Eine noch altersfreundlichere Stadt soll Zürich im Jahr 2035 sein. Eine Stadt, in der ältere Menschen möglichst lange selbstbestimmt und in ihrem vertrauten Umfeld leben können, fasst der Vorsteher des Gesundheits- und Umweltdepartements (GUD), Stadtrat Andreas Hauri, den Kern der neuen Altersstrategie zusammen. Die Gesellschaft und die Bedürfnisse der kommenden Generationen verändern sich, und es braucht neue Lösungen. Deshalb hat die Stadt Zürich 2019 einen breiten Mitwirkungsprozess angestossen. Basierend auf dessen Ergebnissen und unter Berücksichtigung aktueller Trends und Herausforderungen definierte der Stadtrat den Handlungsbedarf und konkrete Massnahmen.

Die «Altersstrategie 2035» identifiziert vier Handlungsfelder: (1) Wohnen, Unterstützung und Pflege nach Bedarf, (2) Information und Angebot im Quartier, (3) Unterwegs im öffentlichen Raum und (4) Teilhaben, helfen und mitgestalten. Wichtige Anliegen für die Umsetzung sind bestehende Lücken im Finanzierungssystem zu mindern, die Diversität der Bevölkerung zu berücksichtigen und die Chancen der Digitalisierung zu nutzen.

So lange wie möglich im vertrauten Umfeld wohnen

Damit ältere Menschen künftig noch länger im vertrauten Umfeld bleiben können, wird die Stadt Zürich mehr altersgerechten und bezahlbaren Wohnraum schaffen. Die ambulanten Dienste (zum Beispiel Spitex) werden gestärkt. Und damit auch einkommensschwache Personen mit Unterstützungsbedarf länger zu Hause bleiben können, will die Stadt neue Formen von finanziellen Beihilfen für Betreuung und Unterstützung entwickeln.

Durch die Stärkung des ambulanten Bereichs kann künftig die Anzahl der benötigten Pflegebetten in der Stadt Zürich reduziert werden, trotz Zunahme der Anzahl an hochaltrigen Menschen. In den städtischen Alterszentren leben viele Personen ohne oder mit einem sehr geringen Pflegebedarf. Hier wird ein Teil der bestehenden Pflegebetten in den nächsten Jahren in neue Angebote des «Wohnens mit Betreuung» umgewandelt. Alterszentren in der heutigen Form werden von der Stadt nicht mehr geplant und gebaut. Für Menschen mit hohem Pflegebedarf stehen weiterhin genügend stationäre Angebote zur Verfügung. Dies umfasst zunehmend spezialisierte Leistungen für Menschen mit Demenz oder psychiatrischen Diagnosen sowie Palliative Care. Die Altersmedizin im Stadtspital am Standort Waid wird weiter gestärkt.

Das neue städtische Wohn-, Pflege- und Betreuungsmodell

Das Angebot der städtischen Alters- und Pflegezentren sowie der Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich wird künftig vielfältiger, durchlässiger, vernetzter und orientiert sich am Bedarf in den Quartieren. Das neue städtische Wohn-, Pflege- und Betreuungsmodell beinhaltet im Kern ein Gesundheitszentrum mit einem integrierten und abgestuften Angebot sowohl für Menschen im 4. Lebensalter, die Wert auf vermehrte Sicherheit und soziale Kontakte legen, als auch für fragile und pflegebedürftige alte Menschen. Es dient als Treffpunkt mit verschiedenen Angeboten für das Quartier. Zudem sind altersdurchmischte und gemeinschaftliche Wohnkonzepte vorgesehen. Dort sollen Wohnformen wie Alters-WGs, Clusterwohnungen oder weitere spezifische Angebote für LGBT, Migrationsbevölkerung oder Gemeinschaften mit gleichen Interessen gefördert werden. Bei künftigen Neubau- oder Sanierungsprojekten werden bestehende private und gemeinnützige Angebote von den städtischen Altersinstitutionen in der Planung berücksichtigt und ergänzen deren Angebote. Bei den Neubauprojekten Grünau und Oberstrass wird dieser Ansatz konsequent angewendet. Bereits bestehende städtische Alters- und Pflegezentren werden, wo sinnvoll und baulich realisierbar, dem neuen Modell angepasst.

Die bislang getrennt geführten städtischen Angebote sollen näher zusammenrücken und die Zusammenarbeit verstärkt werden. Deshalb werden die beiden Dienstabteilungen Alterszentren und Pflegzentren zusammengelegt. Renate Monego, Direktorin der Pflegezentren der Stadt Zürich, wird ab August die Gesamtleitung übernehmen. Rosann Waldvogel, Direktorin der Alterszentren, geht aufgrund der Zusammenlegung der Dienstabteilungen in Frühpension. Mit einer Gesamtleitung können die künftige Planung und Weiterentwicklung der städtischen Angebote besser aufeinander abgestimmt, die Synergien vermehrt genutzt und vor allem die Durchlässigkeit zwischen den Institutionen verbessert werden.

Onlineplattform und Anlaufstellen im Quartier

In der Stadt Zürich gibt es für alte Menschen eine Vielzahl an Angeboten. Oft ist es schwierig, passende Dienstleistungen schnell und unkompliziert zu finden. Für ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter müssen die bestehenden Informationsmöglichkeiten und Angebote einfacher zugänglich sein. Vor allem sollen auch schwer erreichbare Personen wie etwa gebrechliche und kranke Menschen, die zu Hause leben, Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung oder Personen, die mit sprachlichen Barrieren zu kämpfen haben, von den Angeboten erfahren und profitieren können. Die städtischen, gemeinnützigen und privaten Angebote sollen künftig via einer digitalen Plattform und einer zentralen Fachstelle für alle Altersfragen besser gebündelt und vernetzt werden. Gleichzeitig sollen quartiernahe Anlaufstellen pilotiert werden.

Konkrete Anstösse für die Gestaltung des öffentlichen Raums

Selbstbestimmung heisst sich auch frei im öffentlichen Raum bewegen zu können. Der Stadtraum soll noch besser auf die Herausforderungen ausgerichtet werden, denen ältere Menschen zum Teil ausgesetzt sind. Neben dem weiteren hindernisfreien Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und der Haltestellen wird die Situation für die Fussgängerinnen und Fussgänger verbessert. Zusätzliche Sitzgelegenheiten bieten die Möglichkeit sich auszuruhen.

Engagement stärken

Da ältere Menschen selber die besten Expertinnen und Experten für ein altersfreundliches Zürich sind, sollen sie stärker in die Planungs- und Gestaltungsprozesse einbezogen werden. Die Stossrichtung «Teilhaben, helfen und mitgestalten» befasst sich mit der Frage, wie ältere Menschen sich besser einbringen können und wie bestehende Hürden, etwa kulturell oder sozial begründet, abgebaut werden können.

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