Mit dem Risiko der Ansteckung sind Beschäftigte im Pflegedienst täglich konfrontiert. Für ihre eigene Gesundheit sowie die der kranken und pflegebedürftigen Personen ist konsequentes hygienisches Arbeiten unverzichtbar. Um mehr über die Praxissicht auf das Thema Hygiene zu erfahren, haben wir mit Frau Marlies Beidenhauser vom BVO Bezirksverband Oldenburg über die Herausforderungen und Notwendigkeiten eines nachhaltigen und effektiven Hygienemanagements in der Pflege gesprochen. Der BVO verwaltet 17 hochqualifizierte Facheinrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen, Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe, Wohnungslosenhilfe sowie Pflegeheime für Senioren. Frau Beidenhauser ist die zentrale Hygienefachkraft und damit Ansprechpartnerin, wenn es um die Hygieneanforderungen im Pflegebereich oder in anderen Bereichen des BVO geht.  

Frau Beidenhauser, wie beurteilen Sie aktuell das Thema Hygiene in der Pflege?

Hygiene ist ein Thema, das immer noch einen sehr viel höheren Stellenwert erfahren müsste. Konsequente Hygiene, besonders Händehygiene, ist die Antwort auf die vielfältigen Verbreitungsmechanismen aller pathogenen Erreger. Um Infektionen zu verhindern, ist es notwendig, bewährte Regeln konsequent umzusetzen. 

Auf welche Schwierigkeiten stoßen Sie bei der Umsetzung von Hygienemaßnahmen?

Die größte Schwierigkeit in der Umsetzung ist die unglaublich hohe Arbeitsbelastung im Pflegealltag. Die Kolleginnen und Kollegen wissen um die hohe Bedeutung der Hygiene und fragen diese nach, da es ihnen Ihnen im Infektionsschutz für sich und die Bewohner um größtmögliche Sicherheit geht. Leider ist die erforderliche Zeit für entsprechende Hygienemaßnahmen nicht immer in den vorgegebenen Zeitabläufen und in der Personalbesetzung vorgesehen. 

Welche grundlegenden Voraussetzungen erleichtern es, Hygienestandards einzuhalten? 

Erste und wichtigste Voraussetzung ist eine dem tatsächlichen Arbeitsaufkommen angepasste Mitarbeiteranzahl. Des Weiteren sind leicht verständliche, für jeden Mitarbeiter gut zugängliche, Hygienestandards unerlässlich.

Regelmäßige Schulungen und Weiterbildungen sowie die Nutzung neuer Technologien sind weitere Voraussetzung für ein funktionierendes Hygienemanagement. 

Frau Beidenhauser, bitte nennen Sie uns ein praktisches Beispiel im Pflegealltag, das hilft, effektiv Hygienestandards umzusetzen?

Ein Beispiel für pflegespezifischen Infektionsschutz ist die geordnete Entsorgung von Fäkalien mit Hilfe der von Steckbeckenspülgeräten. Wir setzen hier auf die der Firma Meiko. Hier sind Materialien und Geräte aufeinander abgestimmt. Die Mitarbeiter werden in der Anwendung an den Fäkalspülen geschult, die Bedienung ist einfach und praxiserprobt. Die Geräte werden regelmäßig geprüft, der AO-Wert – ein Maßstab für die Abtötung von Mikroorganismen in Desinfektionsverfahren mit feuchter Hitze – entspricht den Richtlinien des Robert Koch-Instituts. Der Service ist schnell. Die Erreger werden in den Geräten abgetötet, ohne die Mitarbeiter zu gefährden. Die desinfizierten Pflegegeschirre stehen nach sehr kurzer Zeit wieder zur Verfügung. Unter diesen Voraussetzungen ist das ein geschlossener Kreis und ein entscheidender Baustein der Hygiene in der Pflege.

Was wünschen Sie sich von den Mitarbeitern hinsichtlich der Hygieneanforderungen?

Wichtig ist, dass sich sämtliche Mitarbeiter bewusst sind, dass nur korrekt und konsequent angewandte Hygiene Schutz vor übertragbaren Erkrankungen bietet. Und dass ein solcher Schutz gleichermaßen den Mitarbeitern, deren Angehörigen und natürlich den Pflegebedürftigen zugutekommt zu Gute kommt. Bei der Umsetzung von Hygienemaßnahmen dürfen Zeitmangel oder Routine keine Rolle spielen. Vielmehr muss Hygiene als übergeordnete Aufgabe im Bewusstsein aller Mitarbeiter verankert sein. 

Wo sehen Sie weitere Möglichkeiten auf Führungsebene in Bezug auf die Umsetzung von Hygienemaßnahmen? 

Auch Führungskräfte sollten eine adäquate Hygieneschulung erfahren, die wissenschaftlich auf dem neuesten Stand ist. Eine besondere Rolle spielen auch neue Technologien. Hier sollten auf Führungsebene Investitionen in Hinblick auf ein nachhaltiges Hygienemanagement überdacht werden. Dieses Wissen mit der Unterstützung neuer Technologien muss dann an die nachgeordneten Mitarbeiter durch Schulungen und Weiterbildungen weitergeben werden. Wichtig ist auch, bei neuen Maßnahmen eine Evaluation einzuführen.

Welche Rahmenbedingungen in der Ausbildung würden Sie gerne auf den Weg bringen?

Definitiv sollten die Unterrichtsanteile in dem Fachgebiet Hygiene erhöht werden und dadurch auch eine stärkere Bedeutung in der Ausbildung erfahren. Parallel sollte der Praxisbezug der Hygiene in der Pflege gestärkt werden, mit Schulungen und Einsätzen gefestigt werden und beste Beispiele der Umsetzung vorgestellt werden. Welche praktischen Maßnahmen würden Sie sofort zur Pflicht in der Pflege verankern, wenn Sie die Möglichkeit hätten? Gut sichtbare Indikatoren für die Händehygiene sind meines Erachtens unerlässlich und erste Pflicht.

Die Händehygiene spielt in der Pflege eine entscheidende Rolle und ist relativ einfach umzusetzen.

Häufig wirken hier alltägliche Routine und hohe Arbeitsbelastungen entgegen. Es ist wichtig, auch mit einfachen und kreativen Mitteln das gesamte Personal kontinuierlich auf die Wichtigkeit der Händehygiene hinzuweisen. 

Wie sehen Sie die Zukunft der Hygiene in der Pflege?

Ich sehe die Hygiene in der Zukunft als einen Aspekt unseres Lebens, der noch mehr Beachtung erfahren wird. Hier werden neue Technologien, die praxiserprobte Erleichterungen und Verbesserungen bringen, eine bedeutende Rolle in der Pflege spielen. Ich wünsche mir für die Zukunft eine weitere Verstetigung und Verbesserung der Hygiene als entscheidende präventive Maßnahme in allen Bereichen des Lebens.

Frau Beidenhauser, vielen Dank für das Interview!

Weitere Information: https://bvo.de/


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