Betroffene, Angehörige sowie das deutsche Gesundheitssystem stehen vor der Herausforderung, dass mit steigender Lebenserwartung der Menschen auch das potentielle Demenzrisiko zunimmt. Gleichzeitig bietet der technische Fortschritt KI-Lösungen zur Behandlung dieser neuen Probleme. 

Die Zahl der Personen mit Demenz in Deutschland steigt 

„Laut einer Prognose der Deutschen Alzheimer Gesellschaft könnte die Anzahl demenzkranker Menschen in Deutschland bis zum Jahr 2050 auf rund 2,4 Millionen ansteigen. Im Jahr 2021 wurden bundesweit knapp 1,8 Millionen Demenzkranke gezählt – rund zwei Drittel von ihnen litt[en] unter einer Alzheimer Erkrankung.”, schrieb Rainer Radtke (Statista Research Department) im August letzten Jahres.[1]

Neben dem Faktor Alter, welcher laut Rainer Radtke/ Statista als bedeutendster Risikofaktor für eine Demenz gesehen werden kann[2], sehen Demenzforschende vor allem auch Rauchen, Fettleibigkeit, hohen Blutzucker sowie niedrige Bildung als Demenz-Risikofaktoren an.3]

Demenz mit Künstlicher Intelligenz (KI) behandeln

Mit dem Anstieg von Demenzfällen in alternden Gesellschaften werden Möglichkeiten zur Behandlung zunehmend bedeutender. Einer, der neuartige Therapieansätze für Personen mit Demenz erforscht, ist Prof. Dr. Gregor Hohenberg von der Hochschule Hamm-Lippstadt. Er lehrt auf dem Gebiet IT, Medien und Wissensmanagement an der Hochschule Hamm-Lippstadt (kurz: HSHL).

In einem Interview mit dem Verein Informationsdienst Wissenschaft e. V. vom 19.07.2023[4] berichtet Prof. Dr. Hohenberg:

„Die Kombination von klassischen Therapieverfahren und Künstlicher Intelligenz (KI) eröffnet vielversprechende Perspektiven für die Behandlung von kognitiven Beeinträchtigungen und Hörstörungen.” 

Dabei habe sich insbesondere für Menschen mit Demenz die kognitive Stimulationstherapie bewährt. Hier werden durch Gespräche, Wortspiele sowie praktische Aktivitäten das Denken und das Gedächtnis angeregt.

Was bringt die Integration von KI in die kognitive Stimulationstherapie?

Im Rahmen seiner Arbeit setzt Hohenberg vor allem dann auf die Fähigkeiten von Künstlicher Intelligenz, wenn große Datenmengen analysiert und individuelle kognitive Profile der Patient*innen erstellt werden sollen. Diese individuellen Profile geben ihm Auskunft darüber, wo zu Beginn der kognitiven Simulationstherapie angesetzt werden kann. Darüber hinaus trackt das KI-gestützte Monitoring Lernfortschritte und „mentale Schwachstellen” zum Zwecke optimaler Trainingserfahrungen. Die für die Patient*innen optimalen Trainingserfahrungen werden durch sogenanntes „Reinforcement Learning”(RL) erreicht. 

Prof. Dr.  Hohenberg erläutert die RL-Wirkung im Interview mit dem Verein Informationsdienst Wissenschaft e. V. wie folgt:

„Mit der Zeit lernt das Computerprogramm, welche Aktionen zu positiven Ergebnissen führen und welche vermieden werden sollten. Dadurch wirkt das Computerprogramm mithilfe der KI wie ein Therapeut, der mit der Zeit Patient*innen immer besser kennenlernt und versteht, die bestmögliche Therapie anzubieten.“ 

Interessierte finden hier weitere Ausführungen zu dem Thema. Dabei wird unter anderem auf die Zusammenhänge von Hörbeeinträchtigungen und Demenzen eingegangen, auf vertiefende Details zum Thema „Reinforcement Learning” sowie auf weitere Potentiale von KI hinsichtlich Demenz-Vorhersage und -Behandlung.

[1]de.statista.com/statistik/daten/studie/245519/umfrage/prognose-der-entwicklung-der-anzahl-der-demenzkranken-in-deutschland/ (abgerufen am: 28.08.2023)
[2] www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/studie-demenz-weltweit-101.html (abgerufen am: 28.08.2023)
[3]ebd. (abgerufen am: 28.08.2023)

4]nachrichten.idw-online.de/2023/07/19/demenz-behandeln-mit-kuenstlicher-intelligenz-hshl-professor-erforscht-neuartige-therapieansaetze#:~:text=Besonders%20f%C3%BCr%20Menschen%20mit%20Demenz,bereits%20seit%202019%20entsprechende%20Algorithmen. (abgerufen am: 29.08.2023)

Fotos: pixabay



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert