Dieter Bednarz, Jahrgang 1956, ist Autor, Dozent und Therapeut. Mehr als sein halbes Leben lang berichtete er als politischer Redakteur und Korrespondent des SPIEGEL vor allem über den Nahen und Mittleren Osten. Seine Gespräche mit Staats- und Regierungschefs sorgten zum Teil international für Aufsehen. Als Autor wurde er besonders durch seine persönlich gefärbten Sachbücher und Romane einem breiteren deutschen Publikum bekannt. „Überleben an der Wickelfront“ (2009) und „Mann darf sich doch mal irren!“ (2013) wurden für das ZDF verfilmt und waren Quotenhits. Sein jüngstes Buch ist jetzt im Berlin Verlag (Piper) erschienen: Für „Alt genug, um jung zu bleiben – Von der Kunst, unsere Erfüllung zu finden“ hat er sich auf den Weg zu den führenden Expertinnen und Experten gemacht, um sie zu einem gesunden und zufriedenen Älterwerden zu befragen. Seinen Vorruhestand hat Dieter Bednarz für eine Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie genutzt und führt heute eine eigene Praxis im Hamburger Curio Haus. Näheres zu seiner therapeutischen Arbeit, auch Online und in Seminaren deutschlandweit, unter www.Therapie-Dieter-Bednarz.de Interessantes zu seinen Lesungen sowie Auftritten als Moderator oder Referent erfahren Sie unter www.DieterBednarz.de.
2018 berichteten wir über Ihr Buch „Zu jung für alt – Vom Aufbruch in die Freiheit nach dem Arbeitsleben“ und über die Tücken und Chancen des Alters und des Älterwerdens. Heute, acht Jahre später, gibt es ein neues Buch von Ihnen: „Alt genug, um jung zu bleiben – Von der Kunst, unsere Erfüllung zu finden“. Was hat Sie zu diesem Buch motiviert?
Dieter Bednarz: Alle meine Bücher sind autobiografisch inspiriert. Mein erstes Buch zum Thema Älterwerden hat sich mehr mit dem Übergang vom Berufsleben in den Vorruhestand und in die Rente beschäftigt, denn auch ich musste mich mit damals 60 Jahren nach mehr als einem halben Leben im Journalismus – beim Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL – auf einen völlig anderen Lebensabschnitt einstellen. Mit meinem neuen Buch, das jetzt im Berlin Verlag (Piper) erschienen ist, beschäftige ich mich zwar auch mit dem für viele von uns nicht leichten Übergang von der Karriere zum Ruhestand, doch der Schwerpunkt liegt diesmal auf der erfüllenden Gestaltung dieser Zeit.
Ich habe auch an mir selbst gemerkt, dass es gar nicht so leicht ist, unseren späten Jahren den Sinn und Wert zu geben, den sie verdienen und der uns selbst dann auch so guttut.
So habe ich mich daher aufgemacht zu den führenden Expertinnen und Experten, um sie zu fragen: Was müssen wir tun, um gesund, zufrieden und vielleicht sogar erfüllt älter zu werden?
Und, was ist ihre persönliche Antwort darauf?
Dieter Bednarz: Nun (lachend), da empfehle ich natürlich, am besten mein Buch zu lesen, denn wenn sich Ihre Frage in zwei Sätzen beantworten ließe, hätte ich nicht über 200 Seiten schreiben müssen.
Aber – sehr, sehr verkürzt, ist es sicherlich wichtig, die fünf Säulen eines gesunden Älterwerdens und einer generell zufriedenen Lebensführung zu beachten: Zeit, Zuwendung, Ernährung, Bewegung und lebenslanges Lernen.
Was das im Einzelnen bedeutet und wie wir es am besten umsetzen, dazu gebe ich auch Seminare und halte Vorträge, in denen es um unsere Zufriedenheit im Alter geht. Und ich würde mich freuen, wenn ich unter den Lesern Ihrer Plattform und Ihres Newsletters auf Interesse an einer Zusammenarbeit stoßen würde – sei es mit mir als Autor, der Lesungen und Vorträge hält oder als Therapeut, der Menschen in Gruppenarbeit oder in Einzelgesprächen hilft, die Herausforderungen des Alter zu meistern.
Inwieweit hat sich Ihr Blick auf das Alter und das Älterwerden verändert?
Dieter Bednarz: Auch ich habe mit den herkömmlichen Bildern vom Alter zu kämpfen gehabt, habe zuerst einmal Alter als Zeit des Verlustes und der Verletzlichkeit gesehen.
Ich habe mich – wie so viele uns – vor den Jahren, die da kommen, gefürchtet.
Hat sich Ihr Denken, Fühlen, Handeln im Laufe der Zeit gewandelt?
Dieter Bednarz: Ja, natürlich! Einen Großteil meines persönlich neuen Blicks auf das Alter verdanke ich meinen Gesprächen mit den führenden Expertinnen und Experten, die ich für mein neues Buch aufgesucht habe. Und an diesem eigenen Wandel möchte ich meine Leserinnen und Leser und in meinen Lesungen und Seminaren auch meine Zuhörerinnen und Zuhörer teilhaben lassen.
Denn dieser Perspektivwechsel ist eine wichtige Voraussetzung für ein Altern in Zufriedenheit, in seelischer und körperlicher Gesundheit – in Erfüllung.
Die älteren Generationen werden gern als Silver Ager, Gold Ager oder Best Ager bezeichnet. Ebenso sind Trends wie Anti-Aging und Longevity in aller Munde. Was bedeutet für Sie persönlich Longevity?
Dieter Bednarz: Ich gönne jedem Menschen ein langes Leben in Gesundheit und Zufriedenheit. Doch wer meint, 100 werden zu müssen, der setzt sich einem enormen Stress aus. Es ist wunderbar, Jahr um Jahr zu reifen, das Leben anzunehmen, so wie es einem begegnet und wenn das mit mehr Lachen als Weinen verbunden ist, dann ist das ein großes Geschenk. Aber wenn ich mich gesund ernähre, dann weil es mir schmeckt und guttut; wenn ich Sport mache, dann weil ich daran Freude habe und mich damit gut fühle. Doch niemand sollte sich zu Tofu und zum Joggen zwingen, weil er meint, dann 100 zu werden. Das stresst, und Älterwerden darf nicht in Stress ausarten.
Longevity-Stress und Verjüngungswahn sind das Gegenteil von einem gesunden, erfüllten Altern.
Wir Menschen werden immer älter, doch wie gelingt es, die Zeit des Alters und des Älterwerdens mit Lebensqualität zu füllen?
Dieter Bednarz: Leider ist es so, wie ich es im Vorwort meines neuen Buches schreibe, dass viele Menschen im Alter plötzlich nicht mehr wissen, „wofür ihr Herz noch schlägt“.
In jüngeren Jahren können wir die Frage nach dem Sinn leichter verdrängen: Beziehung und Beruf, Karriere und Kinder, all das sind willkommene Ablenkungen, die uns im Alter jedoch fehlen, und dann müssen wir uns ihnen stellen – zumindest sollten wir das, wenn wir ein gesundes, zufriedenes und letztlich erfülltes Altern anstreben.
Der große Psychologe und Kommunikator Friedemann Schulz von Thun hat mir dazu sehr schön gesagt: „Das Alter ist eine Umbruchzeit, die Klärungsbedarf mit sich bringt. Die Fragen „Was will ich vom Leben?“ und „Was will das Leben von mir?“ stellen sich mit neuer Aktualität. Leider finden wir die Antworten auf diese Fragen zumeist erst nach einem längeren, vielleicht sogar schmerzlichen Prozess.
Wie schafft man es, körperlich und seelisch gesund zu altern?
Dieter Bednarz: Die Forschung zeigt, dass wir mehr Einfluss auf ein gesundes und zufriedenes Altern haben, als die meisten von uns glauben. Die Genetik spielt eine deutlich geringere Rolle, als wir lange Zeit angenommen haben.
Durch eine bewusste Lebensführung können wir heute gesünder älter werden, als die Generationen vor uns – wenn wir uns mit unserem Altern und Altwerden auseinandersetzen und nicht die Augen davor verschließen.
Welche Chancen und Potenziale hat für Sie das Alter(n)?
Dieter Bednarz: Mehr, als ich in jüngeren Jahren gedacht habe. Mein Bild vom Alter war durch mein Elternhaus sehr von Krankheit, Tod und Verlust geprägt: Meine Mutter ist nur 49 Jahre alt geworden, eher enttäuscht und traurig haben Herz und Kreislauf versagt; mein Vater, Ingenieur im Bergbau, starb im dritten Jahr seines Vorruhestands, mit 66 Jahren. Ich bin dankbar, dass ich mit nun 69 Jahren dieses Buch, sicherlich mein bestes, vorlegen kann und in meinen Seminaren, Vorträgen und Lesungen, aber auch in meiner Arbeit als Therapeut anderen Älteren helfen darf, diese späten Jahre wirklich zu guten Jahren zu machen.
Vielen herzlichen Dank für dieses Interview.
Foto: © Ulli Neutzling