Karina Reimann (38, verheiratet und Mutter von zwei kleinen Kindern): Nach einer abgeschlossenen Reiseverkehrsausbildung bei einem Reiseveranstalter und einem Fernstudium in Tourismusmanagement in Köln kehrte sie 2008 dem Rheinland den Rücken. Nach einer kurzen Station in der EDV-Branche kam sie 2011 als Assistentin der Geschäftsführung zum Caritasverband Olpe. Die Schnittmenge ihrer Stationen in den unterschiedlichen Branchen war immer das Thema „Marketing/Vertrieb“. Nach zwei Elternzeitphasen übernahm sie im Januar 2020 die Geschäftsleitung für den Bereich Unternehmenskommunikation & Service (Marketing, Fundraising, Personalentwicklung und -marketing, Unternehmenskommunikation und Sekretariat) in Teilzeit!

Der Caritasverband Olpe wurde (von A Great Place To Work) als einer der besten Arbeitgeber 2021 in Deutschland ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Karina Reimann: Wir sind stolz, zufrieden und dankbar, dass wir gerade in dieser besonderen Zeit eine solche Auszeichnung erhalten haben.

Die Solidarität, die wir im Verband unter den Mitarbeitenden erlebt haben und noch erleben, ist wirklich beeindruckend und gibt Motivation, daran weiterzuarbeiten.

Bei der Größe des Verbandes mit knapp 1.700 hauptberuflich tätigen Mitarbeitenden ist das keine Selbstverständlichkeit. Zudem sind unsere über 60 Einrichtungen im gesamten Kreis Olpe verteilt. 

Was macht einen attraktiven Arbeitgeber eigentlich aus?

Karina Reimann: Ein attraktiver Arbeitgeber geht, soweit das möglich ist, auf die Bedürfnisse und Lebenssituationen der Mitarbeitenden ein. Dazu gehören zum Beispiel variable Beschäftigungsumfänge, Abfrage der Familiensituation bei Einstellung, Lebensarbeitszeitkonto etc. 

Gerade in der Pflege, die von Frauen dominiert wird, ist es unerlässlich als Unternehmen auch die jeweiligen Familiensituationen in den Blick zu nehmen.

Denn Mitarbeitende sollen gerne zur Arbeit kommen. 

Und woran messen Sie die Attraktivität?

Karina Reimann: Neben einer guten Arbeitsplatzkultur steht vor allem die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit für die Mitarbeitenden im Vordergrund. 

87 Prozent unserer Mitarbeitenden geben an, dass sie sich „willkommen“ in der Organisation fühlen. Zudem haben wir eine niedrige Fluktuation.

Auf der anderen Seite machen wir die Erfahrung, dass viele neue Mitarbeitende durch Bestandsmitarbeitende geworben werden. 

Was macht beim Caritasverband Olpe den besonderen Unterschied und was liegt Ihnen besonders am Herzen – auch im Vergleich zu anderen Pflegeunternehmen?

Karina Reimann: Wir verstehen unsere Vision „Caritas. Nah. Am Nächsten.“ als besondere Verpflichtung nicht nur gegenüber den betreuten und unterstützten Menschen in der Region, sondern auch und insbesondere gegenüber den Mitarbeitenden.

Der Caritasverband Olpe steht für eine glaubwürdige, respektvolle und faire Zusammenarbeit der Führungskräfte mit den Mitarbeitenden, für eine hohe Identifikation aller mit ihrer Tätigkeit und für einen starken Teamgeist. 86 Prozent der befragten Caritas-Mitarbeitenden haben angegeben, noch lange bei ihrem „sehr guten Arbeitgeber“ beschäftigt sein zu wollen – das spricht für sich. 

Unsere Mitarbeitenden betonen außerdem die Familienfreundlichkeit des Verbandes und, „dass man auch in privaten Krisensituationen Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte bekommt.“ 

Wir sind auch stolz auf unseren hohen Weiterempfehlungsquoten: 77 Prozent unserer Mitarbeitenden würden den Caritasverband Olpe als Arbeitgeber oder die Leistungen und Dienste empfehlen.

 Das ist eine besondere Bestätigung für uns, denn vergleichbare, bei A Great Place To Work nicht platzierte Organisationen haben im Schnitt 25 bis 50 Prozent weniger Prozentpunkte an dieser Stelle!

Wie wird aus Ihrer Sicht der Pflegeberuf in der Öffentlichkeit wahrgenommen, und hat sich die Wahrnehmung durch Corona verändert?

Karina Reimann: Zu den Zeiten der Corona-Pandemie (2020/Anfang 2021) ist der Pflegeberuf nochmal sehr in den Vordergrund gerückt und gewürdigt worden. Gerade in sozialen Netzwerken wurden diverse Kanäle mobilisiert, um auf die Situation in der Pflege aufmerksam zu machen. Die Pflege wurde mit Aufmerksamkeit, Dankbarkeit und auch einer einmaligen Corona-Prämie belohnt.

Die Frage ist, was davon jetzt bleibt?

Da ist aber auch und gerade die Politik gefragt, entsprechende Weichen zu stellen. 
Wir haben zudem die positive Erfahrung gemacht, dass wir alle Ausbildungsplätze in der Pflege besetzen konnten. 

Wie kann der Pflegeberuf nachhaltig attraktiver und positiver gestaltet werden?

Karina Reimann: Eine Facette neben dem Image des Berufes ist sicherlich die Bezahlung.

Bei dem Personal muss mehr direkt ankommen.

Zudem ist der Beruf gebrandmarkt von „Zeitdruck“. Verlässliche Dienste sowie mehr Personal würden dazu beitragen, Entlastung zu schaffen. Ein Digitalisierungssprung würde der Branche und dem Personal guttun. Dann könnten an der Stelle Ressourcen gespart beziehungsweise an anderer Stelle besser eingesetzt werden: am Menschen direkt! Der Pflegeberuf bedeutet viel mehr!

Wie gewinnen Sie neue Fachkräfte und wie kann das Pflegepersonal dauerhaft an ein Unternehmen gebunden werden?

Karina Reimann: Einer der ersten Schritte haben wir bereits vor einigen Jahren getan, indem wir eine Arbeitgebermarke mit unseren Mitarbeitenden entwickelt haben. Zudem sind wir über diverse Instrumente im kontinuierlichen Austausch mit unseren Mitarbeitenden.

Allein die Analyse der Befragungsergebnisse bringt uns jedes Mal ein Stück weiter, um zu wissen, was unsere Mitarbeitenden wollen/brauchen.

Aufgrund des hohen Frauenanteils in der Organisation müssen wir recht flexibel mit unseren Arbeitszeiten und Diensten sein. In der Pflege gibt es beispielsweise „Mütterdienste“, die in Zeiten fallen, wo die Kinder betreut werden können. 

Wir verfügen über eine gut aufgestellte Personalentwicklung, die in den vergangenen Jahren die Nachwuchsförderung ins Visier genommen hat. Es gibt diverse Programme, wie wir unsere Mitarbeitenden fördern und zur Führungskraft weiterentwickeln. Dazu gehört zum Beispiel der Führungskräfte-Nachwuchspool, ein High-Potentials-Programm. Es gibt auch viele langjährige Mitarbeitende bei uns. Einige davon haben seinerzeit als Zivi bei uns begonnen und sind mittlerweile in einer gehobenen Führungsfunktion (zum Beispiel Zentrumsleitung). 
Wir sehen uns als lernende Organisation – wir gestalten unsere Zukunft gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden.

Welche Wünsche/Erwartungen haben Sie an die Politik?

Karina Reimann:  Wir benötigen langfristige, nachhaltige Maßnahmen, die direkt beim Pflegepersonal ankommen. Eine davon ist sicher die Verbesserung der Bezahlung – auch wenn die Caritas mit ihrem Tarifwerk sicher schon weit vorne ist. 

Wir benötigen zudem ein Personalsystem, das nicht auf Zeitdruck basiert, sondern Entlastung schafft. 

Es muss in Digitalisierung investiert werden.

Die Pflege leidet unter einer überbordenden Bürokratie – ein echter Zeitfresser.

Die Zeit am Menschen muss im Vordergrund stehen. 

Zentral ist außerdem die konsequente Durchführung der vereinbarten Umsetzungsschritte zur Einführung eines Personalbemessungsverfahrens für vollstationäre Pflegeeinrichtungen (vergleiche Kampagne Deutscher Caritasverband zur Bundestagswahl). 

Herzlichen Dank für die Beantwortung unserer Fragen.

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