08.01.2014
Kategorie: FT Ambient Assisted Living, PA Laufende Projekte, CK Fortbildungen
Sabine Distler

Die Teilnehmenden wollten AAL-Systeme kennenlernen und selbst ausprobieren.

BAAL ist ein Verbundprojekt starker Partner in Mecklenburg-Vorpommern und hat zum Ziel, Bildungsangebote im Themenfeld Ambient Assisted Living (AAL) zu entwickeln. Im Projekt BAAL werden die Kompetenzen verschiedener Partner gebündelt.


Frau Schuldt,  Sie arbeiten am „Zentrum für Qualitätssicherung in Studium und Weiterbildung“ der Universität Rostock. Sie sind innerhalb des Projektes BAAL als Projektkoordinatorin für die Organisation und Erprobung der  Weiterbildungsangebote zum Thema AAL (Ambient Assisted Living) zuständig.

Was ist eigentlich BAAL und welches Ziel verfolgt das Projekt?

 

BAAL ist ein Weiterbildungsprojekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Unser Ziel ist die Entwicklung von berufsbegleitenden Weiterbildungsangeboten im Themenfeld Ambient Assisted Living. Darunter werden technische Assistenzsysteme verstanden, die die Wohn- und Lebensumgebung sicherer und komfortabler gestalten und Menschen im Alltag unterstützen. AAL-Technologien können Pflegekräfte und Angehörige entlasten, die Versorgung von Patienten in der eigenen Häuslichkeit erleichtern und ein selbstbestimmtes Leben in jedem Alter unterstützen. AAL wird stark im Kontext des demografischen Wandels diskutiert. Kernfragen sind dabei, ob und wie Seniorinnen und Senioren mit Hilfe technischer Assistenzsysteme länger in den eigenen vier Wänden leben können

 

Warum hat die Universität Rostock den Projektauftrag erhalten und mit welchen Partnern sind sie im diesem Projekt verbunden?

An der Universität Rostock arbeiten Wissenschaftler verschiedener Disziplinen in der gemeinsamen Profillinie „Altern des Individuums und der Gesellschaft. Sie forschen nach neuen Lösungen auf der Ebene der medizinischen Versorgungs- und Therapieformen, im Bereich der sozialen Strukturen und im Themenfeld der technischen Assistenzsysteme. Durch die interdisziplinäre und vernetzte Forschung können medizinische, sozial- und geisteswissenschaftliche und ingenieurwissenschaftliche Aspekte ganzheitlich untersucht und in ihren Wechselwirkungen verstanden werden.

Die Erkenntnisse dieser Forschungsarbeit  sollen über Weiterbildungsangebote Berufsgruppen zugänglich gemacht werden, die technische Assistenzsysteme einsetzen wollen, etwa Beschäftigte im Gesundheits- oder Wohnungswesen oder Berufsgruppen, die zu altersgerechten Assistenzsystemen beraten wollen, z.B. Verantwortliche in Pflegestützpunkten und anderen Beratungsstellen, in Krankenkassen und Ämtern. Organisiert und angeboten werden die Bildungsangebote im Zentrum für Qualitätssicherung in Studium und Weiterbildung an der Universität Rostock.

Interdisziplinäres Denken bestimmt nicht nur das Lernen in den Kursen, sondern auch die Gestaltung der Bildungsangebote. BAAL ist ein Verbundprojekt, in dem neben der Universität Rostock weitere Partner ihr Know-How für eine praxisorientierte und wissenschaftsbasierte Weiterbildung einbringen. Das Technologiezentrum Vorpommern in Greifswald entwickelt in enger Abstimmung mit der Universität ein eigenes Kursprogramm zum AAL-Fachberater, das derzeit an der Wirtschaftsakademie Nord in Greifswald erprobt wird. Das Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung gestaltet mit dem BAA-Portal eine moderne technische Infrastruktur, die ergänzendes Online-Lernen und Vernetzung zu AAL ermöglicht. Die ANOVA Multimedia Studios GmbH unterstützt das Projekt durch die Erstellung flexibler digitaler Lernanwendungen.

 

Wie lange läuft das Projekt und wie werden die Erkenntnisse veröffentlicht?

Der Förderzeitraum läuft von September 2011 bis Februar 2014. Eine Verlängerung bis August 2014 wurde bereits beantragt. Die Erkenntnisse aus der Projektarbeit zur Zielgruppenanalyse und Erprobung der entwickelten Zertifikatskurse werden u.a. bei Kongressen und Tagungen wie dem AAL-Kongress am 22. Januar 2014 in Berlin vorgetragen und erscheinen gesammelt in einem Abschlussbericht, der voraussichtlich im September 2014 veröffentlicht wird.  Wir arbeiten konsequent an der Optimierung unserer Bildungsangebote und freuen uns über jeden Hinweis der dazu beiträgt.

 

In 2013 fanden bereits drei Zertifikatslehrgänge erstmalig kostenfrei und berufsbegleitend am Wochenende in Rostock statt.

Welche Inhalte hatten diese Angebote und wer war an der Konzeption beteiligt?

Im Jahr 2013 wurden die jeweils dreimonatigen Kurse „Einführung in AAL“, „Ethik und Recht im Bereich AAL“ sowie „Beratung und Kommunikation im Bereich AAL“ an der Universität Rostock angeboten. Die Teilnehmenden haben technische Assistenzsysteme kennengelernt und von Forschern erfahren, an welchen Systemen derzeit gearbeitet wird. Sie haben mit Ethikern und Juristen offene Fragen diskutiert und mit Psychologen überlegt, wie eine gute Beratung zu AAL gelingen kann. Die Kursinhalte wurden mit den BAAL-Zielgruppen gemeinsam entwickelt. Den Grundstein dafür legte ein ganztägiger Workshop im Sommer 2012, in dem die Dozenten erste Inhalte vorgestellt und dann gemeinsam mit Teilnehmenden aus dem Gesundheitswesen überlegt haben, welche Inhalte mit welchen Methoden in den Kursen vermittelt werden sollten. Die Projektmitarbeiterinnen haben die Dozenten durch vorbereitende Zielgruppenanalysen, organisatorisch-didaktische Begleitung und fundierte Evaluation der Kurse unterstützt.

 

Wie war die Resonanz? Konnten die TeilnehmerInnen sich an der weiteren Planung des Angebots beteiligen?

Die Resonanz der Teilnehmenden auf die BAAL-Kurse war bislang überaus positiv. AAL ist ein Themenfeld mit viel Diskussions- und Handlungsbedarf. Bei der Erprobung der Kurse wurde deutlich, wie ausgeprägt das Interesse an interdisziplinärem Austausch und praxisorientierten Lösungen in diesem Bereich ist. Die Impulse aus den Seminaren und den anschließenden Interviews mit den Teilnehmenden waren der Grundstein für die Weiterentwicklung und Optimierung des Kursangebots. Wir haben von unseren Teilnehmenden gelernt, wie eine gute berufsbegleitende Weiterbildung zu AAL gestaltet sein sollte. Ihr Feedback ist für uns überaus wertvoll und landet nicht in der Schublade, sondern fließt direkt in die weitere Kurzkonzeption ein.

 

Aus welchen Bereichen kamen die TeilnehmerInnen und welche Motivation stand im Vordergrund?

In den BAAL-Kursen haben Altenpflegerinnen und Pflegewissenschaftler, Juristen und Beschäftigte im Bauwesen, Gerontologen und Pflegepädagogen gemeinsam Konzepte für den Einsatz von AAL-Systemen in der Praxis entwickelt. Die Teilnehmenden wollten AAL-Systeme kennenlernen und selbst ausprobieren. Sie wollten im Anschluss an den Kurs bewerten können, in welchem Umfeld und für welche Aufgaben Assistenzsysteme einsetzbar sind, wie diese zu finanziert werden können und welche rechtlichen und ethischen Fragen zu berücksichtigen sind.

 

Gibt es bereits erste Ergebnisse zur Evaluation der stattgefundenen Lehrgänge?

Durch den intensiven Austausch von Teilnehmenden, Dozenten und Bildungsplanern haben wir nach der Erprobung eine bessere Vorstellung davon, mit welchen Erwartungen Menschen in einen AAL-Kurs kommen und können diese bei der Optimierung der Kurse berücksichtigten.

So erwarten beispielsweise Altenpflegerinnen eine praxisnahe Weiterbildung, die sie mit den wesentlichen Technologien und deren Bedienung vertraut macht. Sie wollen verfügbare Systeme ausprobieren.

Teilnehmende aus der Führungsebene von Pflegeorganisationen erwarten von einer AAL-Weiterbildung einen konkreten Nutzen für ihre Einrichtung. Sie wollen von guten Beispielen lernen, den Einsatz von AAL für ihre Einrichtung ethisch und rechtlich absichern und Konzepte für die Implementierung von AAL in ihren Einrichtungen entwickeln. 

Unabhängig von ihren beruflichen Tätigkeitsfeldern wollen die Teilnehmenden reflektieren, was derzeit im Themenfeld AAL möglich ist und eine fundierte Vorstellung davon entwickeln, welche technischen und sozialen Unterstützungssysteme zukünftig gebraucht.

 

Auf Ihrer Internetseite http://www.weiterbildung.uni-rostock.de/zertifikatskurse/ambient-assisted-living/  sind für 2014 wieder die Kurse „Einführung in AAL“ und „Ethik und Recht im Bereich AAL“ ausgeschrieben. Sie sind im Rahmen des Projektes BAAL erneut kostenfrei für interessierte TeilnehmerInnen.

Welche Kompetenzen bzw. welcher berufliche Hintergrund ist von Vorteil, um von diesem Angebot partizipieren zu können?

Zu den Zertifikatskursen sind Interessierte aus allen Berufsfeldern eingeladen. Die Seminare sind immer interdisziplinär ausgerichtet. Die in den Seminaren eingesetzten Methoden fördern den Ideenaustausch zwischen unterschiedlichen Berufsgruppen. Bei der Konzeption der Kurse lag das Augenmerk zunächst auf den Bildungsbedarfen von Beschäftigten im Gesundheitswesen sowie von Personen, die AAL-Systeme entwickeln oder einbauen. Ein Eingrenzen der Teilnehmenden auf diese Zielgruppen ist jedoch wenig sinnvoll, da AAL ein Thema ist, dass auf breiter gesellschaftlicher Ebene diskutiert werden sollte.

 

Wer profitiert von dem neuen Wissen über intelligente Assistenzsysteme?

Jeder, der sich Gedanken darüber machen möchte, wie Menschen mit Einschränkungen aufgrund von Alter oder Krankheit selbstbestimmt leben  und unterstützt werden können, profitiert von Bildungsangeboten zu AAL. Jeder der Konzepte entwickeln möchte, um Strukturen und Organisationen „demografiefest“ zu machen möchte, sollte über Potenzial und Grenzen technischer Assistenzsysteme informiert sein.

 

Welchen Mehrwert erhält man bei erfolgreicher Teilnahme?

Die Teilnehmenden erhalten bei erfolgreicher Teilnahme ein Zertifikat der Universität Rostock, beim Abschluss der drei Kurse ein Zeugnis. Von unseren Teilnehmenden wissen wir, dass der Austausch mit anderen AAL-Interessierten besonders wertvoll ist. Gelobt wurden auch die Gutachten der Dozenten zur Bewertung der abschließenden Hausarbeiten. In diesen Hausarbeiten haben die Teilnehmenden umfassende Konzepte zum Einsatz von AAL entwickelt, die durch den fachlichen Austausch mit den Dozenten verfeinert wurden.

Sind  noch Kapazitäten für den ersten Kurs ab 1.2.2014 - 30.4.2014 frei?

Um in den Kursen gut und intensiv arbeiten zu können, ist die Teilnehmerzahl jeweils auf 15 begrenzt. Für beide Kurse können derzeit noch Anmeldungen angenommen werden.

 

Die Universität Rostock wirbt mit dem Slogan "Studieren am Meer". Das ist auf jeden Fall ein großer Pluspunkt und sehr angenehm für Menschen, die sich berufsbegleitend fortbilden möchten.

Frau Schuldt, welche Argumente für die Entscheidung zu einem  Zertifikatslehrgang zum Thema AAL könnten Sie Interessenten noch nennen?

Die Ostsee, die Promenade von Warnemünde und die historische Altstadt von Rostock sind natürlich immer eine Reise wert. Wer sich für eine Weiterbildung an der Universität Rostock entscheidet darf neben der guten Qualität der Lehre darüber hinaus sicher sein, dass das Team der Wissenschaftlichen Weiterbildung ein echtes Interesse am Austausch mit den Teilnehmenden hat, um passende Kurse mit Aha-Effekt anbieten zu können, die sowohl zur beruflichen als auch persönlichen Entwicklung Impulse geben.

Danke für das Interview, liebe Frau Schuldt, und weiterhin viel Koordinations- und Innovationskraft für das Projekt BAAL.

 

 


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