Durch hohe Bau- und Energiekosten, Fachkräftemangel und Sanierungsbedarf steht die Pflegewohnbranche stark unter Druck. Gleichzeitig entstehen Lösungen: Innovative Wohn- und Pflegekonzepte, modulare Bauweisen und gemeinschaftliche Modelle verbinden Lebensqualität, Effizienz und Nachhaltigkeit. Im Fokus stehen zukunftsfähige Strukturen, die Versorgung sichern und Investitionen stabilisieren. Betreiber:innen, Investor:innen und Entwickler:innen treiben diesen Wandel aktiv voran. Am 19.03.2026 trafen sie in der Berliner Macherei aufeinander.
Auf dem Jahreskongress „Wohnen und Pflege im Alter” der Heuer Dialog GmbH ging es nach einem Auftakt-Abend am 18.03.2026 in der Berliner Seniorenresidenz Tertianum, am 19.03.2026 schließlich inhaltlich ans Eingemachte. Dafür versammelte sich ein interessiertes Fachpublikum am Halleschen Ufer in der Macherei in Berlin-Kreuzberg.
Der Kongresstag: Auftakt
Der Jahreskongress „Wohnen und Pflege im Alter“ begann mit einem Check-in und Begrüßungskaffee, gefolgt von einer offiziellen Begrüßung durch die Veranstalterin Yvonne Traxel, die den Rahmen für die Veranstaltung und deren inhaltliche Ausrichtung setzte.

Yvonne Traxel, seit über zehn Jahren Senior Projektleiterin bei der Heuer Dialog GmbH, © Copyright 2026 Heuer Dialog GmbH
Im ersten Fachvortrag präsentierte Jan-Bastian Knod die aktuellen „Facts&Figures“ zu betreutem Wohnen und Pflegeeinrichtungen. Dr. Ulrich Krantz folgte mit einem Vortrag, in dem er darlegte, warum ein mittelständischer Betreiber trotz der Marktunsicherheiten positiv in die Zukunft blickt. Im Panel „Investments zwischen Konkurs und Renditechancen“ diskutierten Peter Finkbeiner, Markus Bienentreu, Bernd Rothe und Daniel Wolf unter der Moderation von Anke Pipke die gegenwärtige Investitionslandschaft. Themen waren der Mangel an Neubauten und die Frage nach den Kapitalströmen.
Best-Practice-Wohnmodell: Affordable Longevity (URBANSKY ARCHITEKTEN)
Nach einer Business- und Kommunikationspause präsentierten Sebastian Brüning und Malte Schröder (URBANSKY ARCHITEKTEN) das Best-Practice-Wohnmodell „Affordable Longevity“, das alternative Ansätze für seniorengerechtes Wohnen vorstellt. Dieses Thema ist vor allem mit Blick auf den Themen-April hier auf CareTRIALOG.de interessant, da der Monat ganz im Zeichen des Themenkomplexes Wohnraumgestaltung und Healing Architecture steht.
Die beiden Redner, Brüning und Schröder, betonten, dass Senior Living zunehmend an Relevanz gewinne, da sich die Altersstruktur in Deutschland deutlich verschiebt: Im Jahr 2024 machten Menschen ab 65 Jahren 18,4 Millionen der Bevölkerung aus, was 22 Prozent entspricht. Bis 2030 steigt ihr Anteil auf 21 M2illionen, was 25 Prozent entspricht. Im Jahr 2040 werden voraussichtlich 28 Millionen Menschen über 65 Jahre in Deutschland leben, was 31 Prozent der Bevölkerung entspricht. Klar ist: Mit dieser Entwicklung wird auch die Nachfrage nach Wohnkonzepten wachsen, die Komfort, Sicherheit und soziale Teilhabe kombinieren und älteren Menschen ein selbstbestimmtes bzw. selbstbestimmteres Leben ermöglichen.
Ein anschauliches Beispiel für zeitgemäßes Senior Living ist das Projekt „JARDIN HERMSDORF“ der URBANSKY ARCHITEKTEN. Zum Projekt: Auf einem Grundstück von 2.439 m² entstehen 3.200 m² Wohnfläche, die vollständig barrierefrei gestaltet ist. Die Preise beginnen bei 5.950 Euro pro Quadratmeter, eine Tiefgarage mit 24 Stellplätzen bietet zusätzlichen Komfort. Das Wohnangebot umfasst 20 Zwei-Zimmer-Apartments, 21 Drei-Zimmer-Apartments und zwei Vier-Zimmer-Apartments mit Wohnflächen zwischen 50 und 120 m².
Neben den privaten Wohnungen gibt es umfangreiche Gemeinschaftsflächen wie ein Community-Wohnzimmer, eine Gästewohnung, eine Werkstatt, einen Waschsalon sowie großzügige Terrassen. Das Community-Konzept setzt auf Urban Gardening, auf ein Mobilitätskonzept inklusive Car Sharing, eine Sauna, Dachterrasse, BBQ-Bereich und ein Boulefeld. Innen fördern zudem Gemeinschaftsangebote wie Co-Working- und Kochbereiche, ein Community Management sowie eine entsprechende App die Vernetzung und die Selbstbestimmung der Bewohner:innen.
JARDIN HERMSDORF demonstriert, wie Senior Living über die reine Wohnfunktion hinausgehen und Lebensqualität im Alter systematisch erhöht werden kann, indem soziale Vernetzung, Mobilität, Gesundheit und Freizeitangebote in einem integrierten Konzept zusammengeführt werden.
Im Anschluss an die Präsentation zum Thema „Affordable Longevity“ von Sebastian Brüning und Malte Schröder zeigte Dennis Pfeffer Möglichkeiten auf, Pflegewohnungen durch Nachverdichtung in bestehenden Gebäuden zu schaffen.
In der Gesprächsrunde „Bungalow-, Campuswohnen, oder was? Die Zukunft liegt im Quartier“ erörterten Stanley Fuls, Felix von Braun und Lutz Rothstein anschließend gemeinsam mit Jörn Pötting die Herausforderungen zwischen privatwirtschaftlicher und öffentlicher Versorgung, Quartiersgestaltung in der dritten Lebensphase sowie Finanzierungs- und Modellfragen. – Ein organisiertes „Speed-Dating“ ermöglichte den Teilnehmenden danach ein gezieltes Networking, bevor es für alle zur Stärkung zum gemeinsamen Mittagessen ging.
Der Kongresstag: zweite Hälfte
Der Nachmittag begann mit einem Vortrag von Dr. Damian Tigges zur aktuellen Rechtslage bei der Umnutzung von Gewerbeimmobilien in Pflegewohnformen, Jan Garde stellte im Anschluss die Revitalisierung eines denkmalgeschützten Altbaus vor, der als außergewöhnliches Projekt den Umbau und die Nutzung historischer Bausubstanz demonstrierte.
Roland Werft analysierte die Situation von Pflegeheim-Portfolios und diskutierte Strategien zwischen Rettung, Renovierung oder radikaler Neuausrichtung, um wirtschaftliche Tragfähigkeit und Nutzerbedürfnisse zu verbinden.
Nach einer weiteren Business- und Kommunikationspause präsentierte Anja Mandelkow das Baukastenprinzip für betreutes Wohnen. Das Konzept ermöglicht eine sparsame Flächennutzung und Kostenreduktion bei gleichzeitiger Flexibilität und Effizienz in der Anwendung.
Das abschließende Panel „Vom Servicewohnen bis zur Pflege-WG – (innovative) Wohnformen mit Zukunft“ behandelte verschiedene Wohnformen: Mehrgenerationenwohnen, Senioren-WGs, Pflegebauernhöfe und Residenzwohnen. Amelie Drews, Carina Krey, Stephan Hüssen und Petra Zugmann diskutierten unter Moderation von Claudia Mattheis die Praxistauglichkeit, Innovationspotenziale, Standortabhängigkeit und Skalierbarkeit der Modelle.

v. l. n. r. Stephan Hüssen, Amelie Drews, Petra Zugmann, Carina Krey und Moderatorin Claudia Mattheis, © Copyright 2026 Heuer Dialog GmbH
Interessierte finden hier weitere Informationen zur Veranstaltung und Kontaktinformationen vom Veranstalter, Heuer Dialog GmbH: www.heuer-dialog.de/veranstaltungen/11690/jahreskongress-wohnen-und-pflege-im-alter
„Dieses Jahr bin ich regelrecht geflasht von dem „Jahreskongress Wohnen und Pflege im Alter“ aus Berlin zurückgekehrt. So viele tolle Eindrücke und Erlebnisse nehme ich mit nach Hause.“
Yvonne Traxel, Senior Projektleiterin bei Heuer Dialog GmbH
Was ich mitnehme:
- Im Pflegewohnmarkt ist eine gewisse Markt- und Renditestabilität eingekehrt. Seniorenimmobilien werden von Investoren zunehmend stärker wahrgenommen.
- Gleichzeitig zeigt sich, dass sich der unregulierte Markt „Senior Living“ noch in einer frühen Phase befindet – vieles wird aktuell noch erprobt und entwickelt.
- Dem gegenüber steht der regulierte Pflegemarkt, der sich spürbar im strukturellen Stress befindet und unter erheblichem Modernisierungsdruck steht.
- Besonders spannend fand ich die vorgestellen Ideen und Projekte, die auf eine gute Durchmischung im Objekt und Quartier abzielen, Inklusion berücksichtigen und den Gesundheitstrend Longevity verinnerlicht haben.
- Was ebenfalls deutlich wurde: Der Markt ist extrem kleinteilig und lässt sich nicht pauschal bewerten. Gleichzeitig gibt es eine Vielzahl innovativer Wohnmodelle und engagierter Akteure, die Bedarfe vor Ort erkannt haben und nun daran arbeiten, ihre Ideen zu skalieren.
„Ein riesengroßes Dankeschön an die DPF Group für den herausragenden Auftaktabend!!! Die Führung durch die Tertianum Residenz, die inspirierende Keynote des Futurologen Max Thinius sowie das anschließende Get-Together in der Brasserie Colette von Tim Raue mit sensationellem Fingerfood haben den perfekten Rahmen geschaffen. Der Dank geht auch an alle Speaker, Partner und Teilnehmende, die den Kongress zu dem gemacht haben, was er war: rundherum gelungen! Wir freuen uns jetzt schon auf nächstes Jahr.“
Yvonne Traxel, Senior Projektleiterin bei Heuer Dialog GmbH
Titelbild: © Copyright 2026 Heuer Dialog GmbH
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Waren Sie auf dem Kongress? Welches Fazit ziehen Sie? Welche Erkenntnisse hatten Sie? Welche Themen würden Sie gern vertiefen? Wir sind gespannt auf und offen für Ihre Kommentare und E-Mails an die Autorin des Artikels via info@carolinmakus.de sowie an die Redaktion von CareTRIALOG.de via: info@caretrialog.de.
