Demenz verändert die Wahrnehmung von Räumen, Gegenständen und Situationen grundlegend. Was früher selbstverständlich war, beispielsweise das Wiedererkennen von Zimmern oder das Einschätzen von Gefahren, kann zunehmend schwierig werden. Ein demenzgerechtes Wohnumfeld versucht daher, Orientierung zu erleichtern, Sicherheit zu erhöhen und gleichzeitig die Selbstständigkeit zu fördern. Architektur, Raumgestaltung und Einrichtung spielen dabei eine ganz zentrale Rolle. Praxisbeispiele aus Pflegeeinrichtungen, betreuten Wohnformen und privaten Haushalten zeigen, welche Gestaltungskonzepte besonders wirksam sind. (vgl. BMG, 2026)

Ein zentraler Grundsatz demenzgerechter Wohnkonzepte lautet: Orientierung durch Vertrautheit. Menschen mit Demenz profitieren stark von einer Umgebung, die ihnen bekannt vorkommt. Möbel, persönliche Gegenstände und die gewohnte Ordnung sollten möglichst erhalten bleiben. Veränderungen – etwa durch Umzüge oder Umbaumaßnahmen – können für Verunsicherung sorgen. Deshalb empfehlen Fachstellen, Anpassungen behutsam und schrittweise vorzunehmen. Wenn neue Möbel oder Geräte angeschafft werden müssen, sollten sie möglichst ähnlich aussehen und funktionieren wie die bisherigen. Auf diese Weise bleibt die räumliche Umgebung für die Betroffenen leichter verständlich. (vgl. BMG, 2026)

Nebst Vertrautheit spielt vor allem auch eine gute Übersichtlichkeit eine tragende Rolle. Räume sollten daher klar strukturiert, simpel gestaltet und auch frei von unnötigen Gegenständen sein. Denn: Eine reduzierte Einrichtung erleichtert die Orientierung und verhindert Überforderung durch zu viele visuelle Reize. Auch das Entfernen von Stolperfallen – etwa lose Teppiche, Kabel oder kleine Möbelstücke – gehört zu den grundlegenden Maßnahmen zur Vermeidung von Stürzen. (vgl. Wegweiser Demenz vom BMBFSFJ, 2024

Gezielte Nutzung von Farben und Kontrasten

Ein weiteres wichtiges Gestaltungselement ist die gezielte Nutzung von Farben und Kontrasten. Warum? Mit zunehmender Demenz verändern sich Wahrnehmung und Tiefensehen. Helle Räume mit klaren Farbkontrasten helfen, wichtige Elemente schneller zu erkennen. Türrahmen, Lichtschalter oder Handläufe sollten sich daher deutlich von der Wand abheben. Ebenso werden Treppenstufen durch kontrastreiche Markierungen besser sichtbar. – Die DIN-Norm mit der ID #32975 „Gestaltung visueller Informationen im öffentlichen Raum zur barrierefreien Nutzung” ist für öffentliche Bauprojekte grundlegend und ganz besonders hilfreich hinsichtlich der Gestaltung von demenzsensiblen Welten. Die genannte DIN-Norm regelt unter anderem Anforderungen bezüglich:

  • Anbringung und Beständigkeit visueller Informationen,
  • Informationselemente,
  • Kennzeichnung von Hindernissen,
  • Kennzeichnung von Bedienelementen,
  • Kennzeichnung von Niveauwechseln,
  • Kennzeichnung von ungesicherten Absturzkanten sowie
  • Kennzeichnung von Übergangsbereichen.

Beleuchtung

Neben Farben spielt die Beleuchtung eine zentrale Rolle in der Raumgestaltung. Eine gute, gleichmäßige Ausleuchtung reduziert Schatten und erleichtert das Erkennen von Hindernissen. Besonders nachts kann Orientierung schwierig werden. Bewegungsmelder oder kleine Nachtlichter helfen, Wege sicher zu beleuchten, ohne dass Betroffene aktiv nach einem Lichtschalter suchen müssen. Auch der Tag-Nacht-Rhythmus lässt sich durch angepasste Beleuchtung unterstützen, was wiederum Schlafstörungen reduzieren kann. Schlafstörungen sind ein häufiges Problem bei Menschen mit Demenz. (vgl. Desideria Care e. V., 2026 

Klare räumliche Struktur

Auch eine klare räumliche Struktur unterstützt die Orientierung von Personen mit Demenz. In vielen moderneren Pflegeeinrichtungen werden Wohnbereiche daher so gestaltet, dass Funktionen eindeutig erkennbar sind. Küche, Essbereich, Wohnzimmer oder Flur sind zwar miteinander verbunden, aber dennoch klar voneinander unterscheidbar. Solche Raumfolgen ermöglichen es den Bewohner:innen, ganz intuitiv zu verstehen, wo welche Aktivität stattfindet. Gleichzeitig bleibt die Umgebung überschaubar. Architekturleitfäden betonen, dass diese Kombination aus Offenheit und klarer Struktur besonders gut für Menschen mit kognitiven Einschränkungen geeignet ist. (vgl. Demenz Support Stuttgart, 2026)

Persönliche Orientierungshilfen

Ein wichtiger Aspekt demenzgerechter Gestaltung sind außerdem persönliche Orientierungshilfen. Türen können beispielsweise mit Symbolen, Fotos oder vertrauten Gegenständen gekennzeichnet werden. Ein Bild eines Kochtopfs an der Küchentür oder ein Foto vom Bett auf der Schlafzimmertür erleichtert es Betroffenen, Räume zu erkennen. Auch große Uhren und Kalender helfen bei der zeitlichen Orientierung. Diese einfachen Maßnahmen wirken oft effektiver als komplexe technische Lösungen, weil sie direkt an vorhandene Erinnerungen und Routinen anknüpfen. (vgl. beta Institut, 2025)

Sicherheitsaspekte bei der Wohnraumgestaltung

Menschen mit Demenz können Gefahren häufig schlechter einschätzen, etwa beim Umgang mit Elektrogeräten oder beim nächtlichen Umhergehen. Deshalb empfehlen Fachstellen, potenzielle Risiken frühzeitig zu identifizieren. Dazu gehören beispielsweise Herdabschaltungen, sichere Aufbewahrung von Reinigungsmitteln oder automatische Beleuchtungssysteme. – In der Praxis werden zunehmend auch technische Assistenzsysteme eingesetzt. Dazu gehören etwa Bewegungsmelder, Türsensoren oder Ortungssysteme für den Fall, dass Betroffene die Wohnung verlassen und sich verlaufen. Solche Technologien können Angehörige oder Pflegekräfte informieren, ohne dass permanente Überwachung nötig ist. Dennoch bleibt die räumliche Gestaltung der wichtigste Faktor für Sicherheit und Orientierung. Technik kann nur ergänzen, was durch Architektur und Einrichtung bereits unterstützt wird. (vgl. gesund.bund.de – BMG, 2025)

Care Farms, Green Care, Pflegebauernhöfe

Pflegebauernhöfe stellen ein besonderes Versorgungsmodell für Menschen mit Pflegebedarf dar (z. B.  aufgrund von Demenz). Sie verbinden landwirtschaftliche Tätigkeiten mit pflegerischer Unterstützung und sozialer Teilhabe in einer naturorientierten Umgebung. Erste Untersuchungen, unter anderem aus Norwegen und den Niederlanden, zeigen, dass Fachkräfte diese Form der Betreuung überwiegend positiv bewerten. Studien weisen zudem darauf hin, dass Bewohner:innen solcher Höfe häufig eine höhere Lebensqualität erleben als in klassischen stationären Langzeitpflegeeinrichtungen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Pflegebauernhöfe eine bedarfsgerechte Versorgungsform für Menschen mit Demenz sein können. Für eine Weiterentwicklung dieses Ansatzes sowie geeigneter Rahmenbedingungen in Deutschland ist jedoch zunächst eine belastbare Datengrundlage zu strukturellen Merkmalen erforderlich. (vgl. Springer Nature, 2018)

In den Niederlanden sind Care Farms allerdings keine Seltenheit mehr. Beispielhaft werfen wir heute einen Blick auf den Pflegebauernhof „Op Aarde“: boerderijopaarde.nl

Der Pflegebauernhof Op Aarde verbindet Landwirtschaft, Betreuung und sinnstiftende Pflege an einem ruhigen Standort nahe der Stadt Brielle, südlich von Den Haag. Der Hof produziert natürliche Lebensmittel und schafft zugleich einen Raum für Begegnung, Bildung, Besinnung und Stille. Natur, Weite und ein ganz bewusst entschleunigtes Umfeld bilden hier die Grundlage für persönliche Entwicklung und respektvolle Beziehungen zwischen Menschen. 

Seit 2012 bietet der Hof eine strukturierte Tagesbetreuung für selbstständig lebende Menschen mit Demenz, Folgen eines Schlaganfalls oder sozialer Isolation an. Die Betreuung findet an fünf Tagen in der Woche statt. Alltagstätigkeiten auf dem Hof – Gartenarbeit, Tierpflege, Kochen oder kleine handwerkliche Arbeiten – geben dem Tag Rhythmus und fördern Selbstständigkeit. Die aktive Mitarbeit in vertrauten, realen Situationen unterstützt viele Teilnehmende dabei, länger unabhängig zu leben und entlastet zugleich auch die pflegenden Angehörigen.

Gemeinsame Mahlzeiten gehören fest zum Tagesablauf. Das Mittagessen wird zusammen mit frischem Gemüse aus dem eigenen Garten zubereitet. Der Hof hält Hühner, Ziegen, Schafe, Kaninchen und Schweine. Die Versorgung der Tiere ist Teil der täglichen Aktivitäten und wirkt nachweislich positiv auf Wohlbefinden und die soziale Interaktion der Teilnehmenden. Die Betreuung erfolgt in kleinen Gruppen und jede Gruppe verfügt über ihre eigenen Räume. Qualifizierte Fachkräfte, ein anwesender Pflegebauer sowie mehrere Freiwillige sorgen für eine persönliche und kontinuierliche Begleitung. Der Hof arbeitet zudem nachhaltig: Seit 2016 decken 105 Solarkollektoren den gesamten Energiebedarf, wodurch der Betrieb energieneutral organisiert ist. – Stark! (vgl. Boerderij Op Aarde, 2026)

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Könnten Sie sich vorstellen, bei Bedarf auf einem Pflege-Bauernhof betreut und begleitet zu werden? Wir sind gespannt auf und offen für Ihre Kommentare und E-Mails an die Autorin des Artikels via info@carolinmakus.de sowie an die Redaktion von CareTRIALOG.de via: info@caretrialog.de.

Quellen:

Bundesministerium für Gesundheit: Gestaltung des Wohn- und Lebensraums. Link: www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-demenz/gestaltung-des-wohn-und-lebensraums (zuletzt abgerufen am: 10.03.2026) 

Wegweiser Demenz (vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend): Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen für Menschen mit Demenz. Link: www.wegweiser-demenz.de/wwd/selbsthilfe/blog/wohnumfeldverbessernde-massnahmen-fuer-menschen-mit-demenz-247672 (zuletzt abgerufen am: 10.03.2026)

Baunormenlexikon – ein Onlinedienst der f:data GmbH: DIN 32975 | 2009-12: Gestaltung visueller Informationen im öffentlichen Raum zur barrierefreien Nutzung. Link: www.baunormenlexikon.de/norm/din-32975/c155e3cb-c28e-4719-abc2-69b9e1ed7cc5(zuletzt abgerufen am: 10.03.2026)

Desideria Care e. V.: Lebensraum. Link: www.desideria.org/demenz/demenzglossar/lebensraum (zuletzt abgerufen am: 10.03.2026)

Demenz Support Stuttgart gGmbH: Orientierung + Raum. Link: www.dess-planungshilfe.de/mensch-umwelt/raumerleben-zusammenleben/orientierung-raum/ (zuletzt abgerufen am: 10.03.2026)

beta Institut gemeinnützige GmbH: Demenz > Wohnen. Link: www.betanet.de/demenz-wohnen.html?utm_source=chatgpt.com(zuletzt abgerufen am: 10.03.2026)

gesund.bund.de (vom Bundesministerium für Gesundheit): Demenzgerechtes Wohnen. Link: gesund.bund.de/demenzgerechtes-wohnen#einleitung (zuletzt abgerufen am: 10.03.2026)

Boerderij Op Aarde: Pflege-Konzept. Link: www.boerderijopaarde.nl/zorg.html (zuletzt abgerufen am: 11.03.2026)

Springer Nature: Green Care Farming als Versorgungskonzept. Link: https://link.springer.com/article/10.1007/s41906-018-0754-8(zuletzt abgerufen am: 11.03.2026)

Fotos: KI-Titelbild von Gerd Altmann auf Pixabay

Foto: Küche von Rudy und Peter Skitterians auf Pixabay

Foto: Alarm von Wolfgang Vogt auf Pixabay

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