Weil das „Thema Pflege“ im Bundestagswahlkampf überhaupt keine Rolle spielt, haben Pflegearbeitgeber aus dem Ruhrgebiet jetzt einen eigenen Wahlaufruf gestartet. „Selbst im Wahl-O-Mat taucht die Pflege als Auswahlkriterium nicht auf. Das zeigt einmal mehr, wie sehr der demografische Wandel in diesem Land unterschätzt wird und die Aufwertung der Pflege schon wieder von der politischen Landkarte verschwunden ist“, umschreibt Ulrich Christofczik, Vorstand des Christophoruswerkes in Duisburg und Sprecher der Arbeitgeberinitiative die Motivation für das knapp vierminütige Video, mit dem die Ruhrgebietskonferenz-Pflege auf pflegepolitische Forderungen aus den eigenen Reihen hinweisen will.  

Für den Wahlaufruf wurden Entscheider, Mitarbeitende und Bewohner nach ihren Erwartungen an die Parteien gefragt. Es geht den Arbeitgebern also nicht um die Empfehlung für die eine oder andere Partei, sondern um die Anforderungen an eine zukünftige Politik für die Pflege.

„Pflegekräfte sind keine Söldner!“

Das Spektrum der „Empfehlungen“ ist breit. „Pflege wählt die Partei, für die Pflegekräfte nicht nur während der Pandemie Pflegehelden sind“, formuliert beispielsweise Rainer Knubben von der Caritas aus Gladbeck. Theresa Nowak von der Diakonie in Recklinghausen fordert die Parteien auf, „…die Bürokratie auf das Allernötigste zu reduzieren, damit sich die Mitarbeiter auf das Allerwichtigste, die Versorgung der Bewohner, konzentrieren können!“.  Bodo de Vries, Geschäftsführer des Johanneswerkes wählt die Partei, die „…endlich Schluss macht mit der pflegebedingten Altersarmut.“ Kerstin Schönlau von der Diakonie in Gladbeck, Bottrop und Dorsten wählt die Partei, „…die es ernst meint mit der Gewinnung neuer Interessenten für die Pflege.“ Für Justus Behmenburg zeigt sich, dass Pflegekräfte keine Söldner sind, die nur dem Geld hinterherlaufen. Der Geschäftsführer des privaten ambulanten Dienstes „Pflege Behmenburg“ aus Mülheim a. d. Ruhr wählt daher die Partei, „…die nicht bei der Tarifpflicht stehen bleibt, sondern sich auch um nachhaltige Strukturen in den Pflegediensten kümmert!“ 

Demografischer Wandel für die Gesellschaft so bedrohlich wie der Klimawandel

Mit dieser Aktion in der letzten Woche vor dem Urnengang wollen die Arbeitgeber der Ruhrgebietskonferenz-Pflege möglichst viele Menschen sensibilisieren und motivieren, sich mit den Wahlprogrammen der Parteien noch einmal kritisch auseinanderzusetzen. „Wir können nicht nachvollziehen, warum das Thema Pflege im aktuellen Wahlkampf überhaupt nicht vorkommt. Dabei ist der demografische Wandel für unsere Gesellschaft genauso eine Herausforderung wie der Klimawandel“, beschreibt Silke Gerling vom Diakoniewerk Essen und eine von drei Sprecher*innen der Ruhrgebietskonferenz-Pflege den Anlass für den Wahlaufruf, den man sich auf den Social-Media-Kanälen der Arbeitgeberinitiative in voller Länge ansehen kann. Für Roland Weigel, Koordinator der Ruhrgebietskonferenz Pflege ist „…die nächste Bundesregierung die letzte, die den drohenden Pflegenotstand mit langfristigen Konzepten noch verhindern kann.“

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