Das World Café zum Thema „Pflege“ machte am 06. November Station in Nürnberg

Bereits schon zum dritten Mal wurde das World Café ausgerichtet. In diesem Jahr veranstaltete der CareTRIALOG das Event rund um aktuelle Themen aus der Pflegebranche in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule (Prof. Dr. Jürgen Härlein, Studiengangsleiter Angewandte Pflegewissenschaften) und dem Pflegezentrum St. Elisabeth (Sabine L. Distler, CareTRIALOG-Expertin und Mitglied der Geschäftsleitung ALWO-Unternehmensgruppe) erstmalig in den Räumen der Evang. Hochschule Nürnberg.


Hinter dem World Café verbirgt sich eine besonders intensive, innovative und zukunftsgerichtete Workshop-Methode. Sie basiert darauf, Menschen unterschiedlicher Professionen zusammenzubringen, um kollektives Wissen wirksam zu nutzen. In Gesprächen, Diskussionen und konzentrierten Gruppenarbeiten werden so in Bezug auf bestimmte Fragestellungen neue Perspektiven, Sicht- und Denkweisen erlangt.

Bewusst wurden deshalb in Nürnberg etwa 50 Experten aus der Forschung, der Pflegepraxis und der Industrie an einen Tisch gebracht, um zu gegenwärtigen Themen aus verschiedenen Bereichen des vielschichtigen und herausfordernden Pflegealltags interdisziplinär in konstruktiven Dialog zu treten.

Im ersten Teil der Veranstaltung wurden die vier Themenstellungen des Workshops in Form von Impulsvorträgen vorgestellt:

 

Marketing – Customer Relationship Management (CRM):

Sabine L. Distler und Grit Wehr vom Pflegezentrum St. Elisabeth referierten über den einhergehenden tiefgreifenden Wandel soziokultureller und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen: Differenzierung der Altersstrukturen und der Krankheitsbilder, der Zielgruppenveränderungen in Pflegeheimen hinsichtlich der Notwendigkeit einer größeren Vielfalt an Versorgungs- und Lebens- bzw. Wohnformen sowie über die (Qualitäts-)Erwartungen der Interessenten. Sie spannten Bogen über die Wandlungen im Pflegemarkt zu den aktuellen Fragen und Aufgaben für die Zukunft: Welche Veränderungen der Marketinginhalte und im CRM sind notwendig? Wie kann eine klare Kommunikation individueller Pflege- sowie Wohnangebote und Leistungen passieren? Welche Marketingkonzepte und -strategien führen zu einer gezielten und erfolgreichen Darstellung der relevanten Faktoren nach außen?

 

Ernährung:

Catrin Schulze von ABConcepts Verpflegungsmanagement, einem Kooperationspartner des CareTRIALOGs, erläuterte den speziellen Nährstoffbedarf im Alter und wies auf die Bedeutung und die Wichtigkeit einer „gesunden“ Ernährung hin. Sie stellte die Frage in den Raum, ob „gesund“ auch gleichzeitig „lecker“ bedeutet, und welchen Stellenwert „Essen & Trinken“ generell und persönlich besitzt. Zudem betrachtete Catrin Schulze die Versorgung von Pflegeheimbewohnern aus Sicht der Angehörigen. Daraus leitete sie folgende Diskussionspunkte ab: Welchen speziellen Ernährungskonzepte machen für Senioren Sinn, und wie sollte die Seniorenverpflegung der Zukunft aussehen?

 

Hygiene:

Zum Thema Hygiene sprach Frank Hoffmann der Firma MEIKO Maschinenbau, ein Kooperationspartner des CareTRIALOGs, und rückte die Hygiene in Alten- und Pflegezentren – und vor allen Dingen die teils dramatisierten Darstellungen von Krankheitsfällen (ausgelöst z. B. durch Viren) in den Medien und den Umgang mit Hygiene in der Theorie und in der Praxis in – den Fokus. Folgende Gesichtspunkte wurden den Teilnehmern als Diskussionsgrundlage an die Hand gegeben: Welche hygienischen Standards sind tatsächlich hilfreich? Wie können diese umgesetzt werden? Wo lauern Risiken? Wie effektiv greift ein Risikomanagement? Welche rechtlichen Konsequenzen können entstehen, welche – auch gesetzliche – Lösungen sind zukünftig anzustreben?

 

Altersgerechte Assistenzsysteme (AAL):

Stefan Koenen vom Lehrstuhl Ambient Intelligent Systems an der Hochschule Rhein-Waal stellte ein einzigartiges, laufendes Projekt vor: Die Entwicklung eines technischen Assistenzsystems für kognitiv und physisch eingeschränkte Anwender zur Unterstützung bei der Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Assistenzsysteme sollen den Alltag von Pflegekräften erleichtern und (älteren) Menschen mit kognitiven Beschränkungen Hilfe und Sicherheit bieten? Wie muss ein solches Smartphone und/oder Tablet PC basiertes Navigationssystem aussehen, das zudem individuell an das Können und die Bedürfnisse der Nutzer angepasst ist, individuelle Barrieren auf dem Reiseweg vermeidet, eine dynamische Anpassung während des Reiseverlaufs in Echtzeit garantiert, Outdoor sowie Indoor anzuwenden ist und die Wahl des Verkehrsmittels zulässt? Bieten sich weitere Hilfsmittel an, und – besonders wichtig – auf welche Art und Weise sollten die zukünftigen Benutzer an das Thema herangeführt werden? Spielerisch? Wie?

Anschließend hatten die Workshop-Teilnehmer die Gelegenheit, in Gruppenarbeit – moderiert durch die Vortragenden – tiefer in die einzelnen Problemstellungen und Fragen einzutauchen und konstruktiv zu diskutieren, Schwerpunkte festzulegen. Jede Gruppe bekam die Möglichkeit, sich jedem Thema zu widmen. Nach Aufbereitung der Ergebnisse der verschiedenen Diskussionsrunden durch den jeweiligen Themengastgeber wurde zu jedem der vier Themen – Marketing, Ernährung, Hygiene, AAL – ein konkretes Projekt definiert.

In einer weiteren Gruppenarbeitsphase, hier durften sich die Workshop-Mitwirkenden ihrem „Lieblingsthema“ anschließen, wurden die Projekte weiter ausgefeilt und konkretisiert und zum Abschluss allen Anwesenden vorgestellt.

 

 

Die Projekte des Tages:

Marketing:

Schaffung eines Netzwerkes aus Dienstleistern, Ärzten, Therapeuten, öffentlicher Nahverkehr, Bauwirtschaft, u.v.m. zur Quartiersentwicklung. Das Netzwerk als Vermittler und Koordinator von Leistungen aller Art. Die Leitwerte sind dabei Teilhabe, Inklusion – und als übergeordnetes Qualitätsmerkmal – die Barrierefreiheit über alle Altersstufen hinweg. Mit berücksichtigt wurde auch die Etablierung eines Netzwerkmanagements, die Einbeziehung von Ehrenamtlern und erste Marketingaktivitäten wie PR, Selbsthilfegruppen, Medien, Roadshows, usw.

 

Ernährung:

Verabschiedung einer Charta „Recht auf gesundes, genussvolles Essen“. Jeder hat das Recht zu Essen, wann, wo, wie und wie viel er möchte. Jeder hat das Recht auf eine individuelle, ab den persönlichen geistigen und körperlichen Zustand angepasste soziale Esskultur, die den hygienischen Richtlinien entspricht und sich gesund und abwechslungsreich gestaltet.

 

Hygiene:

Forderung eines Hygiene-Grundgesetzes, das die Eigenverantwortung und konsequentes Handeln in den Mittelpunkt stellt. Die Investition in die Aufklärung im Praxisalltag als Ziel und die Einsparung von Geldern als Nutzen. Sinnvolle Stichprobenkontrollen statt überbordende Dokumentation. Eine ethisch-moralische Hygiene-Aufklärung sollte dabei schon in der Schule beginnen.

 

AAL:

Entwicklung eines mobilen Spiels (ähnlich einer Wii) zur Bewegungssteuerung. Durch spielerisches miteinander Lernen sollen konkrete, notwendige Reisewege simuliert und trainiert werden, Anhand des Lernspielprinzips (regt die Motivation an) sollen Senioren so an hilfreiche Navigationssysteme herangeführt werden.

 

 

Der Sieger:

In einer abschließenden Bewertungsrunde wurde als Projekt-/Themensieger das Marketing-Netzwerk gewählt.

 

Fazit:

Eine sehr gelungene, spannende und empfehlenswerte Veranstaltung die es ermöglicht, interdisziplinär konkrete Anforderungen festzulegen sowie zu neuen Ideen und klaren, zukunftsträchtigen Perspektiven und Anregungen rund um das Thema „Pflege/Pflegebranche“ zu gelangen.

 

Fotos: WSD.Wink


IM INTERVIEW
18.05.2018
Erwin Rüddel, Politiker

Die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege werden wir gewährleisten. Parallel benötigen wir einen Runden Tisch ...


IM BLICKPUNKT
24.05.2018
Kennen Behörden ihre eigenen Gesetze und Vorschriften nicht? Aktuelle Nullschwellen-Petition macht Druck auf die baden-württembergische Landesregierung

Wenn betreute Seniorenwohnungen nach den Vorstellungen der Wirtschaftsministerin und der Ministerialdirigentin gebaut werden, entstehen unnötige Mehrkosten, allein schon durch ...


NEUESTE BEITRÄGE
25.05.2018
Wohn-Pflege-Gemeinschaften leicht gemacht – Werkzeugkoffer bietet in Rheinland-Pfalz praxisnahe Unterstützung

Lebensqualität im Alter bedeutet für viele Menschen selbstbestimmt zu wohnen, soziale Kontakte zu haben und bei Bedarf individuell angepasste Pflege- und Betreuungsleistungen zu ...


15.05.2018
„Die Mittel, um Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern und Demenzkranke im Alltag zu unterstützen, sind in vielen Punkten ähnlich.“

Einen hohen Stellenwert haben dabei auch Kindertagesstätten und Kindergärten, die, neben Pflegeeinrichtungen und altersgerechten Wohnungen, einen festen Platz in einem Quartier ...


02.05.2018
50 aktive Rentner gründen ein Senioren-Dorf - Willkommen im Uhlenbusch

Es bedurfte jedoch zunächst neun Jahre unermüdlicher Arbeit, etlicher ausgeklügelter und verworfener Pläne, hartnäckiger Gespräche mit Banken und viel, viel Herzblut, bevor ...


24.04.2018
„Wir machen uns große Sorgen, ob die neue, beschlossene, generalistische Ausbildung das Problem des Fachkräftemangels tatsächlich beheben kann.“

Unsere Gesellschaft wird immer älter, der Anteil an Senioren steigt stetig. Wie bzw. mit welchen Strategien/Konzepten richten Sie sich auf die veränderten Bedürfnisse und ...


13.04.2018
Wohnen im Alter: „WohnPunkt RLP“ bringt Wohn-Pflege-Gemeinschaften auf den Weg – Startschuss für fünf weitere Modellkommunen

Das Sozialministerium fördert mit dem wegweisenden Projekt „WohnPunkt RLP“ den Aufbau von Wohn-Pflege-Gemeinschaften in kleinen ländlichen Gemeinden. ...


Xing
LinkedIn Logo