34 Bürgermeister setzen Ihre Hoffnungen seit fast zehn Jahren auf das „stambulant“ Modell in der Pflege. Landespolitik aus Bayern und Baden-Württemberg, Pflegekassen, Wissenschaftler,  Verbände, Einrichtungsbetreiber  und Pflegekunden unterstützen es vehement. Nach fast einem Jahrzehnt erfolgreicher Praxis und Evaluation soll es im September endlich auch gesetzlich zugelassen werden. Doch ein paar Hürden sind noch zu nehmen.

Es könnte so einfach sein: Kosten senken und Qualität stiegern. 1.000 Euro pro Monat kann jeder Bewohner an seinem Pflege-Eigenanteil einsparen, die Kassen müssen pro Bewohner und Jahr nachweislich bis zu 7.200 Euro weniger zahlen: Würde stambulant flächendeckend eingeführt, könnte es das Pflegesystem um Milliarden von Euro entlasten – und das jedes Jahr!

Doch das war lange Zeit wohl zu schön,  um wahr zu werden: Denn jahrelang bauten sich immer wieder bürokratische Hürden gegen das ebenso erfolgreiche wie kostengünstige  „Mit-Mach-Heim“ auf.

Nun gibt es ein Hoffnungszeichen aus Berlin: Die Bundesregierung will das  Pflege-System „stambulant“ nach fast zehn Jahren endlich zulassen. Grundsätzlich ist das eine gute Nachricht, doch:

„Die zwei Projekte, die in diesem Jahr in Meßstetten und Biederbach in Ba-Wü begonnen werden sollten, starten wir erst, wenn die gesetzliche Grundlage feststeht. Der Baubeginn musste bisher wegen fehlender gesetzlicher Regelungen immer wieder verschoben werden.“

Kaspar Pfister, stambulant-Entwickler

Dabei geht es um ein Ärztezentrum, zwei kommunale Kindergärten, barrierefreie Wohnungen, Tagespflege und 100 stambulante Pflegeplätze mit rund 25 Millionen Euro Investitionssumme  – das Ganze ohne öffentliche Fördergelder!

Hoffnung genügt aber nicht

Trotz der Hoffnung auf Zulassung: Pfister kritisiert den aktuellen Gesetzentwurf: „Für die Umsetzung von stambulant reicht die jetzige Formulierung im Gesetz nicht aus, es sollen die Details durch die Spitzenverbände definiert werden und die sollen 12 Monate Zeit dafür brauchen dürfen. „Deshalb kann es jetzt auch noch keinen Baubeginn in unseren Projekten geben!“

Immerhin: Der politische  Wille ist erneut artikuliert. Doch Pfister fürchtet die bürokratischen Mühlen. 10 Jahre stambulant-Erfahrung haben gezeigt, dass bereits zweimal der Versuch einer gesetzlichen Verankerung gescheitert ist.  Im parlamentarischen Verfahren sollen nun die Korrekturen erfolgen, um stambulant unbürokratisch an den Start zu bringen. „Es geht doch nur um ein paar Sätze, die ins Sozialgesetzbuch eingepflegt werden müssten!“ sagt Pfister. „stambulant ist keine dritte Säule, sondern nur eine Ergänzung zu all den Konzepten, die es eh schon gibt, eine Möglichkeit, die kein Betreiber umsetzen muss, der nicht will. “ Pfister schüttelt den Kopf: „Was soll die unsinnige und theoretische Diskussion über Säulen der Pflege?“ Dem Pflege-Reformer wäre eine Auflösung aller Leistungssektoren in der Pflege das Liebste: Man bekommt Leistungen ausschließlich nach Bedürftigkeit und nicht nach der Art, wie man wohnt. Pfister fragt sich:

„Aber wann kommt das endlich? Warum wird Pflege in Deutschland immer komplizierter?“

Erfolg im dritten Anlauf?

Ob wann was wie kommt, hängt nun davon ab, was im parlamentarischen Verfahren herauskommt. „Jedenfalls finde ich es beschämend, wie man mit engagierten Bürgern, Kommunen und Unternehmen umgeht!“ sagt Pfister mit Blick auf seine Erfahrungen. „Ich bin fassungslos. Jeden Tag erfahren wir, dass Pflegeplätze fehlen, die Kosten nicht mehr bezahlbar sind, Eigenanteile zu hoch sind, die Pflegekassen blank“, zählt Pfister auf. „Aber Lösungen werden verhindert. Konzepte, die bei besserer Qualität die Eigenanteile deutlich verringern und den Kassen Milliarden pro Jahr einsparen könnten, werden ausgebremst, Fakten ignoriert. Stattdessen sucht man nach Bedenken, anstatt die Chancen zu sehen“.

Gespannt blickt Pfister auf die nächsten Monate: „Ich werde jetzt alle Aktivitäten einstellen und warten, was von der Obrigkeit kommt, um dann zu sehen, was wir dann noch machen dürfen!“ Pfister fügt an: „Allerdings: Wenn ich stambulant so umsetzen darf, wie es sich in der Praxis in 9 Jahren bewährt hat, investiere ich 100 Mio. Euro in neue Projekte. Wenn nicht, lasse ich es sein!“

1 comment
  1. Mal Anzeige wegen „Amtsmissbrauch“ versuchen? („Ich arbeite, wann ich will, und so schnell ich will, und die Gemeinschaftskosten sind mir egal, solange mein Stuhl nicht wackelt und meine Lobbies nicht weinen“?)

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