Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) sieht zur übergeordneten Erfolgskontrolle, aber auch als Grundlage für Investitionsentscheidungen innerhalb der einzelnen Krankenhäuser, eine zeitnahe Erhebung des digitalen Reifegrads aller Kliniken in Deutschland vor. Unter Leitung der GMDS formiert sich hierzu das Konsortium „Digitale Zukunft Krankenhaus“, das neben ausgewählten akademischen Partnern auch Anwendergruppen, Nutzergruppen, IT-Entscheiderinnen und Entscheider sowie Patienten- und Herstellervertretungen mit einbezieht.
Entsprechend der Vorgaben des KHZG empfiehlt das neu gegründete Konsortium ein Messinstrument, das die Stärken bestehender Ansätze berücksichtigt und mehr als nur die technologische Verfügbarkeit erfasst. Dazu wird ein Evaluationsinstrument entwickelt, das neben dem Digitalisierungsgrad auch den Effekt auf die Versorgungssituation aufzeigt und die Besonderheiten der deutschen Krankenhauslandschaft berücksichtigt. Weitere Stärken des neuen Reifegradmodells sind u. a. die internationale Vergleichbarkeit, die Einbeziehung aller relevanten Interessengruppen sowie eine adaptive Ausgestaltung.

„Die Verabschiedung des KHZG bietet enorme Chancen für die Digitalisierung des deutschen Krankenhauswesens und somit auch für mehr Sicherheit, Vernetzung und Innovationsfähigkeit in der Gesundheitsversorgung. Die im Gesetz vorgesehene Evaluation des Reifegrades legt den Grundstein für die strategische und nachhaltige Steuerung der Digitalisierung der Krankenhauslandschaft. Für eine zielführende Reifegradmessung bedarf es jedoch des effektiven Zusammenspiels von wissenschaftlicher Expertise und praxisnaher Umsetzungsstärke. Dieser Leitgedanke prägt den Aufbau unseres Konsortiums.“ erklärt Dr. Jan-David Liebe (Hochschule Osnabrück), der die Aufstellung des Konsortiums nach Bekanntgabe des KHZG vorangetrieben hat. „Auf der einen Seite wird für die geplante Reifegradmessung ein valides, transparentes und praxisrelevantes Instrument benötigt. Gleichzeitig sind die Anforderungen an die Modellentwicklung und Reifegraderfassung nur eine Seite der Medaille. Der Zweck der Erhebung ist es ja, Optimierungspotenziale zu erkennen, Handlungsempfehlungen zu entwickeln und transformierende Maßnahmen abzuleiten. Aus diesem Grund braucht es neben wissenschaftlicher Expertise in der Analyse des digitalen Reifegrades Umsetzungspartner, die sich durch Praxisnähe und Handlungsstärke auszeichnen und die über langjährige Erfahrungen mit der Gestaltung von Innovationsprozessen im Gesundheitswesen verfügen“, begründet Liebe die Auswahl der aktuellen Konsortialpartner.

Warum die GMDS und die GMDS-GI-Arbeitsgruppe mwmKIS („Methoden und Werkzeuge für das Management von Krankenhausinformationssystemen“) das Konsortium anführen, erläutert Franziska Jahn (Universität Leipzig): „Seit über zehn Jahren setzen wir uns mit dem Thema digitale Reifegradmessung in Krankenhäusern im deutschen und internationalen Kontext auseinander. Im Austausch mit Praktikern, Wissenschaftlern und Entwicklern von Reifegradmodellen konnten wir so einen umfassenden Anforderungskatalog für ein deutsches Krankenhaus-Reifegradmodell erarbeiten. Eine Zusammenfassung dieses Katalogs haben wir nach Bekanntgabe des KHZG als GMDS-Stellungnahme veröffentlicht.“
Prof. Dr. Alfred Winter, Präsident der GMDS und Professor für Medizinische Informatik an der Universität Leipzig fügt an: “Mit diesem Konsortium holt die GMDS alle relevanten Stakeholder an einen Tisch. In Struktur und Beteiligung setzen wir auf ein großes Netzwerk etablierter Akteure. Auf der einen Seite sorgen wir durch die beteiligten Hochschulen und Universitäten für eine solide wissenschaftliche Basis des Reifegradmodells. Auf der anderen Seite helfen die Partner aus Industrie und Praxis dabei, zeitnah ein sowohl praxis- als auch prozessorientiertes System der Reifegradmessung „Made in Germany“ zu entwickeln. Dabei verfolgen wir eine möglichst realitätsnahe Datenerfassung in allen von der Digitalisierung betroffenen Bereichen der Krankenhäuser. Wir werden eben nicht nur die IT-Experten und das Management befragen, sondern auch die Anwender, also sowohl die Ärztinnen und Ärzte, die Pflegerinnen und Pfleger als auch die Patientinnen und Patienten.”

”Auch wenn die Ausschreibung noch nicht veröffentlicht wurde, steht für uns jetzt schon fest, dass eine flächendeckende Erhebung zum ersten Mal eine wissenschaftliche Basis für die Digitalisierungsstrategien der Krankenhäuser ermöglicht. Gesundheitsversorgung ist ein ganzheitlicher, kooperativer Prozess, der sich auch nur als solcher erheben lässt. Die Vorteile unseres Erhebungsmodells, das haben wir bereits in der Zusammenarbeit mit dem Marburger Bund gezeigt, liegen zum einen im ganzheitlich-systemischen Blick auf die Versorgungs-prozesse sowie in der Einbeziehung aller an ihm beteiligten Personen. Umso mehr freuen wir uns über die ausgewogene Beteiligung im Beirat, der die Expertise aus den Kliniken, den Verbänden, Patientenvertretungen und zentraler europäischer und internationaler Akteure abbildet.”

Prof. Dr. Ursula Hübner, Leitung der Forschungsgruppe Informatik im Gesundheitswesen an der Hochschule Osnabrück
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