28.12.2017
Kategorie: MM Zielgruppe, PG Gesellschaft, PA Interviews
Kerstin Lötzerich-Bernhard

Moderator Rudi Cerne: „Da gibt es gar kein Überlegen, sondern, da macht man einfach mit!“

Rudi Cerne ist seit 2014 Botschafter der Aktion Mensch. Er moderiert die Ziehungssendung „Aktion Mensch-Gewinner“ im ZDF jeden Sonntag um 19.28 Uhr. Rudi Cerne setzt sich dafür ein, dass die Arbeit der Aktion Mensch noch bekannter wird.

Dazu sagt er: „Ich möchte daran mitarbeiten, dass niemand mehr im Abseits stehen muss und alle in unserer Gesellschaft mitmachen können.“  

Rudi Cerne ist Sport-Journalist und Moderator beim ZDF. Er moderiert die Sendungen "Das aktuelle Sportstudio" und "Aktenzeichen XY ... ungelöst". Davor war er erfolgreicher Profi-Eiskunstläufer (siehe www.aktion-mensch.de/).

Wir sprachen mit Herrn Cerne über seine Tätigkeit als Botschafter der Aktion Mensch und soziales Engagement in unserer Gesellschaft.


Seit 2014 sind Sie Botschafter der Aktion Mensch. Was macht Ihnen bei Ihrer Arbeit als Botschafter am meisten Freude, und was möchten Sie erreichen?

 

Rudi Cerne: Es sind vor allem die Begegnungen mit spannenden Menschen, die mir besonders Freude machen. Mit Menschen, die eine Behinderung oder ein Handicap haben und trotzdem vollwertig und unter Berücksichtigung ihrer Talente eingesetzt werden. Und es sind die Menschen, die dahinterstehen, die ihre Betriebe öffnen und sich für den Einsatz behinderter Personen engagieren.

Als Beispiel möchte ich gerne das Bistro „AufSchalke“ neben der VELTINS-Arena in Gelsenkirchen nennen. Da ist mächtig was los. Dazu sollte man wissen, dass in der Küche des Bistros 80 Prozent der Mitarbeiter Menschen mit Behinderung sind und dort mit großem Einsatz arbeiten. Das finde ich sehr beeindruckend.

Es ist ein Vergnügen, diese Dinge zu beobachten, mitzumachen und sie den Zuschauern zu Hause via Bildschirmen wöchentlich im ZDF zu präsentieren. Das ist für mich eine großartige Angelegenheit.

 

Warum haben Sie sich für die Aktion Mensch entschieden?

 

Rudi Cerne: Zunächst ist es eine Tätigkeit, die mich erfüllt. Auf der anderen Seite ist es auch ein ganz großer Vertrauensbeweis, bei der Aktion Mensch mitmachen zu dürfen. Da gibt es gar kein Überlegen, sondern, da macht man einfach mit! Vor allen Dingen, wenn ich mich in die großartige Tradition eines Peter Frankenfeld (damals mit seiner ZDF-Sendung „Vergissmeinnicht“ für die Aktion Sorgenkind), eines Harald Juhnke oder eines Thomas Gottschalk einreihen darf, die im Laufe der Jahre alle als ehrenamtliche Botschafter mit ihrem sozialen Engagement für die Aktion Mensch zur Verfügung standen. Ich bin beim ZDF sehr eingespannt, habe tolle Aufgaben, und da möchte ich einfach auch etwas zurückgeben. Im Übrigen sehe ich das von meiner Seite gar nicht als „geben“, sondern ich gewinne dabei.

Gibt es Begegnungen, die Ihnen ganz besonders in Erinnerung geblieben sind bzw. die Sie auf die ein oder andere Art ganz besonders berührt haben?

 

Rudi Cerne: Hier möchte ich gerne ein Beispiel aus einer Holzwerkstatt in Essen nennen. Dort durfte ich einem Mädchen, um die 17-18 Jahre alt, helfen, ein Regal, welches das junge Mädchen vorher angefertigt hatte, zu imprägnieren und zu lackieren. Jetzt komme ich selbst aus einer Handwerkerfamilie (mein Vater hatte einen Malerbetrieb/Tapetengeschäft und später einen Gerüstbau), in der ich doch einiges mitbekommen habe. So konnte ich das Mädchen mit meiner Hilfe unterstützen, und wir haben sicher eine halbe Stunde gemeinsam verbracht. Am Ende nahm mich das Mädchen in den Arm und fragte mich, ob ich nicht noch bleiben könne, denn es hätte ihr alles so viel Spaß gemacht. Das hat mich sehr bewegt!

 

Wie wichtig ist heutzutage in unserer Gesellschaft soziales Engagement?

 

Rudi Cerne: Gerade bin ich auf der Autobahn Richtung München unterwegs. Und auch auf der Autobahn fahren die Menschen gerne mal ihre Ellenbogen aus. Ich glaube, dass unsere Gesellschaft immer rücksichtloser wird. Umso wichtiger ist es mit solchen kleinen Beispielen dafür zu sorgen, die Menschen darauf aufmerksam zu machen: „Hey Mensch, halt doch mal ein bisschen mehr Abstand, beruhige dich, entschleunige doch mal ein wenig im Alltag – und schau doch mal, auch Menschen mit Behinderung können inkludiert bzw. in Inklusionsbetrieben mit integriert werden. Wenn wir das zusammen mit gehandicapten Personen schaffen, dann können doch auch wir hier angenehmer miteinander umgehen.“

 

Gibt es eine Botschaft oder Erkenntnis, die Sie ganz persönlich aus Ihrer Arbeit bei der Aktion Mensch ziehen und die Sie bis heute prägt oder verändert hat (im Sinne von: das habe ich für mich/für meine Umgebung gelernt)?

 

Rudi Cerne: Ich würde es nicht „Botschaft“ nennen. Ich bin kein Typ, der mit erhobenem Zeigefinger durch die Welt geht und anderen Menschen irgendetwas erzählen will. Das liegt mir fern. Aber ich werde bei diesen Begegnungen, die ich hatte und habe, immer wieder auch ein stückweit geerdet. Ich bin selbst mittendrin in unserer Leistungsgesellschaft, und Leistung soll auch belohnt werden. Ich komme aus dem Leistungssport. Und nach der Meisterschaft ist immer auch vor der Meisterschaft. Immer weiter im Hamsterrad. Sich ab und an vor Augen führen: keep calm, komm runter, wir wollen doch alle vernünftig miteinander umgehen. Das ist für mich die Erkenntnis.

 

Fühlen Sie sich „als Promi“ selbst als Vorbildfunktion?

 

Rudi Cerne: Das kann ich gar nicht sagen. Das ist für mich völlig hypothetisch und kann ich Ihnen daher nicht beantworten. Vorbild, das ist immer so ein großer Ausdruck, so ein großes Wort. Ich bin ein Junge aus’m Pott, ich bin unkompliziert, und ob ich einer mehr oder einer weniger im Fernsehen bin, das ist völlig egal.

 

Dann formuliere ich es so: Sie gehen mit gutem Beispiel voran …

 

Rudi Cerne: Ja, das ist besser ausgedrückt. Das ist nett. Wenn es das ist, was die Menschen mitnehmen, dann fühle ich mich sehr unterstützt und bestätigt.

 

Welche Wünsche haben Sie für 2018?

 

Rudi Cerne: Ich habe mir da gar nichts vorgenommen. 20 Jahre meines Lebens war ich Leistungssportler und habe alle Ziele erreicht, die ich mir gesetzt hatte – mal mehr, mal weniger. Es gibt den schönen Ausspruch: „Es gibt keine Rolltreppe zum Erfolg. Man muss sich jede Stufe einzeln erarbeiten.“ Und so habe ich während meiner Laufbahn jede Stufe einzeln erklommen. Genauso verhält es sich in meinem jetzigen Job. Es geht mir gut, ich habe tolle Aufgaben im ZDF. Ich bin dort auf der einen Seite hineingerutscht, auf der anderen Seite war ich auch hartnäckig. Ich bin zufrieden und hoffe, dass das noch eine Weile so anhält. 

 

Herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 


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