Dass moderne KI-Tools, Robotik und Assistenzlösungen für eine Distanzierung zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen sorgen könnten, ist eine Angst, die sich vor allem zu Beginn der Modernisierungsentwicklungen in der Branche hielt. Mittlerweile überwiegen Stimmen, wie jene des hessischen Landesvorsitzenden des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa), Ralf Geisel:
„Jede Minute, die unsere Mitarbeitenden mit Aufgaben verbringen, die technisch oder digital lösbar sind, fehlen sie in der direkten Arbeit mit den Pflegebedürftigen. Dass die Politik derzeit wieder überall von Entbürokratisierung spricht, reicht nicht.“
(bpa.de, 2025)[CM1]
Beispielsweise sei es ein wichtiger Schritt gegen die Arbeitsverdichtung in der Pflege, wenn Sensoren die Vitalwerte der zu pflegenden Personen messen und gleichzeitig dokumentieren, so Landesvorsitzender Geisel.

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Der technische Modernisierungsschub in der Pflege dynamisiert Kompetenzprofile, definiert Rollenbilder neu und lädt zu einer Neugestaltung der Karrierepfade ein. Personen, die heute noch jung sind, wuchsen in der Regel mit digitalen Tools auf. Sie sind es, die derzeit von einem klaren Kompetenzvorsprung profitieren und in diesem Bereich bereits früh entsprechende Verantwortungen übernehmen können. Wichtig ist hierbei allerdings, dass insbesondere in generationenübergreifenden Teams Angebote zum Wissenstransfer bestehen bzw. geschaffen werden. So stärken sich Teams von innen heraus und potenziellen Generationskonflikten wird früh begegnet.
Insbesondere Kenntnisse auf dem Gebiet der Datenkompetenz sind gefragt. Warum? Im Rahmen der Personenpflege werden große Mengen gesundheitsrelevanter Daten generiert. Diese strukturiert für eine hochwertige pflegerische Versorgung nutzen zu können und dabei sicher zu verarbeiten, das sind hohe Güter.
Digitalisierung als Hebel für Professionalisierung und beruflichen Aufstieg
Nicht zuletzt sind neue digitale Fort- und Weiterbildungsangebote, Traningssimulationen von Gefahrensituation und ähnliche interaktive Lernformate ein wahres Ass im Ärmel für schnellen Kompetenzzuwachs und für Spezialisierungen.
Kurzum: Wer offen für diese Formate ist, steigert seine Aufstiegschancen. – An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Technikaffinität zwar mit jüngerem Alter korrelieren kann, Technikaffinität aber nicht mit Technikkompetenz gleichzusetzen ist.
Technikaffinität ist lediglich einer von vier großen Faktoren, die gebündelt die Technikkompetenz einer Person beeinflussen:
- Technikaffinität,
- Geschlecht,
- Vorerfahrung im Umgang mit digitalen/ vernetzten Strukturen und
- Bildungshintergrund.
Eine Vertiefung dieser Anmerkung finden Sie auf der Website der Universität Siegen:
Das Alter spielt bei digitaler Kompetenz eine geringere Rolle als gedacht
Im oben genannten Beitrag der Universität Siegen geht es um eine Studie, im Rahmen derer Wissenschaftler:innen den Umgang von Verbraucher:innen mit den technischen und digitalen Strukturen des Internets der Dinge erforschten. Natürlichen lassen sich die dabei gewonnenen Erkenntnisse nur begrenzt und auch nur bedingt auf die Lebenswelt der professionell Pflegenden übertragen.
Zwei abschließende Impulspapiere für Sie:
- Die Digitalisierung stellt, unter anderem, in der Langzeitpflege ein großes Potenzial hinsichtlich der Steigerung der Pflegequalität und zur Entlastung des Personals dar. Digitale Technologien können administrative Abläufe vereinfachen und zugleich die Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen in ambulanten und stationären Versorgungsformen verbessern. Eine Arbeitsgruppe der diakonischen Landesverbände und von Diakonie Deutschland hat hierzu ein Impulspapier erarbeitet, das die diakonische Position in der Debatte um Einsatzfelder digitaler Technologien und die zukünftige Gestaltung pflegerischer Arbeit darlegt. Das Papier macht deutlich, dass Digitalisierung verlässliche Finanzierung, geeignete Arbeitsbedingungen und die aktive Einbindung der Mitarbeitenden voraussetzt. Sie ist also als Investition in Pflegequalität zu verstehen, nicht als Sparinstrument.
Der Einsatz digitaler Technik darf nicht zum Abbau qualifizierten Personals führen, da menschliche Beziehung und Zuwendung unersetzlich bleiben. Klare Rahmenbedingungen und nachhaltige Finanzierung sind entscheidend für eine erfolgreiche und qualitätsgesicherte Umsetzung.
Digitalisierung in der Pflege aus diakonischer Sicht – ein Impulspapier
- Technische und digitale Innovationen können Pflegearbeit deutlich entlasten, wenn die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt werden und Pflegekräfte über entsprechende digitale Kompetenzen verfügen. Vor diesem Hintergrund hat die Gesellschaft für Informatik e. V. Leitlinien zur Entwicklung digitaler Kompetenzen in der Pflege veröffentlicht.
Die „Leitlinien Pflege 4.0“ beschreibt, welche digitalen Fähigkeiten künftig in Pflegeberufen erforderlich sind, wie diese vermittelt werden können und welche Rahmenbedingungen dafür notwendig sind. Sie benennen fünf zentrale Handlungsfelder und richten konkrete Empfehlungen an Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Aus-, Fort- und Weiterbildung, insbesondere auf Datenschutz, ethischen Fragestellungen, Zusammenarbeit und der Attraktivität von Pflegeberufen. Die Leitlinien wurden im Rahmen des Symposiums „Pflege 4.0: Zukunftsszenarien zum Weiterbildungsbedarf in den Pflegeberufen“ entwickelt. Sie können diese hier abrufen:

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Welche Tools/ Programme/ digitalen Lösungen haben Ihren Pflege-Alltag grundlegend verändert? Und vor allem: Wie bewerten Sie diese Veränderung? Haben die neuen Tools die Dynamiken in Ihrem Team, insbesondere zwischen „Jung und Alt“, verändert? Wir sind gespannt auf und offen für Ihre Kommentare und E-Mails an die Autorin des Artikels via info@carolinmakus.de sowie an die Redaktion von CareTRIALOG.de via: info@caretrialog.de.
Quellen:
- bpa – Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. – News der bpa.Landesgruppe Hessen: „Die Entlastung von Pflegekräften durch Technik und Digitalisierung darf nicht an der Refinanzierung scheitern.“, https://www.bpa.de/news-landesgruppen/hessen/news/fachtag-hessen (zuletzt abgerufen am: 03.02.2026)
- Diakonie Deutschland Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e. V.: „Digitalisierung in der Pflege aus diakonischer Sicht – ein Impulspapier“, https://www.diakonie.de/diakonie_de/user_upload/diakonie.de/PDFs/Publikationen/20250422_Impulspapier_Digitalisierung_in_der_Pflege.pdf(zuletzt abgerufen am: 03.02.2026)
- Gesellschaft für Informatik e. V.: „Leitlinien Pflege 4.0: Handlungsempfehlungen für die Entwicklung und den Erwerb digitaler Kompetenzen in Pflegeberufen“, https://gi.de/fileadmin/GI/Hauptseite/Aktuelles/Aktionen/Pflege_4.0/GI_Leitlinien_Digitale_Kompetenzen_in_der_Pflege_2017-06-09_web.pdf (zuletzt abgerufen am: 03.02.2026)
- Universität Siegen: „Das Alter spielt bei digitaler Kompetenz eine geringere Rolle als gedacht“, https://www.uni-siegen.de/start/news/oeffentlichkeit/896358.html (zuletzt abgerufen am: 03.02.2026)
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