotik, Amazon oder ein Airbus mit digitaler Pflege zu tun haben, sehen Sie hier im Video-Interview mit Joachim Prölß, Vorstandsmitglied und Direktor für ...


Xing
LinkedIn Logo