Künstliche Intelligenz (KI) auf dem Weg zur Durchsetzung: Auch im deutschen Gesundheitswesen stellt das Jahr 2026 einen Wendepunkt dar. Vorangetrieben wird die Entwicklung durch die zunehmende Einführung generativer KI (GenAI), durch die Weiterentwicklung der Regulatorik und öffentlichen Förderung sowie den Fokus auf die Unterstützung und Entlastung der Fachkräfte. Branchenführer gehen davon aus, dass klinisch validierte KI zu einem unverzichtbaren Partner im Arbeitsalltag werden wird, indem sie die Dokumentation automatisiert, Versorgungslücken aufzeigt und die Kommunikation optimiert.

Gleichzeitig wird von Leistungserbringern erwartet, dass sie in Sachen Governance aufholen und Compliance-Richtlinien formulieren, um den Risiken von „Schatten-KI“, der unkontrollierten Nutzung von Technologie, zu begegnen. Dieses Jahr des Übergangs wird nicht nur zu einer höheren Effizienz und höheren Versorgungsqualität führen. Es wird auch gewährleisten, dass Technologie das menschliche Fachwissen unterstützt – statt Fachpersonal zu ersetzen – und Patient:innen und Ärzt:innen im Mittelpunkt der Innovation stehen.

Um die anstehenden Trends, Herausforderungen und Chancen in der Gesundheitstechnologie im Jahr 2026 zu beleuchten, geben führende Experten und Expertinnen von Wolters Kluwer Health ihre Einschätzungen für das kommende Jahr ab. Sie beschäftigen sich vor allem mit Frage, wie das Thema Schatten-KI Gesundheitsorganisationen zwingt, ihre Governance zu verbessern. Diese Prognosen gehen über den Hype hinaus und bieten einen aufschlussreichen Ausblick auf die Zukunft, der uns den Weg zu einer intelligenteren und tragfähigeren Zukunft der Gesundheitstechnologie weist.

Wo nimmt der Einsatz generativer KI („GenAI“) im Gesundheitswesen zu?

Greg Samios, CEO: Klinisch validierte generative KI (GenAI) kann ein zuverlässiger Kopilot sein, wenn sie in die täglichen Arbeitsabläufe eingebettet, streng validiert, durch Sicherheitsmechanismen geschützt und mittels „Expert-in-the-Loop“-Aufsicht ergänzt wird. Mit Blick auf das Jahr 2026 werden Leistungserbringer weiterhin erleben, wie GenAI Dokumentation automatisieren, klinische Notizen synthetisieren, Versorgungslücken aufdecken und die Kommunikation zwischen Ärzt:innen und Patient:innen in großem Maßstab optimieren kann.

Wie wird GenAI von einem technischen Werkzeug zu einem Partner im Gesundheitswesen?

Greg Samios, CEO: Da Schatten-KI zunehmend verbreitet ist, sollten Ärzt:innen ausschließlich speziell entwickelte GenAI-Systeme verwenden, die auf von Expert:innen validierter Evidenz basieren, transparente Quellenangaben liefern und maßgeschneiderte Empfehlungen geben können. GenAI wird die Effizienz der medizinischen Fachkräfte und die Qualität der Versorgung steigern. Wir müssen jedoch die Sicherheit und die Beziehungen zwischen Ärzt:innen und Patient:innen bewahren, indem wir Arbeitsabläufe so umgestalten, dass GenAI von einem Werkzeug zu einem Partner wird und die Patient:innen im Mittelpunkt der Versorgung bleiben.

Wo überschneiden sich Governance und Desklilling, also das Verlernen von Kompetenzen?

Peter Bonis, MD, Chief Medical Officer: 2026 wird das Jahr der Governance sein. Die Führungsetagen der Gesundheitseinrichtungen versuchen, zum klinischen Fachpersonal aufzuschließen, die GenAI-Anwendungen schnell angenommen haben. Dennoch haben diese Fachkräfte immer noch Schwierigkeiten, Antworten zu erkennen, die zwar fachkundig und überzeugend klingen, aber klinisch nicht korrekt sind – selbst wenn glaubwürdige Quellen angegeben werden. Hinzu kommt das entstehende Risiko eines klinischen Deskilling (Abbau von Fähigkeiten/Verlernen von Kompetenzen) durch den Einsatz von GenAI. Insgesamt bin ich weiterhin optimistisch, was die Verwirklichung sicherer und wirksamer Anwendungen angeht. Es werden aber neue Governance- und Aufsichtsrahmen erforderlich sein, um die Sicherheit der Patient:innen zu gewährleisten und sicherzustellen, dass Ärzt:innen ihre Fähigkeiten weiterentwickeln.

Was sollte jede(n) CTO und CMIO im Jahr 2026 beschäftigen?

Alex Tyrrell, Senior Vice President and Chief Technology Officer: Im Jahr 2025 verbreitete sich Schatten-KI in Gesundheitsorganisationen, da Mitarbeitende aller Bereiche der Behandlung nach Wegen suchten, die Effizienz angesichts anhaltender Überlastung, Personalmangels und anderer Faktoren zu steigern. Infolgedessen werden Führungskräfte im Gesundheitswesen im Jahr 2026 gezwungen sein, KI-Governance-Modelle zu überdenken und stärker formalisierte, organisationsweite Rahmenwerke einzuführen, die den verantwortungsvollen Einsatz von KI gewährleisten – einschließlich angemessener Schulungen und geeigneter Schutzmechanismen zur Einhaltung von Vorschriften.

Wie können Führungskräfte immer einen Schritt voraus bleiben?

Alex Tyrrell, Senior Vice President and Chief Technology Officer: Um das rasante Wachstum der Schatten-KI proaktiv einzudämmen, werden sich die zukunftsorientiertesten Organisationen damit beschäftigen, „KI-Sicherheitszonen“ einzurichten – also kontrollierte Umgebungen, in denen Leistungserbringer und Verwaltungspersonal sicher mit zugelassenen KI-Tools und Datensätzen experimentieren können. Angesichts der zunehmenden Regulierungsbemühungen im Bereich der KI auf staatlicher Ebene werden diese formalisierten Rahmenwerke entscheidend dazu beitragen, dass Leistungserbringer in Sachen Compliance immer einen Schritt voraus sind.

Was ist Ihre größte Sorge hinsichtlich der GenAI-Innovation im Gesundheitswesen im neuen Jahr?

Holly Urban, MD, Vice President, Business Development Strategy: Generative KI revolutioniert das Gesundheitswesen und bietet transformative Möglichkeiten in den Bereichen klinische Dokumentation, Entscheidungsunterstützung, Patientenkommunikation und medizinische Ausbildung. Diese Tools versprechen eine Verringerung des Verwaltungsaufwands, eine höhere Diagnosegenauigkeit und eine bessere Patienteneinbindung – Vorteile, die von „Early Adopters“ in Gesundheitseinrichtungen bereits genutzt werden.

Neben dieser Innovation besteht jedoch eine wachsende Lücke in der Governance. Um einen bestimmten Superhelden-Comic zu zitieren: GenAI im Gesundheitswesen bringt große Macht mit sich, aber diese Macht geht mit großer Verantwortung einher. Im Jahr 2026 werden wir verstärkt von wachsender Besorgnis über den Aufstieg der „Schatten-KI“ hören – also den Einsatz generativer KI-Tools im Gesundheitswesen außerhalb institutioneller Aufsicht.

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