„Menschen werden nicht krank, weil sie älter geworden sind, sondern weil sie sich nicht genug bewegen. Ein regelmäßiges körperliches Training ist die beste Medizin, um die Lebensqualität im Alter zu erhalten und Muskelschwund, Gebrechlichkeit und Pflegebedürftigkeit möglichst lange entgegenzuwirken.“

Univ.-Prof. Martin Halle, Ärztlicher Direktor der Präventiven Sportmedizin und Sportkardiologie der Technischen Universität München

Mit Unterstützung der Beisheim Stiftung entwickeln der Präventivmediziner und sein Team ein universal einsetzbares Bewegungsprogramm für Senioreneinrichtungen in ganz Deutschland.

Kostenfreies, professionelles Training in Senioreneinrichtungen

Die Studie läuft derzeit in zwölf Senioreneinrichtungen in und um München. Weitere acht Senioreneinrichtungen im S-Bahn-Einzugsgebiet haben die Chance, dabei zu sein. Gesucht werden Seniorenheime, Seniorenresidenzen und Einrichtungen des Betreuten Wohnens mit mindestens 75 bis 100 Bewohnern und einer zumindest provisorischen Fläche für fünf bis sieben Kraft-, Koordinations- und Ausdauertrainingsgeräten. Damit das Projekt wissenschaftlich durchgeführt werden kann, müssen die interessierten Einrichtungen bereit sein, in der Studienphase sowohl als Trainings- oder auch als Kontrolleinrichtung teilzunehmen. Die Zuordnung erfolgt per Los. Insgesamt je zehn Einrichtungen werden Trainings- oder Kontrolleinrichtung. Mit Unterstützung des Studienteams wird in den Trainingseinrichtungen zunächst ein Trainingsbereich installiert. Die Krafttrainingsgeräte sind altersangepasst und so auch für Hochbetagte einfach zu bedienen.

Bewohner der Trainingseinrichtungen haben die Gelegenheit, zweimal wöchentlich kostenfrei, unter ständiger professioneller Anleitung und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen ein Kraft-, Koordinations- und Ausdauertraining zu absolvieren. Das Training erstreckt sich über sechs Monate, in denen die Teilnehmer zuvor, während und danach internistisch-sportmedizinisch untersucht werden. Die Gesamtstudienlaufzeit beträgt etwa ein Jahr.
Teilnehmer der Kontrolleinrichtungen erhalten bei zwei Informationsveranstaltungen Tipps zu gesundem Altern. Zusätzlich werden auch sie im Studienverlauf regelmäßig bezüglich ihrer Gesundheit und ihres Sturzrisikos untersucht.
Die Kosten für Training, Geräte und Untersuchungen werden im Rahmen des Projekts von der Beisheim Stiftung übernommen. Interessierte Einrichtungen können sich bei Projektleiterin Nina Schaller melden: per Email an nina.schaller@mri.tum.de beziehungsweise über die Telefonnummer 089 / 289 244-23.

Die Hälfte der über 80-Jährigen stürzt mindestens einmal im Jahr

Ob beim Aufstehen, Gehen, Treppensteigen oder dem nächtlichen Gang zur Toilette: Etwa 30 Prozent der über 65-Jährigen sowie die Hälfte der über 80-Jährigen stürzen jährlich mindestens einmal – das belegen gemeinsame Zahlen des Robert Koch-Instituts, des Bundesministerium für Gesundheit, des Deutschen Zentrums für Altersfragen und des Statistischen Bundesamts. Die Institutionen gehen von etwa fünf Millionen Stürzen älterer Menschen pro Jahr aus. Stürze sind die häufigste Ursache von Hilfs- und Pflegebedürftigkeit. „Wenn wir nicht gezielt trainieren, verlieren wir bis zum 80. Geburtstag etwa 50 Prozent unserer Muskelmasse und haben ein erhöhtes Risiko für Stürze, Brüche, Bettlägerigkeit und soziale Isolation. Für ein körperliches Training ist es nie zu spät. Selbst gebrechliche oder hochbetagte Menschen profitieren enorm“, erklärt Univ.-Prof. Halle.

Senioren nehmen mit großer Begeisterung am Training teil

Bereits in einer Pilotstudie mit 77 Teilnehmern zwischen 75 und 104 Jahren im KWA-Stift Rupertihof in Rottach-Egern und im Diakoniewerk München hat sich gezeigt, dass das bestform-Training als enorme Bereicherung gesehen wird: Viele Bewohner in den beiden Pilot-Einrichtungen nehmen seither regelmäßig und mit großer Begeisterung am Training teil und berichten über körperliche und seelische Verbesserungen. Nachfolgend wurde das bestform-Programm im Rahmen der aktuellen Studie auf weitere Senioreneinrichtungen ausgeweitet. Trotz der schwierigen Corona-Gesamtsituation konnte das Training unter Beachtung der entsprechenden Hygienevorgaben bis auf wenige Phasen

kontinuierlich fortgeführt werden. Mittlerweile nehmen über 200 Bewohner aus zwölf Senioreneinrichtungen an dem Projekt teil. Die ersten Studienteilnehmer haben inzwischen mit Erfolg die sechsmonatige Studienphase absolviert und erhalten nun die Möglichkeit, weiter in ihrer Senioreneinrichtung zu trainieren. Auch hier werden sie in den kommenden Wochen von kompetenten, engagierten Trainern der Präventiven Sportmedizin und Sportkardiologie der Technischen Universität München begleitet, bevor die Senioreneinrichtungen das bestform-Training eigenständig fortführen.

Bewegung in das Thema Alter bringen

„Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels ist es uns als Beisheim Stiftung wichtig, Bewegung in das Thema Alter zu bringen. Mit dem Projekt „bestform. Sport kennt kein Alter.“ ermöglichen wir Menschen in Senioreneinrichtungen, aktiv zu werden und damit ihre körperliche und geistige Fitness zu stärken. Durch das Programm schaffen wir auch die gerade im Alter so wichtigen Gemeinschaftserlebnisse.“

Dr. Toni Calabretti, Vorstand der Beisheim Stiftung

„Das regelmäßige Training in der Gruppe macht glücklich und hält jung“

Univ.-Prof. Halle ergänzt: „Im Grunde haben Menschen nur zwei Wünsche: alt zu werden und dabei jung zu bleiben. Neben der besseren körperlichen Gesundheit und Fitness hat das regelmäßige Training in der Gruppe noch einen entscheidenden Vorteil: Es sorgt dafür, dass sich Senioren weniger einsam fühlen und fördert somit ihr seelisches Wohlbefinden. Es ermöglicht neue, positive Gesprächsthemen, anders als an anderen Orten im Altenheim. Die Frauen und Männer lernen im Trainingsraum andere Menschen kennen und erleben gemeinsam Freude an der Bewegung. Das macht glücklich, motiviert, hält jung und vital.“

Weitere Informationen finden Sie unter www.sport.mri.tum.de/bestform und im Film der Beisheim Stiftung: https://www.beisheim-stiftung.com/de/de/projekt/bestform.

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