Seit letzter Woche wissen wir, welche Personengruppen bei der Corona-Impfung Vorrang haben werden. Priorität sollen Kranke, Pflegebedürftige und alte Menschen mit Vorerkrankungen haben. Mit Hochdruck wird an Großimpfzentren gearbeitet, wo in Impfstraßen eine Vielzahl von Menschen geimpft werden sollen. Für die Zielgruppen, die in Pflegeheimen wohnen oder zuhause von Angehörigen oder Pflegediensten versorgt werden, kommt ein Besuch der Großimpfzentren aber gar nicht in Frage und ist in der Detailplanung der Zentren auch nicht möglich.

Laut Planungen der Kassenärztlichen Vereinigungen dürfen keine Begleitpersonen in die Impfzentren mitkommen. Damit können pflege- und unterstützungsbedürftige Personen gar nicht in den Impfzentren geimpft werden. Die Ruhrgebietskonferenz-Pflege fordert daher ein zeitnahes Umdenken bei der Corona-Impfstrategie.

„Wir schlagen die zeitnahe Einbeziehung der stationären Einrichtungen und ambulanten Pflegedienste in die Impfstrategie der Länder und Kommunen vor. Pflegeheime könnten dezentrale Impfzentren werden und ambulante Dienste können bei der Organisation von Impftouren vor Ort eingebunden werden.“

Thomas Eisenreich, Home Instead und Sprecher der Ruhrgebietskonferenz-Pflege

Arbeitsort sollte Impfort sein

Auch die Impfung der Kranken- und Pflegekräfte sollte am Arbeitsort erfolgen. Mitarbeitende der ambulanten Pflegedienste sollten ebenso in benachbarten Pflegeheimen geimpft werden. Denn: für die Impfung in einem Impfzentrum sind je Pflegekraft inklusive Wege und Wartezeiten bis zu drei Stunden zu veranschlagen.

„Diese Zeit fehlt dann für die Versorgung in der ambulanten und (teil)stationären Pflege. Bei einer insgesamt angespannten Ausstattung mit Pflegekräften, die auch mit den laufenden Tests in den Einrichtungen gefordert sind, ist diese zeitliche Beanspruchung nicht zu verantworten.“ 

Thomas Eisenreich

Ulrich Christofczik, ebenfalls Sprecher der Ruhrgebietskonferenz-Pflege und Vorstand des Evangelischen Christophoruswerkes in Duisburg ergänzt dazu: „Wir haben hier im Christophoruswerk über 1000 Beschäftigte, die in direktem Kontakt mit den Bewohnern sind. Die müssen wir doch nicht zur Impfung in eine Halle oder ein Stadion schicken. Das kann in den Einrichtungen zeitgleich mit der Versorgung der Bewohner erfolgen. Die zentrale Impfung würde rund 3000 Personalstunden bedeuten. Umgerechnet sind das 75 fehlende Vollzeitkräften in der Woche.“

Reibungsverluste minimieren

Die Pflegeeinrichtungen und -dienste wurden im Rahmen der Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten immer wieder sehr kurzfristig mit gesetzlichen und organisatorischen Vorgaben konfrontiert. „Wir haben gelernt, die Abläufe und Strukturen in unseren Einrichtungen schnell auf sich ändernde Rahmenbedingungen anzupassen. Im Hinblick auf die anstehenden Impfungen der besonderes vulnerablen Personengruppen in unserem Land und der Mitarbeitenden in den Pflegeeinrichtungen und -diensten meinen wir, dass eine frühzeitige Einbindung der Träger und Einrichtungen in die strategischen Überlegungen zur Impfung und in die Gestaltung von Organisationsprozessen Reibungsverluste weitestgehend minimieren können“, unterstreicht Silke Gerling vom Diakoniewerk Essen das Angebot der Pflegeträger.

Einbindung in Krisenstäbe und Impfzentren


Die Einrichtungen und Dienste der Pflege können in vielfältiger Weise zu einer erfolgreichen Umsetzung der geplanten Impfungen beitragen. So könnten Pflegekräfte eng in die Arbeit der Krisenstäbe und Impfzentren eingebunden werden, um pragmatische einrichtungsindividuelle Umsetzungsstrategien zur erarbeiten und frühzeitig Absprachen zur Arbeitsteilung mit den mobilen Impfteams zur Vermeidung von Doppelanfragen zu treffen. Auch bei der Aufklärung zu den Impfstoffen und den geplanten Abläufen können Pflegeeinrichtungen einen wichtigen Beitrag leisten. Thomas Eisenreich appelliert an die Verantwortlichen: „Wenn die Verantwortlichen schnell und umfänglich die besonders zu schützenden Menschen erreichen wollen, sollten sie sich mit uns aus der Pflege und Betreuung zusammensetzen“

Wichtig ist die zeitnahe Bereitstellung von fundiertem Informationsmaterial zu den Impfstoffen, den möglichen Nebenwirkungen, der Wirksamkeit der Impfstoffe, etc. um die Nutzerinnen und Nutzer sowie die Mitarbeitenden umfassend informieren zu können.

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