Seit rund 15 Jahren verbindet das „Kunstforum“ im Herz- und Diabeteszentrum NRW Medizin mit Kultur. Dahinter steht die Auffassung, dass eine angenehme Umgebung und der Austausch mit der Kunst den Heilungsprozess unterstützen und die Kommunikation fördern und damit neue Blickwinkel auf Ungewohntes eröffnen – für Patienten, Besucher und Mitarbeiter. Daher präsentiert das Klinikum an der Georgstraße in Bad Oeynhausen regelmäßig anspruchsvolle Ausstellungen zu aktuellen Positionen international anerkannter Künstler ebenso wie von Kunstschaffenden der Region. Ein Rahmenprogramm begleitet die Kunstausstellungen: von der Musikveranstaltung, über Lesungen bis hin zu regelmäßigen Info-Nachmittagen zu Gesundheitsthemen wie „Leben mit Herzschrittmachern“ oder „Leben mit Diabetes – Ein Überblick über Schilddrüsenerkrankungen“. Zu den Veranstaltungen kommen nicht nur Patienten und Angehörige, sondern auch Gäste, Besucher und Interessierte von außen.

Mit seinen Straßenszenen, Landschafts-, Jagd- und Reisebildern gehört der aus Herford stammende Künstler Erik Schmidt (51) zu den wichtigen Malern unserer Zeit, der seine Werkserien immer wieder auch mit aufwendigen Videoprojekten verbindet.

Die Ausstellung „Erik Schmidt – Folge den Markierungen“ markierte in diesem Sommer als ein neues Kapitel den Auftakt einer ganzen Ausstellungsreihe und für das HDZ in seinem langjährigen Engagement für die Kunst.

Es war das erste Gemeinschaftsprojekt im Kunst- und Kulturforum des Herz- und Diabeteszentrums NRW in Bad Oeynhausen in Kooperation mit dem Museum Marta Herford, das die Ausstellungsreihe kuratorisch verantwortet. Rund 30 Werke waren im Rahmen dieser Einzelpräsentation in den öffentlich zugänglichen und einigen Mitarbeiterbereichen im Haus verteilt zu sehen.

Skepsis gegenüber Krankenhaus als Ausstellungsort

„Erik Schmidt ist ein Künstler, der sich in seinem malerischen und filmischen Werk immer wieder mit dem Thema Erkrankung und Heilung im wörtlichen wie im übertragenen Sinne beschäftigt hat,“, sagt Robert Nachtigäller, Kurator der Ausstellung und Direktor Museum Marta Herford: „Seine Bilder ergeben an diesem ungewöhnlichen Ausstellungsort nicht nur besonderen Sinn, sondern sie eröffnen hier auch einen höchst anregenden und erhellenden Dialog.“ Im Zentrum der Ausstellung standen überwiegend Malereien aus drei großen Zyklen. Die von seinem Tokio-Aufenthalt (ab 2016) inspirierten Bilder zeigen vor allem Einzelpersonen wie isoliert aus den Menschenströmen auf der Straße und in den U-Bahnen oder den Blick zum den Himmel in die chaotisch schöne Struktur aus Kabeln, Lampen und Stromkästen der großstädtischen Versorgungseinrichtungen. Die aus seiner Zeit in New York rührenden Werke (ab 2012) wiederum spiegeln die Demonstrationen und Besetzungen der Occupy-Bewegung, in die er eintaucht ohne wirklich Teil von ihr zu sein und damit eine Ästhetik des Spektakels bewusst unterläuft.

In seinen jüngsten Malereien widmet er sich den Straßenzügen und Häusern in Berlin (ab 2018), die sowohl durch ihre Größe als auch durch die raffinierte Kombination aus gedrucktem Foto und pastosem Farbauftrag fesseln. Die kippenden Luftperspektiven auf Straßenschluchten und Wohnblöcke greifen bewusst die Bildproduktion von Drohnenflügen auf.

„Ich gebe zu, dass ich zunächst skeptisch war, als ich für eine Ausstellung in einem Krankenhaus angefragt wurde,“ erzählt Erik Schmidt.

Dann aber habe ihn der professionelle Ansatz etwa im Hinblick auf die kuratorische Arbeit eines Museums überzeugt, in dem er bereits einmal eine Einzelschau hatte. „Letztlich sollte man Patienten nicht schonen, nur weil sie gerade nicht gesund sind“, meint der Künstler, „die Auseinandersetzung mit Kunst sehe ich als Gewinn, sich abseits der persönlichen Situation dem Leben in all seinen Facetten auszusetzen!“

Der studierte Illustrator sorgte bald mit seiner ungewöhnlichen Malerei für Aufmerksamkeit. Alle Gemälde entstehen grundsätzlich nach eigenen Fotografien, die Schmidt in reine Malerei übersetzt oder aber neuerdings auch direkt übermalt. Damit verwebt sich seine Malerei unauflöslich mit dem Fotodruck und lässt Bilder entstehen, bei denen Grundierung, Farbauftrag und ausblutende Ölspuren zu einem neuen Ganzen finden. Seine Werke sind geprägt von einem kräftigen, gestischen Farbauftrag, während sich seine Motive oft erst im Auge des Betrachters zusammenfügen – aus der Nähe stehen eher die einzelnen Farbsetzungen als abstrakte Strukturen im Vordergrund. Neben seiner Malerei hat Schmidt immer auch an Filmprojekten gearbeitet. Die von ihm selbst dargestellten Hauptfiguren sind darin oft auf der Suche nach Sinn und Struktur in einer fremd erscheinenden Alltagswelt.

Auftakt für Zusammenarbeit mit Museum Herford

Die Schau war zugleich der Auftakt einer längerfristig geplanten Zusammenarbeit mit dem Museum Marta Herford. Damit wird das langjährige Engagement des HDZ im Bereich Kunst und Kultur weitergeführt, nachdem der Initiator nicht mehr am Haus tätig war, waren es die Mitarbeiter, die dieses Engagement nachgefragt haben. Viele große Namen haben bereits im  Herz- und Diabeteszentrum NRW ausgestellt. Eine der wohl bekanntesten „Jungen Wilden“, Elvira Bach, präsentierte kraftvolle Frauenbildnisse unter dem Motto „Kinder, Küche und Kunst“. Der Maler Henning Kürschner zeigte Arbeiten, die einen wichtigen Beitrag zur figurativen Malerei unserer Zeit darstellen. Wie unterschiedlich die zeitgenössischen Positionen in der Kunst sein können, demonstrierten die Arbeiten Rudolf Schoofs aus der Sammlung Fritz Walter, der Bilderzyklus „Himmel, Hölle, 1,2,3 – Briefe an Ovid“ von Hans Sieverding und die großformatigen, monochromen Leinwände sowie die Fotoserie „Kairo“ von Bernd Damke.

Neben monografischen Ausstellungen bereicherten Themenausstellungen wie „Auf den Hund gekommen – Von Menschen und Tieren“, Erzählungen über die Dinge des Lebens – Kunst aus Australien, die „Reise(n) ins Herz“ oder von „Barlach bis Baselitz – Aspekte zeitgenössischer Kunst im 20. Jahrhundert“ das Kunstforum. Gemeinsam mit dem Deutschen Märchen- und Wesersagenmuseum, der Volkshochschule und der evangelischen Altstadtgemeinde Bad Oeynhausen wurden in der Ausstellung „Engelhaftes“ künstlerische Positionen zur Ikonographie der Engel und deren Kulturgeschichte präsentiert. In jüngster Zeit waren der Bad Oeynhausener Künstler Bernhard Sprute, Naturbildnisse von Heiner Geisbe, bunte Universen von Henning Rethmeier und farbprächtige Welten Hartmut Neumanns im HDZ NRW zu bewundern. Die nächste Ausstellung ist für Mitte 2020 geplant.

Fotos Copyright: Erik Schmidt


Anzeige


Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.