04.10.2017
Kategorie: CK Personalkonzepte, CK Führung, PA Interviews
Kerstin Lötzerich-Bernhard

Dr. Roman Hipp, Porsche Consulting: „Nur wenn über Strukturen hinaus Kollaboration ermöglicht, gefördert und belohnt wird, ist eine Organisation zukunftsfähig.“

Porsche Consulting ist eine der führenden Beratungsgesellschaften für die Umsetzung von Strategien. Die Beratungsleistungen von Porsche Consulting sind weltweit gefragt: Rund ein Drittel der Projekte wird außerhalb Deutschlands realisiert. Mit steigender Tendenz. Aufgrund der hohen Nachfrage wurden in den vergangenen Jahren vier Auslandsbüros und ein zweiter Standort in Deutschland gegründet. Vom Stammsitz in Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart aus und den weiteren Niederlassungen in Hamburg, München, Mailand, São Paulo, Atlanta und Shanghai berät Porsche Consulting pro Jahr rund 200 Klienten (www.porsche-consulting.com/de/home/).  


Dr. Roman Hipp ist Partner bei Porsche Consulting und Experte für das Gesundheitswesen und nahm zum Thema „Prozessoptimierung“ für den CareTRIALOG Stellung.

 

Wie kann es ein Unternehmen schaffen, sich langfristig eine Wettbewerbsüberlegenheit zu sichern und was ist die größte Herausforderung?

Roman Hipp: An erster Stelle steht für Unternehmen, die zukünftigen Bedürfnisse der Kunden zu antizipieren und innovative Lösungen zu entwickeln – bestenfalls schneller als die Marktbegleiter von morgen und in Form von erstklassigen Produkten und Leistungen. Dieses Ziel zu erreichen ist nicht einfach. Insbesondere die zunehmende Komplexität, ausgelöst durch den technologischen Fortschritt und oftmals auch durch eine enorme Firmengröße, fordert Unternehmen heraus. Natürlich war die Beherrschung von Komplexität schon immer eine wichtige Aufgabe. In Zukunft wird der erfolgreiche Umgang mit ihr aber sogar überlebenswichtig für Unternehmen sein.

 

Was ist der wichtigste Erfolgsfaktor einer leistungsfähigen Organisation?

Roman Hipp: Die Organisation muss die Strategie und das Geschäftsmodell eines Unternehmens unterstützen. Und sie muss vom Kunden ausgehen. Porsche hat das schon früh erkannt und bereits im Jahr 2002 die sogenannte Baureihenorganisation eingeführt. Eine Struktur, die sich wie ein Netz als Querschnitt über die Funktionsbereiche wie Entwicklung, Beschaffung oder Produktion legt und sicherstellt, dass das Budget im Sinne der Bedürfnisse des Kunden eingesetzt wird. Dies führt auch dazu, dass die gesamte Organisation auf die Erfüllung eines übergeordneten Zwecks – dem Kundenwunsch – ausgerichtet ist.

 

Gibt es weitere Erfolgsfaktoren?

Roman Hipp: Eine leistungsfähige Organisation befähigt Mitarbeiter dazu, selbstständig im Sinne des Unternehmens zu handeln. Sie sorgt dafür, dass Ressourcen zielgerichtet eingesetzt und keine Kapazitäten verschwendet werden. Besonders wichtig ist auch der Freiraum für Kreativität in einer Organisation, um Innovationen zu fördern. Basis eines jeden Erfolgs ist die funktions- und hierarchieübergreifende Zusammenarbeit von Mitarbeitern. Nur wenn über Strukturen hinaus Kollaboration ermöglicht, gefördert und belohnt wird, ist eine Organisation zukunftsfähig.

 

Wie kann in einem Unternehmen ein Kulturwandel zu einer leistungsfähigeren Organisation gelingen?

Roman Hipp: Zwei Punkte sind entscheidend. Erstens: Ein Kulturwandel kann nicht angeordnet werden. Er wird vorgelebt – und zwar ausgehend vom Topmanagement. Nur wenn Vorstände beispielsweise Kreativität aktiv fördern, Scheitern nicht verurteilen und fundamentale Dinge immer wieder infrage stellen, werden die Mitarbeiter es ihnen gleichtun. Weiterhin kann ein Kulturwandel durch innovative Ansätze der Verhaltensforschung begleitet werden. Ich denke dabei beispielsweise an die Methoden des Nudge Management, mit denen Mitarbeiter nicht nur auf der rationalen Ebene, sondern auch über ihre Instinkte angesprochen werden. Zweitens sind natürlich nach wie vor Methoden zur Optimierung der Aufbau- und Ablauforganisation wichtig – im Idealfall kombiniert mit neuen digitalen Möglichkeiten: Prozesse werden digitalisiert, neue Formen der Aufbauorganisation werden mit Software simuliert, bevor sie umgesetzt werden.

 

Und wie kann man Mitarbeiter motivieren, sich am Wandel aktiv zu beteiligen und innovativ zu sein?

Roman Hipp: Mitarbeiter sind dann motiviert, wenn sie gestalten können und sehen, dass ihre Ideen Unterstützung finden. Ein gutes Beispiel ist der amerikanische Softwarehersteller Adobe. Jeder Mitarbeiter, der eine neue Idee hat, kann dort ein Starterpaket bekommen, um diese Idee umzusetzen. Dieses Paket enthält unter anderem eine Kreditkarte mit 500 US-Dollar, um erste kleine Investitionen tätigen zu können. Ich finde, damit zeigt die Firma großes Vertrauen in die Kompetenz der Mitarbeiter und den Willen des Managements für Veränderung und Innovation. Bei Porsche gibt es ein übergreifendes Innovationsmanagement, das alle Unternehmensbereiche umfasst. Es existieren verschiedene Möglichkeiten, die Mitarbeiter in Veränderungen einzubinden. Wichtig ist dabei immer, dass ihre Vorschläge aber auch Kritik und Bedenken ernstgenommen werden.  

 

Sind Prozesse in Krankenhäusern vergleichbar mit denen in anderen Unternehmen? Wo liegen, wenn, die Unterschiede?

Roman Hipp: Prozesse in Krankenhäusern sind ganz besonders, da der Mensch nicht nur gedanklich, sondern tatsächlich physisch im Mittelpunkt steht. Zudem kommt ein Patient nicht freiwillig in ein Krankenhaus, sondern hat ein Leiden und sucht Hilfe. Die Prozesse zur Versorgung eines Patienten sind jedoch vergleichbar mit denen anderer Organisationen. Krankenhäuser können deshalb von Unternehmen lernen. Gerade die Automobilindustrie bietet Best-Practices für exzellente, synchronisierte Prozesse. Aber auch weitere Branchen machen vor, wie beispielsweise mit Non-Routine herausragend umgegangen werden kann. Faszinierend ist zum Beispiel die Logistik bei großen Airlines. Koordination ist hierbei alles. Die verschiedenen Akteure müssen perfekt aufeinander eingespielt sein, um verspätete Flüge, gestrandete Passagiere und Änderungen des Terminplans effektiv zu managen. Egal ob Krankenhaus oder Unternehmen: Hoch performante Organisationen schaffen es, sowohl mit Routine als auch mit ungeplanten Ereignissen umzugehen – und das mit besten Resultaten und auf effiziente Art und Weise.

 

Herzlichen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.

 


Keine Kommentare

Keine Kommentare gefunden.
Falls Sie einen Kommentar abgeben wollen, müssen Sie sich vorher einmalig registrieren.
 
IM INTERVIEW
14.11.2017
Claudia Michelsen, Schauspielerin

Im weltweiten Vergleich der Gesundheitsversorgung landet Deutschland trotz guter Wirtschaftslage nur auf Platz 20 derzeit. Die offizielle Zahl der Toten verursacht durch ...


IM BLICKPUNKT
16.11.2017
Christoph Lohfert Stiftung lobt Lohfert-Preis 2018 aus

Der Lohfert-Preis prämiert im Jahr 2018 erneut praxiserprobte und nachhaltige Konzepte, die den stationären Patienten im Krankenhaus, seine Bedürfnisse und Interessen in den ...


NEUESTE BEITRÄGE
14.11.2017
„Der Patient wird in Zukunft wissen, welche Daten über ihn erhoben werden und entscheidet, wer auf diese zugreifen kann.“

In den Pflegesektor halten immer ausgefeiltere AAL-Systeme Einzug. Insbesondere ältere Menschen können so in ihrem vertrauten, häuslichen Umfeld ihren Gesundheitszustand in ...


01.11.2017
Nachlese zum World Café „Neu denken.Neu leben“

Das World Café ist eine innovative Workshopmethode, die auf der Annahme basiert, dass es kollektives Wissen gibt. Menschen unterschiedlicher Professionen sollen miteinander in ...


24.10.2017
Pflege-TÜV muss pflegerische Leistungen besser abbilden

In den vergangenen Jahren haben die Kontrollen, die nach den Standards des Pflege-TÜV durchgeführt wurden, nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt. Insbesondere ist eine ...


17.10.2017
Ein Netzwerk für die Pflege

„Eines der Kernprobleme in der Versorgung ist die mangelnde Kommunikation, wenn Patienten verlegt werden, also aus dem Krankenhaus wieder nach Hause oder in das Pflegeheim ...


06.10.2017
APD eröffnet neues Generationenquartier auf Graf Bismarck

Zum ersten Mal kombiniert die APD in dem wegweisenden Wohnprojekt 17 hochwertige Einheiten für Betreutes Wohnen gemäß NRW-Gütesiegel mit drei anbieterverantworteten ...


Xing
LinkedIn Logo