Für die SAT.1-Reportagereihe „Die Herzblut-Aufgabe“ packten sechs Prominente vier Wochen in der Helios Klinik Berlin mit an und erlebten den anspruchsvollen und herausfordernden Alltag der Pflegerinnen und Pfleger (www.sat1.de/tv/die-herzblut-aufgabe-promis-in-der-pflege). Auch Schauspieler und Moderator Wayne Carpendale war dabei und stellte sich seiner Aufgabe als Pflegepraktikant.

hinten: Wayne Carpendale, Patrick Lindner, Jorge González, Faisal Kawusi / vorne: Jenny Elvers, Lilly Becker

Was hat Sie motiviert beziehungsweise was war der Auslöser, bei der TV-Reportage mitzumachen?

Wayne Carpendale: Natürlich stand über allen persönlichen Motivationen das Ziel, einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen, wie der Alltag in einem Krankenhaus aussieht, zu zeigen, was Berufstätige in der Pflege tagtäglich leisten. Dabei wollte ich mich möglichst unvoreingenommen auf diese Aufgabe einlassen.

Denn, dass der Pflegeberuf unterbezahlt ist, dass hier Personalmangel herrscht und die Situation in vielen deutschen Krankenhäusern nicht tragbar ist, dürfte spätestens seit der Pandemie jedem bewusst sein.

Mir war wichtig, auch die spannenden, vielseitigen und herausfordernden Aufgaben dieses Berufs zu entdecken und widerzuspiegeln.

Darüber hinaus hat mich einfach gereizt, in eine andere Welt einzutauchen, aus meiner Komfortzone zu treten und über einen längeren Zeitraum mal ein ganz anderes Umfeld und mir unbekannte Abläufe kennenzulernen. Außerdem hat mich Medizin schon immer interessiert, weswegen ich auch vor vielen Jahren eine Ausbildung zum Erste-Hilfe-Sanitäter gemacht habe. 


Wie wurden Sie auf die Arbeit im Krankenhaus vorbereitet?

Wayne Carpendale: So oberflächlich das erst mal klingen mag, wir haben einen zweitägigen Crashkurs gemacht. Dort ging es vor allem um das sehr wichtige Thema Hygiene, also auch um Eigenschutz und darum, was wir machen, wenn wir aus welchem Grund auch immer alleine in eine herausfordernde Situation mit einem Patienten geraten. Das fängt schon da an, dass wir Patienten Wasser bringen und sie unbedingt aufstehen wollen, obwohl sie kurz nach der OP eigentlich noch liegen bleiben sollten. Am meisten haben wir dann auf unseren Stationen gelernt, unter strenger Aufsicht unserer Mentoren.

Zwar durften wir während unseres Praktikums viel machen, sofern man uns das zutraute und die Patienten einverstanden waren, aber natürlich sollte nicht vermittelt werden, dass man den Pflegeberuf innerhalb weniger Tage erlernen kann. 

Auf welcher Station waren Sie tätig?

Wayne Carpendale: Ich war auf der Unfallchirurgie, die aber auch an die Orthopädie angeschlossen war. So habe ich vor allem Patienten betreut, die durch einen Unfall aus ihrem Alltag gerissen worden waren, aber auch Patienten, die etwa für eine lang geplante Hüft- oder Knie-OP auf Station waren.


Was waren die herausforderndsten und/oder berührendsten Momente?

Wayne Carpendale: Während meines Praktikums waren die unterschiedlichen Schichten eine große Herausforderung. Morgens ging es regelmäßig um 6:00 Uhr los und plötzlich hatte man einen Nachtdienst. Daran muss man sich schon gewöhnen, wenn man noch nie so gearbeitet hat.

Dass mich all das, was ich gesehen habe, auch seelisch sehr berührt hat, habe ich, um ehrlich zu sein, erst nach den vier Wochen so richtig gemerkt und gespürt.

Auch, weil an den Tagen nach meinen Diensten das ganz normale Leben und auch andere berufliche Verpflichtungen ja ganz normal weitergingen.

Auch das gehört zum Pflegeberuf, dass du nach der Arbeit oft keine Zeit hast, all das zu verarbeiten, was du im Krankenhaus erlebst.

Nichtsdestotrotz gab es auch viele schöne Momente. Gerade auf der Unfallchirurgie kann man dabei zusehen, wie es den Patienten von Tag zu Tag besser geht und sie nicht immer, aber oft das Krankenhaus nach wenigen Tage schon wieder verlassen.



Was nehmen Sie für sich ganz persönlich aus den Erfahrungen in der Pflege mit?

Wayne Carpendale: Erstmal, dass das ein wirklich spannender, vielseitiger Beruf ist, in dem du wirklich was bewirken kannst. Es ist ein Beruf, der sehr nah am Menschen ist. Natürlich an den Patienten, aber auch an den Kollegen. Du bist ständig auf Achse, trägst viel Verantwortung und hilfst dabei, dass es Menschen besser geht.

Ich weiß, dass dieser Beruf sehr, sehr belastend sein kann, aber er gibt dir auch einen Sinn und kann dich erfüllen.

Und ich persönlich würde mich eher für diesen Weg entscheiden als für den ein oder anderen Bürojob, bei dem jeder Tag gleich sein kann.


Wie ist Ihre Einschätzung: Hat sich das Image des Pflegeberufs beziehungsweise die Wahrnehmung des Pflegeberufs in der Öffentlichkeit durch die Corona-Pandemie verändert?

Wayne Carpendale: Na ja, das Wort „Systemrelevanz“ war vorher sicher vielen kein Begriff.

Aber auch wenn ich nicht alles schlecht reden mag, mir ging die Wertschätzung am Anfang der Pandemie zu schnell wieder flöten.

Gefühlt standen wir im April 2020 abends alle auf unseren Balkonen und haben applaudiert. Und Ende des Jahres wurde schon wieder über Wissenschaftler und Mediziner gemeckert, weil einige aus der Bevölkerung die Maßnahmen nicht gut fanden, der Impfung nicht trauten und andere ihre Liebsten nicht im Krankenhaus besuchen durften.

Gerade deswegen fand ich diese Dokumentation zu diesem Zeitpunkt sehr gut und auch wichtig. Nichtsdestotrotz sehe ich mich nicht als Lobbyist für Pflegekräfte, sondern als branchenfremder Multiplikator, der einfach erzählt, was er in seiner Zeit im Krankenhaus erlebt hat.

Bewerten können das die Zuschauer und im besten Fall auch Verantwortliche, die wirklich etwas verändern und bewirken können. 



Was sollte aus Ihrer Sicht dringend in der Pflege verbessert werden?

Wayne Carpendale: Da sage ich jetzt was, was wahrscheinlich nicht bei jedem gut ankommen wird. Es geht aus meiner Sicht nicht ausschließlich um eine bessere Bezahlung für Pflegekräfte. Darauf wird es zwar oft reduziert, aber es geht vielmehr um eine generelle Wertschätzung.

Die Pandemie hat gezeigt, wie schnell unser System zusammenbrechen kann, wenn die medizinische Versorgung an ihre Grenzen kommt. Die Berufe im Gesundheitssystem sind, wie wir jetzt alle wissen, systemrelevant. Deswegen gehören sie nicht nur anständig bezahlt, sondern die ganze Infrastruktur muss für Berufstätige in diesem Umfeld verbessert werden. Dazu gehören zum Beispiel bezahlbarer Wohnraum in der Nähe des Arbeitsplatzes oder eine Kinderbetreuungsgarantie, auch während der Nachtschichten.

Und wichtig ist aus meiner Sicht auch, dass mehr Menschen Lust haben auf einen Pflegeberuf. Und das erreicht man nicht, wenn man immer nur sagt, wie schrecklich alles ist, sondern auch zeigt, wie erfüllend und vielseitig diese Arbeit sein kann.


Haben Sie sich schon mit dem eigenen Älterwerden beschäftigt? Wie möchten Sie alt werden?

Wayne Carpendale: Ich glaube, mein Wunsch ist es, vor allem so lange wie nur möglich, so unabhängig wir nur möglich zu bleiben. Darunter verstehen die meisten wahrscheinlich eine finanzielle Unabhängigkeit. Ich meine aber auch die geistige und körperliche Selbstständigkeit. Und hier schließt sich der Kreis.

Denn das ist nur möglich in einem System, in dem man auch die Älteren der Gesellschaft ernst nimmt, sie medizinisch gut versorgt und sie wertschätzt.

Und um das zu gewährleisten, muss man zum Beispiel Pflegekräften die Möglichkeit geben, sich auch um die älteren Patienten nicht nur medizinisch, sondern vor allem seelisch zu kümmern, was aber nicht geht, wenn pro Patient gerade einmal ein paar Minuten Pflege fix eingeplant sind.

Herzlichen Dank für das Interview.

Fotos mit freundlicher Genehmigung: © SAT.1 Herzblut-Aufgabe – Promis in der Pflege/Fotograf: André Kowalski

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