94 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Deutschland sehen die Gesundheit ihrer Beschäftigten als Erfolgsfaktor für ihr Unternehmen an. Aber nur jede dritte Führungskraft steht Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung skeptisch gegenüber. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Gesunde Arbeit. Anspruch und Wirklichkeit im Mittelstand“, den die BARMER gemeinsam mit F.A.Z. Business Media | research erstellt hat.
Große Vorbehalte gegenüber Gesundheitsförderung
„Der Mittelstand weiß, wie wichtig die Gesundheit der Mitarbeitenden ist. Doch ausgerechnet auf der Entscheidungsebene, die letztlich über das Gesundheitsmanagement im Betrieb bestimmt, ist die Skepsis am höchsten.“
Simone Schwering, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der BARMER

Zögern und Skepsis in den Chefetagen
Den Studienergebnissen zufolge sind nur 40 Prozent der befragten Führungskräfte von gesundheitsfördernden Maßnahmen überzeugt. Diese säßen allerdings häufig in den Personalabteilungen und hätten nicht die Entscheidungsmacht, Gesundheitsförderung strukturell zu verankern. Auf der Entscheidungsebene indes überwiege hingegen die Skepsis. Sie machten laut Studie gerade mal 27 Prozent aus. Die restlichen 33 Prozent seien „Zögernde“, die die Bedeutung von Gesundheitsförderung zwar kennen, aber Zweifel an der Wirksamkeit von Maßnahmen haben.
Einzelmaßahmen ohne systematische Planung
In vielen mittelständischen Firmen bleibe es bei Einzelmaßnahmen, die keine systematische Planung, kein Fachwissen und keine institutionelle Verankerung erforderten, so Schwering. Am häufigsten gibt es den Ergebnissen zufolge eine kostenlose Getränkeversorgung (79 Prozent), eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung (63 Prozent) sowie Angebote zur Bewegungs- und Gesundheitsförderung (62 Prozent). Die Chance, systematisch und strukturell etwas für die Gesundheit der Beschäftigten zu leisten, wird damit vertan. „Es reicht nicht aus, höhenverstellbare Schreibtische zu beschaffen. Ein betriebliches Gesundheitsmanagement erfordert eine Analyse der Bedarfe und die Einbeziehung der Belegschaft bei der Maßnahmenplanung“, betonte Schwering.
Erfahrung gibt Gesundheitsförderung recht
In Unternehmen, die Gesundheitsförderung implementiert haben, überwiegen laut Analyse die positiven Erfahrungen. 59 Prozent berichten über ein besseres Betriebsklima und 56 Prozent über eine höhere Arbeitszufriedenheit. Bei 34 Prozent sei die Produktivität gestiegen, und bei 31 Prozent seien die Fehlzeiten gesunken. Als Kehrseite benennen 41 Prozent höhere Kosten und 35 Prozent einen gestiegenen Verwaltungsaufwand.
„Die Kosten für ein betriebliches Gesundheitsmanagement sind gut investiertes Geld, denn ein gesundes Arbeitsumfeld stärkt die Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität. Diese Werte sind zwar schwer messbar, aber in Zeiten des Fachkräftemangels ein klarer Wettbewerbsvorteil.“
Simone Schwering

Q&A
Wie beeinflusst der Führungsstil die Gesundheitskultur im Unternehmen?
Der Führungsstil ist keine weiche Rahmenbedingung, sondern die eigentliche Grundlage für betriebliche Gesundheitsförderung. Je kooperativer eine Führungskraft agiert, desto stärker sind Überzeugung, Engagement und konkrete Umsetzung von gesundheitsförderlichen Maßnahmen ausgeprägt. Je autoritärer ein Führungsstil, desto stärker dominiert Skepsis. Die Studie hat dies in Erfahrung gebracht, indem sie die Zustimmung zu Aussagen erfragt hat, die auf einen kooperativen oder autoritären Führungsstil hinweisen.
Schätzen weibliche und männliche Führungskräfte die Bedeutung von Gesundheit am Arbeitsplatz gleich ein?
Nein. 72 Prozent der weiblichen Führungskräfte sehen Gesundheit als wichtig für den Unternehmenserfolg an. Bei den männlichen Führungskräften sind es nur 55 Prozent.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Alter der Führungskräfte und dem Stellenwert, den Gesundheit im Unternehmen einnimmt?
Ja. Führungskräfte der Altersgruppe 30 bis 39 Jahre und 40 bis 49 Jahre zeigen das größte Bewusstsein für die Gesundheit ihrer Beschäftigten. Von ihnen stimmen 88 beziehungsweise 83 Prozent der Aussage zu „die Kosten für gesundheitsfördernde Maßnahmen zahlen sich langfristig für ein Unternehmen aus“. Bei jungen Führungskräften zwischen 18 und 29 Jahren muss dieses Bewusstsein noch wachsen. Von ihnen stimmen nur 66 Prozent der Aussage zu. In den höheren Altersgruppen der 50- bis 59-Jährigen und 60- bis 78-Jährigen sind es 74 und 64 Prozent.
Wie stehen Beschäftigte zu gesundheitsfördernden Maßnahmen am Arbeitsplatz?
35 Prozent der befragten Führungskräfte geben an, dass „fehlende Bereitschaft und Motivation der Beschäftigten“ die Umsetzung gesundheitsfördernder Maßnahmen erschweren würde. Wichtig ist deshalb, die Belegschaft bei der Planung und Umsetzung von gesundheitsfördernden Maßnahmen einzubeziehen, damit diese auch den tatsächlichen Bedarf treffen und Partizipation erreichen.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Die Studie „Gesunde Arbeit“ wurde von F.A.Z. Business Media | research im Auftrag der BARMER als repräsentative Mittelstandsuntersuchung erstellt. Von März bis Mai 2026 wurden insgesamt 550 Interviews mit Unternehmensentscheidern, die Betriebe mit 50 bis 2.000 Beschäftigten repräsentieren, durchgeführt. 257 Teilnehmer wurden telefonisch befragt und 193 via Online-Umfrage.