Die Digitalisierung in der Pflege schreitet voran, doch die Heterogenität der verwendeten Systeme ist immens. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Jobplattform Pflegia (www.pflegia.de). Im Zuge der Untersuchung wurden rund 3.900 Einrichtungen (z.B. Krankenhäuser, Pflegeheime) zu verwendeten Dokumentationssystemen und über 101.000 Pflegekräfte zu ihren Prioritäten bei der Jobwahl befragt. Das Ergebnis: In Deutschland kommen in der Pflege nicht nur sehr viele Dokumentationssysteme zum Einsatz – häufig nutzen Einrichtungen mehr als nur ein System zur Pflegedokumentation. Oftmals gehören dabei auch Papier und Stift noch dazu.

Hohe Digitalisierungsrate mit starker Fragmentierung

Die Digitalisierungsrate in deutschen Pflegeeinrichtungen ist hoch: Über 93 Prozent der Befragten gaben an, ihre Pflegearbeit mithilfe einer Software zu dokumentieren. In den in der Untersuchung betrachteten Einrichtungen kommen jedoch mindestens 140 verschiedene elektronische Dokumentationssysteme zum Einsatz. Auf dem Markt gibt es zahlreiche Anbieter mit verschiedenen Softwarelösungen für die Pflegedokumentation. Die in der Analyse meistgenannten Systeme sind Medifox DAN (1.419), Connext Vivendi (777) und Myneva (284). Ferner entwickeln und verwenden viele Einrichtungen ihre eigenen Softwarelösungen.

Dabei wird in einigen Fällen nicht nur ein System einer Firma genutzt: Rund zwei Prozent (83) der befragten Einrichtungen nutzen im Arbeitsalltag mehr als nur ein Dokumentationssystem. Einige Firmen bieten Software-Gesamtlösungen für Pflegeeinrichtungen an, doch die verschiedenen Fachbereiche stellen Anforderungen, denen nicht alle Dokumentationssysteme gerecht werden können. Außerdem werden zunehmend KI-Sprachassistenten parallel zu herkömmlichen Dokumentationssystemen genutzt, bislang jedoch bei weniger als einem Prozent der Befragten.

Handschriftliche Dokumentation weiterhin Teil des Pflegealltags

Die Pflegedokumentation auf Papier ist nach wie vor verbreitet und landet nach Myneva auf dem vierten Platz im Ranking: 265 Personen (knapp sieben Prozent) geben an, primär handschriftliche Dokumentationsmethoden zu verwenden. In einigen Fällen werden digitale und analoge Dokumentationssysteme parallel genutzt. 26 (0,67 Prozent) der Befragten gaben an, dass eine Mischform aus computergestützter und handschriftlicher Dokumentation besteht.

„Die Anzahl der in Deutschland verwendeten Dokumentationssysteme ist in der Tat beträchtlich – die Dunkelziffer ist vermutlich noch größer als unsere Untersuchung zeigt.  Die eigentliche Herausforderung ist dabei jedoch nicht, dass es so viele Systeme gibt, sondern dass sie nebeneinander statt miteinander arbeiten. Interoperabilität ist hier das Stichwort: Es bedeutet, dass unterschiedliche Anwendungen Informationen ohne Medienbrüche austauschen und Prozesse durchgängig abbilden können. Erst wenn Dokumentation im Hintergrund reibungslos zusammenläuft , gewinnt Pflege wieder Zeit für das, worum es eigentlich geht: Die Versorgung der Patient:innen”

Felix Westphal, Gründer von Pflegia

Für Pflegekräfte zählt vor allem Sicherheit im Job

In einer weiteren Analyse wurde untersucht, welcher Aspekt für die Teilnehmer:innen bei der Wahl ihres nächsten Jobs am wichtigsten ist. Dabei spielen die elektronischen Dokumentationssysteme nur für 0,36 Prozent der Beschäftigten eine wichtige Rolle. Auch gute Bezahlung ist nur für rund acht Prozent der Teilnehmer:innen der wichtigste Faktor. Mit rund 21 Prozent wurde Arbeitsplatzsicherheit am häufigsten genannt. Auf Platz zwei folgt mit 13,22 Prozent ein guter Pflegeschlüssel, auf Platz drei familienfreundliche Arbeitsmodelle mit 13,01 Prozent.

Bildquelle: canva.com

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