Die neue DIN SPEC 33454 erhöht die Qualität in der häuslichen Betreuung und schafft mehr Transparenz für Verbraucher.

Etwa 4,1 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig – die meisten von ihnen wünschen sich solange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Zuhause. Viele Angehörige können die dafür notwendige Betreuung jedoch nicht leisten. Möglich wird sie deshalb meistens durch derzeit rund 600.000 Betreuungskräfte aus dem Ausland, insbesondere aus Osteuropa. Zur Vermittlung dieses Personals ist jetzt erstmals ein DIN-Standard erschienen: Die DIN SPEC 33454 „Betreuung unterstützungsbedürftiger Menschen durch im Haushalt wohnende Betreuungskräfte aus dem Ausland – Anforderungen an Vermittler, Dienstleistungserbringer und Betreuungskräfte“. Sie soll die Qualität der Betreuung erhöhen und mehr Transparenz für betreuungsbedürftige Menschen und ihre Angehörigen schaffen.

Kritik an „24-Stunden-Betreuung“


„Der Markt für ausländische Betreuungskräfte ist durch erhebliche Qualitätsunterschiede, mangelnde Transparenz und schwierige Arbeitsbedingungen gekennzeichnet.“

Natalie Tang, DIN-Verbraucherrat

Die Versorgungsform „Betreuung im häuslichen Umfeld“, umgangssprachlich auch als „24-Stunden-Betreuung“ bezeichnet, gerät immer wieder in die Kritik. Die Arbeitskräfte würden menschenunwürdig behandelt und häufig schwarz beschäftigt, die betreuungsbedürftigen Menschen seien dem Risiko unkundiger Betreuung und Behandlungen sowie teils gar Misshandlungen ausgesetzt. Genau hier setzt die DIN SPEC 33454 an: Der Standard beschreibt Anforderungen und Handlungsempfehlungen, die den Marktteilnehmern Orientierung bieten sollen. So definiert er das Verhältnis zwischen Vermittlungsagenturen und deren Kooperationspartnern im Ausland und fordert sie auf, Qualitätsstandards zu setzen, die sich positiv auf die Betreuung auswirken können, etwa durch Qualifikationsanforderungen für die Betreuungskräfte. Gleichzeitig wird aufgezeigt, welche Rahmenbedingungen von den Kunden zu beachten sind – beispielsweise wie sie die Wohn- und Arbeitssituation für die Betreuungskräfte gestalten sollten.

„Für die Verbraucherseite ist das ein wichtiger Schritt hin zu einer besseren Versorgungsqualität, zu mehr Transparenz für die Verbraucher und zu faireren Arbeitsbedingungen.“

Natalie Tang

Engagierte Zusammenarbeit
Die DIN SPEC 33454 entstand als von DIN gefördertes DIN-Connect-Projekt und wurde in zahlreichen Workshops durch ein temporäres Konsortium erarbeitet. Verbraucherschützer, Angehörigen- und Betroffenenvertreter, Pflegewissenschaftler, Juristen und qualitätsorientierte Anbieter waren Teil des in interdisziplinären Expertengremiums. Eineinhalb Jahre diskutierten sie intensiv und kontrovers und holten unterschiedliche Ansichten und Meinungen ein, auch von verschiedenen Gastteilnehmern, wie Verbänden aus dem Ausland, die sich mit der Thematik beschäftigen. Alle Konsortiumsmitglieder stimmten der Veröffentlichung des Standards einstimmig zu.

„Der große Mehrwert des Dokuments ist nicht zuletzt auch der engagierten Mitarbeit von Verbraucherschutzvertreterinnen sowie der Angehörigen- und der Betroffenenvertretung zu verdanken. Aus Verbrauchersicht legt die DIN SPEC 33454 zum ersten Mal Rahmenbedingungen fest, die betreuungsbedürftigen Menschen, ihren Angehörigen und den Betreuungskräften Orientierung bieten. Der Standard setzt so einen wichtigen Impuls für die weitere Verbesserung der rechtlichen und sozialen Ausgewogenheit in der häuslichen Betreuung.“

Natalie Tang

Die DIN SPEC 33454 steht ab sofort kostenlos auf der Seite des Beuth Verlags zur Verfügung.

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