Trotz zunehmender Aufmerksamkeit bleiben die Vermeidung von Krankenhausinfektionen (Healthcare-Associated Infections, HAI) und die Händehygiene in Italien eine große Herausforderung, erklärt Dr. Yari Longobucco, Assistenzprofessor an der Universität Florenz. Die jüngste Überwachungsstudie des italienischen Gesundheitsministeriums ergab eine durchschnittliche HAI-Prävalenz von 8,8 Prozent (95  Prozent Konfidenzintervall: 8,78 –8,82  Prozent) in den untersuchten Krankenhäusern. Eine aktuelle Studie zeigt nun, wie KI-gestützte Technologie helfen kann, diesen Trend zu durchbrechen.

Laut Dr. Longobucco stellt die Händehygiene nach wie vor die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung nosokomialer, in Krankenhäusern akquirierter Infektionen dar. Er ist Assistenzprofessor an der Universität Florenz und Mitglied des wissenschaftlichen Ausschusses von ANIPIO, der italienischen Fachgesellschaft der Krankenpflegekräfte für die Infektionsprävention. Obwohl Leistungserbringer zahlreiche Schulungen anbieten, gibt es laut Dr. Longobucco weiterhin Schwierigkeiten bei der richtigen Umsetzung: „Die wichtigsten Punkte sind das Verständnis bzw. das Bewusstsein sowie die korrekte und vollständige Durchführung der Desinfektionsmaßnahme.“

Händehygiene – die Hürden 

Zu den größten Herausforderungen, wenn es darum geht, die Händehygiene des Klinikpersonals auf einem hohen Niveau zu halten, gehört eine übermäßige Selbstsicherheit im eigenen Können sowie ein „Gewöhnungseffekt“ durch die sich wiederholende Tätigkeit, was zu einem Rückgang der Aufmerksamkeit führt. Verstärkt wird dies durch den chronischen Personalmangel im Gesundheitswesen, der eine erhöhte Arbeitsbelastung mit sich bringt.

Die Hauptmotivation für die Durchführung der Studie bestand laut Longobucco darin, innovative Technologien zur Schulung des Personals in die richtige Handhygiene einzuführen – mit Lösungen, die den Lernenden ein unmittelbares und interaktives Feedback geben können.

Studie: Methodik und Durchführung

Drei Krankenhäuser wurden ausgewählt, weil sie bereits den KI-gestützten Semmelweis Scanner verwendeten, mit dem sie ein Projekt zur Qualitätsverbesserung bezüglich der Händehygiene-Schulung durchgeführt hatten: Das Krankenhaus Galliera in Genua, das Krankenhaus San Martino in Genua und das Universitätskrankenhaus von Padua. Um die Stichprobe zu stratifizieren, wurden drei verschiedene klinische Bereiche mit unterschiedlicher Komplexität einbezogen: eine internistische Station, eine chirurgische Station und eine Intensivstation. Die Studie wurde von ANIPIO durchgeführt. Insgesamt nahmen 292 Personen teil: 202 Pflegekräfte und 90 Gesundheitsassistent:innen.

Die Schulungsmaßnahme wurde in mehreren Durchgängen in den einzelnen teilnehmenden Krankenhäusern durchgeführt. Ziel war es, die Teilnahme zu erleichtern, um so viele Fachleute wie möglich zu erreichen. Vor dem theoretischen Teil wurde ein Test mit dem Semmelweis Scanner durchgeführt, dessen Ergebnis als Ausgangsbasis für die nachfolgenden Analysen diente. Anschließend wurde eine Intervention in Form einer Präsenz-Vorlesung durchgeführt – mit von ANIPIO bereitgestellten Materialien und auf dem Rahmenwerk der Weltgesundheitsorganisation (WHO) basierend. Danach konnten die Lernenden drei weitere Tests mit dem Scanner durchführen, um die Technik zu verfeinern.

Wichtigste Erkenntnisse und Ergebnisse

Obwohl es einige kleine Unterschiede zwischen den teilnehmenden Zentren gab, zeigte sich insgesamt eine langsame, aber stetige Verbesserung der Händedesinfektionstechnik.

„Dieser signifikante Trend deutet darauf hin, dass der Einsatz des Scanners eine nachhaltige Verbesserung der Praxis ermöglicht hat.“

Dr. Longobucco.

Zwischen den Krankenhausabteilungen zeigten sich Unterschiede: Besonders die chirurgischen Stationen hatten bei der ersten Nachkontrolle die niedrigsten Adhärenzraten. Wie Dr. Longobucco unterstreicht, „sollte jedoch darauf hingewiesen werden, dass wir in unserer Studie nicht über eine ausreichende Stichprobenstärke verfügen, um diese Beobachtungen mit Sicherheit zu bestätigen. Sie könnten zufällig oder durch Störfaktoren verursacht worden sein, die wir nicht erkannt haben“.

Ein systematisches Feedback zu den wesentlichen Vorteilen des Semmelweis Systems bei pädagogischen Interventionen wurde zwar nicht erhoben, aber einzelne Rückmeldungen hoben das unmittelbare visuelle Feedback und den Gamification-Ansatz („gesunder Wettbewerb“) positiv hervor.

Auswirkungen und Konsequenzen für die Zukunft

Zu den wichtigsten Erkenntnissen des Studienteams in Bezug auf die Rolle der KI-gestützten Technologie bei der Infektionsprävention gehört, dass „ihre Einführung eine größere Interaktivität der Lernenden ermöglicht, die die Konzepte sofort praktisch anwenden können und ein unmittelbares Feedback über die Qualität ihrer geübten Praxis erhalten“. Der Einsatz eines KI-gestützten Scanners erwies sich als praktikabel und wirksam und wurde von den Teilnehmenden geschätzt.

Zu den Empfehlungen für andere Gesundheitseinrichtungen, die die Einhaltung der Händehygiene verbessern wollen, meint Dr. Longobucco: „Es ist wichtig, die Aufmerksamkeit für dieses Thema zu wecken. Es wurde schon so viel über diese Maßnahme gesagt, und sie wird oft als selbstverständlich angesehen, aber die Literatur zeigt uns, wie viel mehr getan werden muss.“ Um diesen Trend zu brechen, müssen neue Ansätze eingeführt werden, wie z. B. Änderungen bei der Ausbildung. „Deshalb bietet der Einsatz neuer Technologien die Chance, Schulungskonzepte zu modernisieren und den Wissenserwerb zu optimieren.“

Weitere Informationen unter www.handinscan.com.

Fotocopyright: HandInScan

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