19.12.2017
Kategorie: CK Coaching, PA Interviews, WP Ernährung, PG Gesellschaft
Angelika Sylvia Friedl

Spitzenköche für Afrika

Véronique Witzigmann, Unternehmerin und Expertin für Süßes, ist Schirmherrin von „Spitzenköche für Afrika“. Der Verein unterstützt Karl Heinz Böhms Äthiopienhilfe „Menschen für Menschen“. Startschuss der Initiative war eine Wette. Starkoch Eckhart Witzigmann und Delikatessenhändler Ralf Bos wetten 2008 mit Almaz und Karlheinz Böhm, dass es ihnen gelingen wird, gemeinsam mit ihren Kollegen in 100 Tagen 250.000 Euro für den Bau einer Grundschule in Äthiopien zu sammeln. Der Plan gelingt.


Frau Witzigmann, gab es einen besonderen Anlass für Sie bei den Spitzenköchen mitzumachen?

Eigentlich nicht. Ich bin da mehr oder weniger hineingerutscht als ich gefragt wurde, ob ich nicht meinen Vater entlasten möchte und die Schirmherrschaft übernehmen will. Aber ich war natürlich sehr glücklich, mithelfen zu können.

 

Mit welchen Aktionen sammeln Sie Spenden?

Das sind ganz unterschiedliche Events von Köchen und Hoteliers, meist mit einem Rahmenprogramm und einem Menü oder Galadinner. Entweder werden alle oder ein Teil der Einnahmen an die Spitzenköche gespendet. Dazu kommen noch Spenden aus Tombolas und Spendenboxen.

 

Die Spitzenköche unterstützen das Bildungsprogramm „ABC-2015“ für Äthiopien. Liegen Ihnen Schulen besonders am Herzen?

In Äthiopien gibt es viele Kinder, die nicht richtig lesen und schreiben können und keinen Zugang zu guter Schulbildung haben. Das war der Anlass für unser Schulprojekt.

 

Welche Schule ist gerade im Bau?

Das ist die Ijaji Higher Primary School in Dano, etwa 200 km westlich der Hauptstadt Addis Abeba.

 

Betreuen Sie die Schulen auch nach der Fertigstellung weiter?

Bei Menschen für Menschen gibt es immer sogenannte Projektgebiete für mehrere Jahre. In dieser Zeit werden die Leute in den verschiedensten Bereichen ausgebildet, also zum Beispiel wie man neuen Schulen betreut. Danach zieht sich die Organisation ganz aus dem Bezirk zurück. Das finde ich bei Menschen für Menschen toll. Es wird nicht einfach Geld abgegeben nach dem Motto jetzt schaut mal, wie ihr zurechtkommt. Sondern es ist Hilfe zur Selbsthilfe. Es gibt also die Schulprojekte, die Projekte für Landwirte oder auch Initiativen für Frauen, wo ihnen zum Beispiel gezeigt wird, wie sie einen Schneiderladen betreiben.

 

Waren Sie schon einmal in Äthiopien?

Ja, um zwei Schulen einzuweihen. Ehrlich gesagt war ich ziemlich gebeutelt von all den Eindrücken. Bei einer Gelegenheit sagten unsere Gastgeber, jetzt zeigen wir euch mal wie die Schulen in Äthiopien sonst aussehen. Das sind Hütten aus Lehm ohne Fenster, die mit Kuhmist gekittet werden. Stühle und Bänke gibt es nicht, die Kinder sitzen auf dem Boden und werden von Sandflöhen gebissen. Wenn es regnet, ist alles unter Matsch. Ich habe ja selbst eine Tochter und in solchen Momenten denkt man sehr darüber nach, wie gut es einem geht. Wir zum Beispiel drehen nur den Hahn auf und können sauberes Wasser trinken. In Äthiopien holt man das Wasser mit Kanistern. Das machen meist Mädchen, die dann aber nicht zur Schule gehen dürfen. Spätestens, wenn man das gesehen hat, trägt man gerne dazu bei diesen Kindern eine Zukunft zu ermöglichen.

 

Wie viel Spenden haben Sie gesammelt?

Bis heute sind es 1.300.000 Millionen Euro. Davon sind schon acht Schulen gebaut worden.

 

Sie sind jetzt seit 2009 Schirmherrin. Was macht eine Schirmherrin alles?

Kurz gesagt, wir versuchen, die Gastronomen zu Veranstaltungen zu aktivieren. Dieses Jahr zum Beispiel feierte Hubert Oberndorfer vom Hotel Birkenhof in der Oberpfalz das 25-jährige Jubiläum seines Hotels. Es gab ein Golfturnier und abends noch eine Tombola sowie eine große Gala, wo sich die Gäste an verschiedenen Kochstationen von fünf Sterneköchen verwöhnen lassen konnten. Herr Oberndorfer hat 30.000 Euro an die Spitzenköche gespendet. Ich war an dem Abend auch da und durfte den Scheck entgegennehmen.

 

Eine schöne Aufgabe.

Ich war in diesem Moment sehr berührt. Ich wusste ja nicht, wie viel zusammenkommt. Dann steht man da auf der Bühne. Und weil ich schon mal in Äthiopien war, weiß ich, dass man mit einer solchen Summe dort eine Menge machen kann.

 

Dann müssen Sie häufiger auf Reisen gehen.

Die Anzahl der Veranstaltungen ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Aber in der Regel sind es schon vier und mehr. Es gibt auch regelmäßige Veranstaltungen. Zum Beispiel machen wir jedes Jahr im Januar in Berlin eine Trüffelgala im Sternerestaurant Hugos im Hotel Intercontinental. Die Einnahmen werden gespendet, die eine Hälfte geht an die Spitzenköche, die andere an ein Herz für Kinder.

 

Zum Schluss noch ein ganz anderes Thema. Weihnachten naht und da isst man traditionell Plätzchen. Wollen Sie uns Ihr Lieblingsplätzchen verraten?

Die Vanillekipferl meiner Mama schmecken mir immer noch am besten. Das sind auch die Lieblingsplätzchen meiner Familie. Sobald meine Mutter die Dosen bei uns zu Hause abgibt, muss ich sie verstecken. Sonst sind sie in Nullkommanix aufgegessen. Das Geheimnis liegt in der großen Menge Mandeln und Walnüsse, wobei der Teig selbst nicht viel Zucker hat. Die fertig gebackenen Plätzchen werden dann, wenn sie noch ganz heiß sind sind, in Puderzucker mit Vanille gewälzt. Sie sind nur leicht süß und sehr lecker.

 

Weitere Informationen:

https://www.menschenfuermenschen.de/

http://www.spitzenkoechefuerafrika.de/

 


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